Solarthermie-Förderung: Ein Antrag, zwei Zuschüsse

Cartoon: Michael Hüter
Cartoon: Michael Hüter
03.06.2016

Für viele Solarthermie-Anlagen gibt es neben dem Marktanreizprogramm nun auch einen Zuschuss aus dem Anreizprogramm Energieeffizienz (APEE) des Bundeswirtschaftsministeriums. Doch ob sich das lohnt, muss man gut prüfen.

Es gibt wieder mehr Geld für die Solarthermie: Seit dem 1. Januar 2016 können Kunden auch von dem neuen Anreizprogramm Energieeffizienz (APEE) des Bundeswirtschafts­ministeriums profitieren. Wer seine Heizung durch den Einsatz ­erneuerbarer Energien effizienter und umweltfreundlicher macht, kann nun oft einen ­Zusatzbonus in ­Höhe von 20 % der Förderung des Marktanreizprogramms (MAP) erhalten. Hinzu ­kommen weitere 600 € für die Optimierung der ­Heizungsanlage.

Praktisch ist: Die Förderung des APEE lässt sich mit demselben Formular beantragen wie die MAP-Förderung. Die APEE-Förderung kann generell erhalten, wer auch die MAP-Förderung bekommen kann. Im Antragsformular muss man dafür im Grunde nur ein zusätzliches Kreuzchen beim Punkt Nummer ­sieben setzen, der „Umsetzung der Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz“.

Abwägen, ob sich das Kreuzchen lohnt

Doch an das zusätzliche Geld sind zusätzliche ­Bedingungen geknüpft. Man muss einen „besonders ineffizienten“ alten Heizkessel durch ein neues, ­effizientes Modell ersetzen oder ihn durch den Einbau ­einer Solarthermie-Anlage modernisieren. „Besonders ineffizient“ heißt, das Gerät läuft mit fossilen Brennstoffen, nutzt keine Brennwerttechnik (und auch keine Brennstoffzellentechnik) und ist nicht von einer Austauschpflicht laut Energieeinsparver­ordnung betroffen. Dieser Teil ist noch recht einfach zu prüfen und abzuhaken.

Doch zur APEE-Zusatzförderung gehört auch ein Bonus für die Heizungsoptimierung von 600 €. Auch wenn die beiden Teilboni auf der Webseite des ­Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) wie zwei getrennte Optionen anmuten mögen, erklärt das Bafa auf Nachfrage, dass die APEE-­Förderung nur als Komplettpaket erhältlich ist. Das wird auch im Antragsformular deutlich – es gibt nur ein Kreuzchen zu setzen. Das heißt, der Zusatzbonus ist zwar leicht zu beantragen, doch ob er sich lohnt, muss man gründlich abwägen.

Gelder nur bei Analyse des bestehenden Heizungssystems

Zunächst einmal fordert das APEE eine Bestands­aufnahme und Analyse des Ist-Zustandes des bestehenden Heizungssystems, zum Beispiel nach DIN EN 15378. Ist die Analyse abgeschlossen, müssen alle ­erforderlichen Maßnahmen für die Verbesserung der Energieeffizienz, die sich daraus ergeben, umgesetzt werden. Das können anzupassende Einstellungen sein – wie die Optimierung der Heizkurve oder das Anpassen der Vorlauftemperatur –, aber auch Maßnahmen, die Investitionen erfordern, wie zum Beispiel die Installation von Einzelraumreglern. Auf jeden Fall muss ein hydraulischer Abgleich vorgenommen ­werden.

„Welche Kosten dabei entstehen, ist vor der Analyse gar nicht so einfach abzuschätzen. Schon ­allein die Analyse kann mehrere hundert Euro kosten, wenn man einen Energieberater beauftragt. Wer das finanzielle Optimum sucht, muss also sehr gut ­abwägen“, sagt Bernhard Weyres-Borchert aus der Förderberatung beim SolarZentrum Hamburg.

Ein Rechenbeispiel

Übersichtliche Rechenbeispiele für die Zuschüsse finden sich auf der Webseite von Augusta Solar. Ein Beispiel: Für eine heizungsunterstützende Solarthermieanlage mit mindestens 7 m² Bruttokollektorfläche (Vakuumröhrenkollektoren) bei einem Pufferspeichervolumen von mindestens 50 L/m² gibt es laut MAP einen Zuschuss von 2.000 €. Fällt die bestehende Heizung unter die Kriterien des APEE, gibt es nun eine Zusatzförderung von 20 % – in Zahlen also 400 €. Zusammen mit den 600 € für die Heizungsoptimierung kommt man auf eine zusätzliche Förderung des APEE von 1.000 €.

Wer bei einer solchen Anlage außerdem seinen Heizkessel tauscht, erhält laut MAP auch den Kesseltauschbonus von 500 €, in der Summe also 2.500 € aus dem MAP. Die Zusatzförderung aus dem APEE liegt dann dementsprechend bei 500 € (20 %) plus 600 € für die Heizungsoptimierung, also in der ­Summe bei 1.100 €.

Da Augusta Solar Vakuumröhrenkollektoren produziert, sind die Beispiele auf Röhrenkollektoren ausgelegt. Wer statt Vakuumröhrenkollektoren Flachkollektoren nutzt, muss natürlich von der für diese geltenden Mindestkollektorfläche von 9 m2 ausgehen.

MAP auch ohne große Heizungsoptimierung

Wer sich gegen die umfassende Optimierung ­seiner Heizung entscheidet, dem bleibt immer noch der Zuschuss aus dem MAP für Einzelmaßnahmen. Dieser liegt bei bis zu 10 % der Investitionskosten und maximal 50 % der Basisförderung für die Solar­anlage. Auf der langen Liste möglicher Maßnahmen stehen auch eher simple Dinge wie zusätzliche Dämmung des Verteilnetzes und des Wärmespeichers, der ­Einsatz von Heizkörperthermostaten oder einer Hocheffizienzpumpe.

Darüber, wie die neuen Förderbedingungen angenommen werden, gibt es widersprüchliche Aussagen. Das Bafa weist in der Bandansage am Telefon darauf hin, dass es wegen gestiegener Antragszahlen zu längeren Bearbeitungszeiten kommt. Weyres-Borchert sieht in den aufgestockten Mitteln des Bafa zwar ein positives Signal, dagegen in der immer komplizierter werdenden Entscheidungsfindung und aufwendiger werdenden Beantragung eher ein Hemmnis. Und auch Josef Kastl von Augusta Solar sagt: „Der Ölpreis ist so niedrig, dass auch die zusätzliche APEE-Förderung die Solarthermie nicht so richtig in Schwung bringt.“

Eva Augsten

Dieser Artikel erschien ursprünglich in Sonne Wind & Wärme, Ausgabe 5/2016.