40 Jahre DGS: Stolz, Kritik und Zuversicht

Feierten mit rund 120 Gästen das 40-jährige Jubiläum der DGS (v.l.n.r.): Bernhard Weyres-Borchert (Präsident der DGS), Prof. Adolf Goetzberger (DGS-Ehrenpräsident), Prof. Sigrid Jannsen (Ehrenpräsidentin der DGS), Professor Dr. Joachim Luther und Hartmut Will (1. Vorsitzender der DGS-Sektion München). (Foto: www.betrachtenswert.com/Jacqueline Esen)
Feierten mit rund 120 Gästen das 40-jährige Jubiläum der DGS (v.l.n.r.): Bernhard Weyres-Borchert (Präsident der DGS), Prof. Adolf Goetzberger (DGS-Ehrenpräsident), Prof. Sigrid Jannsen (Ehrenpräsidentin der DGS), Professor Dr. Joachim Luther und Hartmut Will (1. Vorsitzender der DGS-Sektion München). (Foto: www.betrachtenswert.com / Jacqueline Esen)
16.06.2015

Im Oktober dieses Jahres jährt sich die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) zum 40. Mal. Das Jubiläum hat der Verein am Tag nach der Intersolar Europe mit einem Festakt in München gefeiert.

Im Festsaal des Künstlerhauses am Lenbachplatz ließen die Redner 40 Jahre Verbands- und Solarhistorie passieren und wagten einen Ausblick auf die Zukunft der Energieversorgung. Die Festreden waren ein Mix aus Stolz auf das Erreichte, Kritik an der aktuellen Energiepolitik der Bundesregierung und Zuversicht, dass die Solartechnik sich auch weiterhin durchsetzen werde. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter erinnerte daran, dass die regenerativen Energien zum Zeitpunkt der Gründung alles andere als „en vogue“ waren. „Man kann nur den Hut ziehen, dass man solche Institutionen schon vor 40 Jahren ins Leben gerufen hat“, sagte er in seinem Grußwort. Der Bereich von Nichtregierungsorganisationen dürfe nicht wegfallen. „Die Politik braucht Anstöße.“

Photovoltaik wurde unterschätzt

Die Politik war auch in dem Vortrag von Professor Adolf Goetzberger, Ehrenpräsident der DGS und Gründer des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), immer wieder ein Thema. Der 86-jährige Solarpionier gab einen Überblick über die „wechselvolle Geschichte der Photovoltaik“. Angefangen von der Zeit, in der es „fast nur Zweifler und Kritiker“ gab, ging er unter anderem auf die Bedenken ein, die in den vier Jahrzehnten an der Photovoltaik geäußert wurden, und darauf, wie gut der Markt sich gleichwohl entwickelt hat. „Man hat die Dynamik der Photovoltaik unterschätzt“, sagte Goetzberger zufrieden. Er sei zuversichtlich, dass sich die Erfolgsgeschichte fortsetzen werde – trotz der Energiepolitik der Bundesregierung. „Einen Korridor für den Weltmarkt kann sie nicht vorgeben“, sagte er mit einem verschmitzten Lächeln.

Zum Lachen brachte Goetzberger die rund 120 geladenen Gäste gleich mehrfach. Vor allem, als er schon erprobte Rezepte zur Bekämpfung der Solarstromerzeugung zum Besten gab und gleich noch – erklärtermaßen sarkastisch – zwei Rezepte für die Zukunft nachschickte: „Verbot neuer Anlagen und eine Abwrackprämie für bestehende PV-Anlagen“. Die Gäste würdigten seinen humorvollen Vortrag und seine Lebensleistung mit einem langen Applaus im Stehen. Von der DGS bekam er gleich noch die Goldene Ehrenmitgliedsnadel überreicht.

PV und Windenergie als Säulen der Stromversorgung

Auch Professor Joachim Luther, Goetzbergers Nachfolger als Leiter des Fraunhofer ISE bis zum Jahr 2006, gehörte zu den Festrednern. Er referierte über die Transformation des deutschen Energieversorgungssystems. Basis war die Studie „Energiesystem Deutschland 2050“, die beim Fraunhofer ISE erhältlich ist. Luther präsentierte ein Szenario, wie eine kostenoptimierte Stromversorgung im Jahr 2050 aussehen könnte, wenn 50 % des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen und gleichzeitig so viel Kohlendioxid wie möglich eingespart wird.

In dem Szenario der ISE-Forscher sind dann 147 GW PV-Leistung am Netz, weiterhin 120 GW Onshore-Windenergieleistung, 32 GW Offshore-Windenergieleistung sowie mittlere und große Blockheizkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 60 GW, die mit Wärmenetzen verbunden wären. Alle Zahlen sind Circa-Werte. Luther geht davon aus, dass „man Kurzzeitspeicher massiv haben“ werde. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung von „vernünftigen“ Netzen. „Völlig gegen Netzausbau zu sein, ist nicht sinnvoll“, sagte Luther. Nach seinem Ausscheiden aus dem Fraunhofer ISE baute er gemeinsam mit seiner Frau, Professorin und DGS-Ehrenpräsidentin Sigrid Janssen, in Singapur ein Solarforschungsinstitut auf.

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Positionierung in sich wandelnder Verbändelandschaft

Bernhard Weyres-Borchert, seit 2013 Präsident der DGS und auf der anschließenden Delegiertenversammlung in München im Amt bestätigt, resümierte vier Jahrzehnte Vereinshistorie. Der erste Auslöser für die Vereinsgründung sei die Ölkrise 1973 gewesen, der zweite das Buch „Die Grenzen des Wachstums“ von Dennis Meadows. Mit dieser Vision im Sinn hätten einige Solarpioniere am 17. Oktober 1975 im Münchner Hofbräuhaus die DGS gegründet, so Weyres-Borchert. „Die DGS hat sich immer als Verbraucher- und nicht als Industrieverband verstanden“, betonte er.

Zu den wichtigsten Meilensteinen gehören das 1. Sonnenforum 1977 in Hamburg und die Veranstaltungen der International Solar Energy Society (ISES), weiterhin die erste Solarfachmesse 1993 in Pforzheim, aus der später die Intersolar hervorging. Die DGS habe wesentlich dazu beigetragen, sagte Weyers-Borchert und bedankte sich bei Markus Elsässer und Horst Dufner von dem Intersolar-Veranstalter Solar Promotion für ihren Beitrag zum Aufbau der Solarindustrie. Sie waren ebenfalls unter den Gästen. Als weitere Aktivitäten erwähnte der DGS-Präsident die Landesverbände und Sektionen, internationale Projekte wie Solcamp, das sich mit Solarthermie auf Campingplätzen beschäftigt hat, die Photovoltaik- und Solarthermie-Leitfäden sowie Schulprojekte.

Und die Zukunft?

Bleibt die Frage, wie die DGS ihre Zukunft sieht. „Die Verbände-Landschaft hat sich geändert. Es wird Fusionen geben und wir müssen uns noch stärker positionieren“, sagte Weyres-Borchert. Eine erste Kooperation ist die DGS schon mit dem Bund der Energieverbraucher eingegangen. Die Frage sei, welche Kooperationen man noch schließen wolle. Ihre Unabhängigkeit müsse die DGS aber auf alle Fälle behalten. „Sie wird in Beratungen geschätzt“, so Weyers-Borchert. Wichtig sei es jetzt, das Netzwerk auszubauen.

Hartmut Will, seit vielen Jahren 1. Vorsitzender der DGS-Sektion München, der die Festveranstaltung organisiert und moderiert hat, appellierte in seinem Schlusswort daran, junge Menschen für die DGS zu gewinnen. „Wir brauchen Nachwuchs“, so sein eindringliches Plädoyer, neue Mitglieder zu gewinnen.

Ina Röpcke