E-Mobile mindern Schwankungen im Stromnetz

Das Tankstellengebäude ist nur noch Symbol: Die e-ups sollen das Stromnetz stabilisieren, nicht den Absatz von Benzin und Diesel. (Foto: INEES)
Die Tankstellengebäude ist nur noch Symbol: Die e-ups sollen das Stromnetz stabilisieren, nicht den Absatz von Benzin und Diesel. (Foto: INEES)
15.06.2016

Wenn die Stromerzeugung schwankend ist, braucht man flexible Verbraucher mit Speichern. Erneuerbare und E-Mobile ergänzen sich gut, sagt der Abschlussbericht des Forschungsprojekts „INEES“. Er liefert wichtige Erkenntnisse zur Frage, wie Elektrofahrzeuge das Stromnetz stabilisieren können.

Im Forschungsprojekt „INEES“ (Intelligente Netzanbindung von Elektrofahrzeugen zur Erbringung von Systemdienstleistungen) kooperierten Volkswagen, LichtBlick, SMA sowie das Fraunhofer IWES. Der Abschlussbericht zeigt nach Einschätzung der Partner auf, dass es technisch möglich ist, durch Einbindung von Elektrofahrzeugen Netzschwankungen aufzufangen. Die Ergebnisse sollen in der Zukunft die Verknüpfung der Elektromobilität mit der Energiewirtschaft unterstützen.

Zum Hintergrund: Die Erzeugung von Strom aus Wind und Sonne lässt sich ebenso wenig steuern wie viele Arten des Stromverbrauchs, die Netze sind mit dem Ausbau der Erneuerbaren zusätzlichen Schwankungen ausgesetzt. Die Batterien in Elektrofahrzeugen bieten ein großes Speicherpotenzial und – so die Hypothese des Projekts – die Chance, Schwankungen auszugleichen.

Tests mit gepoolten Batterien

Im Forschungsprojekt testeten die Partner, ob durch einen Pool von Elektrofahrzeugen eine ausgleichende und stabilisierende Wirkung auf die Stromnetze zu erreichen sei. In Summe bilden die Batterien einen verbrauchsnahen Speicher von relevanter Größe, bei die einzelnen Fahrzeuge gezielt Strom laden, aber auch Energie ins Netz liefern können. Für den einjährigen Flottenversuch steuerte  SMA eine als Experimentiersystem konzipierte, bidirektionale DC-Ladestation bei, die als Kleinserie von 40 Geräten gefertigt wurde. Die Volkswagen AG baute bei 20 e-up! eine bidirektionale Ladefunktion und eine Kommunikationsanbindung zwischen Ladesteuerung und Volkswagen-Backend ein. Als Nutzerschnittstelle wurde eine Mobiltelefon-App entwickelt.

Für die Teilnehmer des Flottenversuchs war die Frage, wie sich ihr persönliches Fahrverhalten und die Anforderungen des Strommarktes miteinander verbinden lassen. Sie gaben ihre Fahrzeugbatterie zur  Unterstützung des Stromnetzes frei und stellten laut Abschlussbericht grundsätzlich keine Einschränkungen der Alltagsmobilität fest. Dazu habe auch ein Anreizsystem in Form einer SchwarmStrom®-Prämie beigetragen, berichten die Projektpartner.

Fahrzeuge können Leistungsreserve liefern

Das Energie- und IT-Unternehmen LichtBlick hat die Elektrofahrzeuge über seine Steuerungssoftware SchwarmDirigent® in den Energiemarkt eingebunden. Die Erfahrungen zeigen laut Abschlussbericht, dass Elektrofahrzeuge mit hoher Sicherheit und kurzer Reaktionszeit eine Leistungsreserve für das Stromnetz bereitstellen können. Die energiewirtschaftliche Analyse habe aber ergeben, dass die Erbringung von Regelleistung durch einen Elektrofahrzeugpool unter den aktuellen Rahmenbedingungen derzeit nicht rentabel ist. Verändern könne sich dies aber durch geplante Gesetzesänderungen, technische Weiterentwicklungen und einen erwarteten Wandel des Energiesystems. Das von der Bundesregierung zum „Leuchtturmprojekt der Elektromobilität“ erklärte Forschungsprojekt „INEES“ wurde durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert.

Zum vollständigen Abschlussbericht

Ralf Ossenbrink