Das Effizienzhaus Plus geht in Serie

Eines der geplanten Einfamilienhäuser in Friedberg-Hügelshart inklusive 11,8-kW-PV-Anlage auf dem Dach. (Foto: Asset GmbH)
Eines der geplanten Einfamilienhäuser in Friedberg-Hügelshart inklusive 11,8-kW-PV-Anlage auf dem Dach. (Foto: Asset GmbH)
07.12.2015

Insgesamt 13 Hauseinheiten bei Augsburg werden mithilfe von Photovoltaik, Wärmepumpen, Batterie- und Wärmespeichern mehr als 70 % ihres Jahresbedarfs an Wärme- und Haushaltsstrom selbst decken.

In Augsburg-Friedberg findet das Effizienzhaus Plus Eingang in den Siedlungsbau. Geplant sind neun Einfamilienhäuser und vier Doppelhaushälften in Friedberg-Hügelshart. Ausgestattet werden diese mit einer PV-Aufdachanlage in südlicher Ausrichtung. Im Fall der Einfamilienhäuser werden 44 PV-Module mit 11,8 kW Gesamtleistung installiert, auf den Doppelhaushälften finden 28 PV-Module mit einer Gesamtleistung von 7,56 kW Leistung Platz. So sollen die Einfamilienhäuser rund 13.000 kWh und die Doppelhaushälften rund 8.300 kWh Solarstrom pro Jahr erzeugen.

Wärmepumpe und Wärmespeicher bilden das Herz

Der überschüssige Solarstrom wird in einer Lithium-Ionen-Batterie gespeichert oder ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Außerdem kann der Solarstrom auch mittels einer Wärmepumpe in einem thermischen Pufferspeicher gelagert werden. Für die Heizung steht dabei ein 1.500 Liter bei den Einfamilienhäusern und 1.000 Liter-Wärmespeicher bei den Doppelhaushälften zur Verfügung. Auch Brauchwasser wird mit Hilfe der Wärmepumpe erwärmt und in einem 235 Liter Trinkwasserspeicher bevorratet. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe, wird hauptsächlich mit Strom aus der PV-Anlage laufen und bildet zusammen mit dem Warmwasserspeicher das zentrale Element der Effizienzhäuser.

Bei der Wärmedämmung kommt eine monolithische Außenwandkonstruktion aus Ziegelsteinen mit wärmedämmendem Kern und Fenstern mit dreifacher Wärmeschutzverglasung zum Einsatz. Insgesamt erreichen die Häuser einen KfW-Effizienzhaus-Standard 55.

Zusätzlich wird über die Lüftungsanlage Wärme aus der Luft zurückgewonnen. Eine Klimadecke kann sowohl zur Heizung als auch zur Kühlung der Räume verwendet werden. Insgesamt rechnen die Planer mit einem Strombedarf von rund 6.660 kWh pro Jahr für die Einfamilienhäuser und ungefähr 6.050 kWh pro Jahr für die Doppelhaushälften. In dieser Summe ist bereits der Haushaltsstrombedarf mit 3.200 kWh pro Jahr enthalten.

Monitoring und Automatik für hohe Autarkie

Mittels eines Monitoringsystems werden alle Komponenten automatisch gesteuert und aufeinander abgestimmt, um für eine möglichst hohe solare Deckung zu sorgen. So soll von den Häusern mehr Energie produziert werden, als deren Bewohner im Jahresdurchschnitt für den Alltag verbrauchen.

Die Siedlung mit den Effizienzhäusern wird von der Asset Grundbesitz- und Vermögensverwaltung GmbH in Kooperation mit BayWa AG realisiert. Das Unternehmen BayWa hat bereits an der Entwicklung eines Effizienzhauses in Burghausen im Rahmen der Forschungsinitiative „Zukunft Bau“ des Bundesbauministeriums mitgewirkt. „Die Erfahrungen aus diesem Pilotprojekt haben wir genutzt, um alltagstaugliche Systeme daraus abzuleiten, mit dem Ziel, auch im normalen Hausbau bei vertretbaren Kosten möglichst nah an eine solare Deckung heranzukommen“, erklärt Marcus Pöllinger, Spartenleiter Baustoffe bei der BayWa.

Bereits 35 Effizienzhäuser

Das Konzept wurde in mehr als 35 Gebäuden erprobt und die Ergebnisse hätten gezeigt, dass es sich bewährt, so der Geschäftsführer der Asset GmbH, Bernhard Jakob. „Mit der Siedlung in Friedberg-Hügelshart zeigen wir, dass Wirtschaftlichkeit und Effizienzhaus Plus-Niveau kein Widerspruch sein müssen. Unsere Häuser machen eine hohe Energieautarkie auf breiter Basis möglich“, so Jakob.  

Vier der geplanten Häusereinheiten sind für die Deckung des Wohnbedarfs der ortsansässigen Bevölkerung gedacht. Auch der Bürgermeister Friedbergs, Roland Eichmann, freut sich über die entstehende Siedlung: „Diese private Initiative steht in Einklang mit unserer Stadtplanung“. Da die Häuser in regionaltypischer Bauweise gebaut werden, profitieren auch die Handwerker aus der Region davon.  

Die Erschließung des Baugebiets hat bereits begonnen und im Frühjahr 2016 soll mit dem Bau der ersten Effizienzhäuser Plus für die Siedlung in Friedberg-Hügelshart begonnen werden.

Tanja Peschel