Der Stromspeicher-Markt in Polen

26.08.2016

Das Marktpotenzial für Stromspeicher in Polen ist hoch. Neben einer Novelle des polnischen EEG sprechen auch Förderprogramme und der Wunsch nach einer zuverlässigen Stromversorgung für einen wachsenden Markt.

Seit dem 1. Juli 2016 ist eine Novelle des polnischen Erneuerbare-Energien-Gesetzes in Kraft. Darin findet sich eine breit angelegte Definition des Begriffs Stromspeicher im Zusammenhang mit verschiedenen Erneuerbaren Energien.

Bei Abschätzung des Marktpotenzials für Stromspeicher in Polen spielen allerdings auch die „Strategie für verantwortungsvolle Entwicklung“, ein Plan des Ministeriums für Wirtschaft und Entwicklung, und die laufenden Förderprogramme für erneuerbare Energien eine Rolle.

Die „Strategie für verantwortungsvolle Entwicklung“ (auch „Morawiecki-Plan“ nach dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Mateusz Morawiecki) ist ein großangelegter Plan für die Modernisierung und Förderung der polnischen Wirtschaft. Die Umsetzung dieses Planes soll bis 2020 ca. 1,5 Billionen Zloty (etwa 357 Mrd. €) kosten und sieht die Errichtung eines Staatsfonds vor, der der deutschen KfW-Bank ähneln soll. Die Stromspeicherung wird im Entwurf des Plans als vorrangig eingestuft. Dabei sollen sowohl Stromspeichertechnologien als auch der Einsatz von Stromspeichern gefördert werden.

Regionale Förderprogramme

Für die Jahre 2014 bis 2020 gibt es sowohl ein landesweites Programm namens „Infrastruktur und Umwelt“ als auch 16 regionale Programme. Im Rahmen der regionalen Förderprogramme stehen bis zum Jahr 2020 über 31 Mrd. € zur Verfügung. Für Investitionen aus dem Bereich erneuerbare Energien sollen in der laufenden Förderperiode über 5 Mrd. € aufgewendet werden, je nach Region entspricht das zwischen 11,9 % bis 22,9 % des jeweiligen Budgets.

Die Anschaffung eines Speichers konnte mithilfe des fast 200 Mio. € umfassenden Förderprogramms „Prosument“ des Landesfonds für Umweltschutz und Wasserwirtschaft mitfinanziert werden. Zurzeit sind die Fördermittel allerdings lediglich in einzelnen Woiwodschaften (Verwaltungsbezirken) Polens verfügbar. Die Förderprogramme und das „Prosument“-Programm unterliegen einer Bearbeitung, es wird aber erwartet, dass ein Nachfolgeprogramm noch im Herbst starten kann.

Versorgungsprobleme als Grund für den Speicherkauf

Das Interesse an Stromspeichern steigt in Polen auch wegen der teils unzuverlässigen Stromversorgung. Während ein Stromverbraucher in Deutschland im Jahr 2014 durchschnittlich etwa 12 Minuten lang keinen Strom hatte, lag die Dauer der ungeplanten Versorgungsunterbrechungen in Polen bei 192 Minuten pro Verbraucher – plus 120 Minuten geplanter Unterbrechungen. Insgesamt war jeder Endverbraucher in Polen knapp vier Mal pro Jahr von solchen Lieferunterbrechungen betroffen.

Auch Stromnetzbetreiber interessieren sich zunehmend für Speicherlösungen. Denn seit Januar 2016 gibt es eine Anreizregulierung der polnischen Energie-Regulierungsbehörde URE, durch die Netzbetreiber Vorgaben für erlaubte die Dauer und Häufigkeit von Stromausfällen gemacht bekommen. Dadurch müssen Netzbetreiber mit Abschlägen rechnen, wenn sie diese Vorgaben nicht erfüllen. Das Ziel der Regelung ist es, die Zuverlässigkeit der Stromversorgung bis 2020 um 50 % zu verbessern.

Europaweit haben industrielle Abnehmer in Polen mit einem Anstieg um 4 % zwischen 2014 und 2015 die stärkste Preissteigerung erfahren. Die kleinen und mittleren Firmen sind davon am meisten betroffen. In den nächsten Jahren könnte sich dieser Trend noch verstärken, weshalb viele kleine und mittlere Unternehmen in PV-Anlagen investieren. Für den eingespeisten Solarstrom erhält man nur den Großhandelspreis, der vom Präsidenten der Energieregulierungsbehörde für das vorhergehende Quartal bekanntgegeben wurde, etwa 4 Cent/kWh. Daher ist für manche Investoren ein Stromspeicher attraktiver als die Einspeisung ins Netz.

Erhebungen des Polnischen Instituts für Erneuerbare Energien IEO bestätigen die steigende Nachfrage nach Erneuerbaren Energien. Die Dynamik der Neuinvestitionen in Anlagen zur Erzeugung von Erneuerbaren Energien war Ende 2015 am stärksten.

Tanja Peschel / REECO Poland