Trotz Corona: Windbranche stabil mit starken Signalen an die Politik

Während einer digitalen Pressekonferenz zur Leitmesse WindEnergy bewerteten Branchenexperten aus ganz Europa die derzeitige Situation der Windindustrie (Bild: Windenergy)
Während einer digitalen Pressekonferenz zur Leitmesse WindEnergy bewerteten Branchenexperten aus ganz Europa die derzeitige Situation der Windindustrie (Bild: Windenergy)
18.08.2020

Die Corona-Pandemie beeinflusst das Leben und die Wirtschaft in allen Bereichen. Über die aktuelle Situation und die Auswirkungen auf die Windenergie-Branche weltweit diskutierten Experten nun während einer Pressekonferenz der Weltleitmesse WindEnergy Hamburg. Speaker aus ganz Europa wurden dafür zugeschaltet.

Bereits im Mai war die WindEnergy Hamburg auf 1. bis 4. Dezember verschoben worden, nun arbeitet das Team der Hamburg Messe intensiv an Sicherheitskonzepten, um den Ausstellern und Besuchern eine erfolgreiche Messe bieten zu können. Darüber hinaus wird die Messe digitale und hybride Formate präsentieren. Große Unterstützung dafür kommt aus der Industrie. »Wir haben von unseren Ausstellern reichlich positives Feed-back bekommen, und unsere Pläne für den neuen Termin im Dezember finden breite Unterstützung. Das neue Datum bietet der Branche Planungssicherheit. Die überwiegende Mehrheit der Aussteller und alle Anlagenhersteller werden dabei sein, und die Anzahl der Stornierungen bleibt niedrig. Darüber sind wir natürlich sehr froh und sehen darin eine Bestätigung, dass wir die richtige Entscheidung gefällt haben«, freute sich Bernd Aufderheide, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Messe und Congress GmbH.

Eine positive Tendenz zog sich auch durch die Beiträge der Speaker, ebenso gab es klare Forderungen an die Politik. Auf dem digitalen Podium saßen führende Repräsentanten aus Wirtschaft, Politik und Verbänden und gaben Einblicke in alle Bereiche der Branche.

Weltweit im Aufwind trotz Corona

Pandemie-bedingte Unterbrechungen von Lieferketten, erschwerte Investitionen und Lockdowns stoppten zwar den Ausbau von Windenergieanlagen, jedoch zeigte sich die Energiegewinnung durch bestehende Windenergieanlagen (WEA) in den letzten Monaten stabil. »Covid-19 ist zweifellos eine Herausforderung für die Windindustrie – mit negativen Auswirkungen auf Lieferketten, Produktion und die Umsetzung von Projekten. Andererseits zeigt die Krise auch, wie widerstandsfähig die Branche ist. Sie liefert nach wie vor laufend kostengünstige, saubere Energie«, sagte Dr. Markus M. Tacke, Vorsitzender VDMA Power Systems und CEO von Siemens Gamesa.

Giles Dickson, CEO von Wind-Europe und Co-organiser der WindEnergy Hamburg, wies darauf hin, dass Wind-energie inzwischen in vielen Teilen der Welt zur günstigsten Form der Energiegewinnung geworden ist: »Neue Offshore-Windturbinenmodelle erreichen heute Größenordnungen, die sich noch vor wenigen Jahren niemand hätte vorstellen können. Es gibt bereits Turbinen mit 12 MW Leistung und mehr. Unterdessen nähern sich schwimmende Windturbinen rasch der Marktreife.«

Und Thorsten Herdan, Abteilungsleiter für Energiepolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, ergänzte: »Im Zusammenhang mit der Covid-19-Krise ist der Anteil der erneuerbaren Energien und insbesondere der Wind-energie an der Stromproduktion in neue Höhen gestiegen. Bis dato stammten im Jahr 2020 mehr als 55 % der erzeugten Elektrizität aus erneuerbaren Energien – alleine ein Drittel des Stroms wird mit Wind erzeugt. Dabei haben wir keinerlei Probleme mit der Netzstabilität festgestellt. Das beweist, dass unser System in der Lage ist, einen sehr hohen Anteil erneuerbarer Energien zu verkraften.«

Neue Energie als Teil des Recovery-Plans der EU

Die Redner waren sich einig, dass die Windindustrie unverzichtbar für die Bekämpfung der Wirtschaftskrise durch die Corona-Pandemie ist. »Covid-19 ist ein schwerer Schlag für die Binnenwirtschaft der EU. Vergangene Woche wurden im EU-Aufbauplan die Windenergie und andere erneuerbare Energiequellen ausdrücklich als Bestandteile des politischen Fundaments für den Aufbau genannt. Und die Windenergie wird liefern. Sie ist preisgünstig, zuverlässig und deckt bereits 15 % des Stromverbrauchs in Europa. Die EU möchte das bis zum Jahr 2050 auf 50 % steigern. Das bedeutet gigantische Investitionen. Es bedeutet, dass jetzt investiert werden muss. Das bringt Arbeitsplätze und das Wachstum, das wir jetzt brauchen. Die EU mobilisiert ihr gesamtes finanzielles Arsenal, um den grünen Wiederaufbau zu fördern – 1,85 Bio. o. Die WindEnergy Hamburg im Dezember wird zeigen, wie die Windenergie hier punkten kann«, sagte -Dickson.

Und Tacke formulierte einen klaren »call to action«: »Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um diese Plattform auszubauen und in einen echten grünen Konjunkturaufschwung zu investieren, der neues Wirtschaftswachstum und neue Arbeitsplätze bringt.«

Thorsten Herdan sieht durch den Recovery-Plan große Chancen vor allem für die europäische und die deutsche Windindustrie: »Die Aufbau-strategie der EU wird gigantische Investitionen des öffentlichen und des privaten Sektors in erneuerbare Energien ermöglichen. Sie weist den Weg zu einer fairen Energiewende. Sie wird in Europa Arbeitsplätze und nachhaltiges Wachstum schaffen. Mit seiner starken Windenergiebranche verfügt Deutschland über ideale Voraussetzungen, um von diesen Entwicklungen profitieren zu können.«

Positiver Blick in die Zukunft

Ben Backwell, CEO des Global Wind Energy Council (GWEC), vertraut auf die Windenergie, die sich gerade in der jetzigen Krise als so beständig gezeigt hat: »Die Windindustrie hat während der Covid-19-Krise ihre Standfestigkeit unter Beweis gestellt und unsere Gesellschaft während der Zeit der weltweiten Ausgangsbeschränkungen mit zuverlässiger, kostengünstiger Energie versorgt.« So stimmt der Blick in Richtung China positiv: »Das GWEC hatte vorausgesagt, dass 2020 ein Rekordjahr für Windenergieinstallationen werden würde. Zwar wirkt sich die gegenwärtige Krise auf diese Prognosen aus, aber dennoch beobachten wir, dass Länder wie China, der größte Windmarkt der Welt, unsere vor Covid-19 gemachten Vorhersagen sogar noch übertreffen.« Er fordert deutlich die Unterstützung der Politik: »Weltweit müssen sich die Regierungen die Belastbarkeit und das enorme Potenzial der Windbranche zu Nutze machen und investieren, Arbeitsplätze schaffen und ihre kritische Infrastruktur wie Stromnetze und Häfen modernisieren, um eine grüne Konjunkturerholung voranzutreiben.

windenergyhamburg.com