E.ON lagert aus

Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender der E.ON SE: „Wir wollen uns radikal neu aufstellen.“ (Foto: dpa)
Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender der E.ON SE: „Wir wollen uns radikal neu aufstellen.“ (Foto: dpa)
01.12.2014

Der hoch verschuldete Energieversorger E.ON will sich neu ausrichten und sich zukünftig mit dem Hauptteil des Konzerns ausschließlich auf Kundengeschäfte und Erneuerbare Energien fokussieren. Dazu will E.ON eine neue Gesellschaft abspalten, die sich vor allem um die konventionelle Energieerzeugung und den globalen Energiehandel kümmern wird.

Die E.ON SE soll aus drei Teilen bestehen – Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen – und insgesamt rund 40.000 der ca. 62.000 Mitarbeiter übernehmen. Die noch zu schaffende „Neue Gesellschaft“ soll die Aktivitäten im Strom- und Erdgasgeschäft inklusive des internationalen Handels und Exploration & Produktion weiterführen. Sie wird einen Sitz im Rhein-Ruhr-Gebiet erhalten und ungefähr 20.000 der E.ON-Mitarbeiter übernehmen. Kurzfristig möchte das Unternehmen die Mehrheit der Kapitalanteile an der Neuen Gesellschaft abspalten und mittelfristig auch die verbleibenden Minderheitsanteile an der Börse platzieren.

E.ONs bad bank?

Die Einrichtung der Neuen Gesellschaft wurde schon als „bad bank“ bezeichnet, unter anderem bei tagesschau.de. Denn sämtliche Kapitalmarkt-Schulden sollen zwar bei E.ON verbleiben, die Rückstellungen für den Rückbau und die Entsorgung von Kernkraftwerken und konventionellen Energieerzeugern sollen jedoch auf die Neue Gesellschaft umgelegt werden. Laut E.ON sollen diese Rückstellungen durch eine ausreichende bilanzielle Ausstattung der Neuen Gesellschaft sicher sein, doch ob damit wirklich die Kosten für den Rückbau und die Suche nach Endlagerstätten für Atommüll gedeckt sein werden, bleibt fraglich.

Außerdem wird E.ON zusätzlich zu den für 2015 geplanten 4,3 Mrd. € noch einmal 500 Mio. € mehr investieren. Einen besonderen Schwerpunkt will das Unternehmen zukünftig auf den Windkraft-Ausbau in Europa legen. Zusätzlich sollen auch das Photovoltaik-Geschäft vorangetrieben und die Energieverteilnetze in europäischen Heimatmärkten sowie der Türkei modernisiert werden. Aufgrund der schwachen südeuropäischen Geschäfte und wegen seinem konventionellen Kraftwerkspark rechnet E.ON zusätzlich zu den bereits ausgewiesenen Wertberichtigungen von 700 Mio. € mit weiteren außerordentliche Abschreibungen von etwa 4,5 Mrd. € für das Geschäftsjahr, was zu einem großen Konzernfehlbetrag für 2014 führen wird. Dennoch bestätigt E.ON den bisherigen Ausblick für den Vorsteuergewinn von 8,0 bis 8,6 Mrd. € und die Vorhersage für einen Konzernüberschuss zwischen 1,5 und 1,9 Mrd. €.

Abgabe von spanischem und portugiesischem Geschäft

Das gesamte Geschäft in Portugal und Spanien wird an die australische Investment-Gruppe Macquarie verkauft werden. Der neue Eigentümer wird die Geschäftsbereiche für den Unternehmenswert von 2,5 Mrd. € erwerben und vor Ort die konventionellen und erneuerbaren Aktivitäten weiterführen. Auch die bisherigen E.ON-Kunden wird er übernehmen. Das Unternehmen erwartet, dass die Abspaltung im Geschäftsjahr 2016 nach der Zustimmung der E.ON-Hauptversammlung durchgeführt werden kann. Der Verkauf des Geschäfts in Italien soll bereits vorher überprüft werden. Wie E.ON mit der Gas- und Ölförderung in der Nordsee verfahren wird, ist noch unklar.

„Die drastischen Veränderungen der globalen Energiemärkte, technische Innovationen und wachsende, individuellere Kundenerwartungen erfordern einen mutigen Neuanfang. Das bisherige breite Geschäftsmodell von E.ON wird den neuen Herausforderungen nicht mehr gerecht. Deshalb wollen wir uns radikal neu aufstellen. E.ON wird sich Wachstumspotenziale aus der Umgestaltung der Energiewelt erschließen. Daneben schaffen wir ein solides, unabhängiges Unternehmen, das den Umbau der Energieversorgung absichert. Beide Ansätze unterscheiden sich so grundlegend voneinander, dass die Fokussierung in zwei getrennten Unternehmen die besten Zukunftsperspektiven bietet“, sagte der Vorstandsvorsitzender der E.ON SE, Johannes Teyssen.

Tanja Peschel