Gemischte Reaktion auf europäische Ausbauziele

Wenn auch außereuropäische Länder mitmachen, will die EU ihren Kohlendioxidausstoß sogar um 30 % mindern. Noch offen ist allerdings, wie diese Ziele ausgestaltet werden sollen. Ein konkretes Sektorziel gibt es bisher nur für Biokraftstoffe: Bis zum Jahr 2020 sollen alle Mitgliedsstaaten 10 % ihres Treibstoffs aus biologischen Quellen beziehen. Umweltminister Sigmar Gabriel sprach von einer »historischen Entscheidung«.

Die Reaktionen der Branche auf diese Entscheidung fielen sehr unterschiedlich aus. »Das klare Signal der EU-Regierungschefs wird helfen, einen besseren Rahmen für Investitionen und Wachstum zu schaffen. Voraussetzung dafür ist, das jetzt schnell angemessenen gesetzliche Grundlagen geschaffen werden«, kommentierte Ole Pilgaard, Präsident der European Solar Thermal Industrie Federation (Estif). »Europa hat seine Schlüsselrolle in der Umstellung auf saubere und effizientere Energiewirtschaft bestärkt« sagte Winfried Hoffmann in seiner Funktion als Präsident der European Photovoltaic Industry Association Epia.

Auch der Bundesverband Bioenergie (BBE) begrüßte ausdrücklich die Verbindlichkeit der Ziele. »Dies ist jedoch nur ein Schritt in die richtige Richtung,« mahnte der BBE-Vorsitzende Helmut Lamp. Das International Network for Sustainable Energy (Inforse) begrüßte die Entscheidung, fordert aber ein weitergehendes Ziel von 25 %, wie das Europaparlament im Dezember 2006 befürwortet hatte.

Der Bundesverband Erneuerbare Energien sieht das Ergebnis wesentlich kritischer. Einer Passage im Energie-Aktionsplan der EU zufolge solle die bereits fest eingeplante Richtlinie für Wärme aus erneuerbaren Energien durch eine völlig neue Regelung ersetzt werden. »Das bringt uns im schlimmsten Fall für fünf Jahre neue Debatten ohne konkrete Schritte.«, sagte BEE-Geschäftsführer Milan Nitzschke. »Eine Regelung, die nur eine Gesamtziel vorsieht, kann den erfolgreichen Ausbau einer der innovativsten Branchen in Europa gar gefährden, wennn wie geplant die bestehnden Richtlinien für Strom aus erneuerbaren Energien und für Biokraftstoffe nicht fortgeschrieben und verbessert werden«, sagte Hans Jörg Rieks, Geschäftsführer von Vestas Central Europe.

»Es besteht wenig Hoffnung, dass am Ende mehr als ein fauler Kompromiss auf Kosten des Klimas herauskommen wird« schreibt der Förderverein Energie- und Solaragentur Regio Freiburg (Fesa) in seinem Rundbrief. Und der Solarenergie-Föderverein Deutschland (SFV) findet die gesteckten Ziele grundsätzlich zu niedrig »20 % erneuerbare Energien bedeuten 80 % nichterneuerbare Energien. Durchwursteln ist kein Strategieersatz«, schreibt der Verein in seinem Rundbrief. Regiosolar, der Zusammenschluss verschiedener Solarinitiativen unter dem Dach des Bundesverbandes Solarwirtschaft, hat eine Resolution erarbeitet, die eine Vollversorgung aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2050 fordert. Bei Redaktionsschluss hatte die Organisation bereits rund 10.000 Unterschriften für dieses Ziel gesammelt.

Gewohnt optimistisch gibt sich dagegen Hermann Scheer. Gegenüber den Solarthemen äußerte er, dass das 20-Prozent-Ziel noch vor 2020 angehoben werden.

Ergebnisse des EU-Gipfels: www.consilium.europa.eu

Resolution für 100 % Erneuerbare: www.100-prozent-erneuerbare.de