Offshore-Terminal in der Schwebe

24.03.2016

In Bremerhaven sollte ein neues Offshore-Terminal entstehen. Die Stadt Bremen will für das neue Terminal den Regionalflughafen Bremerhaven-Luneort abbauen. Dagegen hat der Flughafenbetreiber geklagt und nun pausieren sowohl die Bauarbeiten als auch der Flugbetrieb.

Das neue Offshore-Terminal Bremerhaven (OTB) soll auf 25 Hektar Umschlagmöglichkeiten für die gesamte Offshore-Windindustrie bieten. Dazu zählen die Vormontage und der Transport von Windrädern für neue Windparks, aber auch die Wartung bestehender Offshore-Anlagen.

Die Entscheidung das OTB zu bauen fiel ursprünglich nachdem eine Analyse von Prognos 2011 zu dem Schluss kam, dass sich der Standort sehr gut für ein Offshore-Terminal eigne und dieses ausgelastet sein würde. Befürworter des OTB sehen darin große wirtschaftliche Chancen für die Region und rechnen mit einer Menge neuer Arbeitsplätze.

Kritik an der Wirtschaftlichkeit

Ein Argument, das allerdings weiterhin bei Kritikern des Projekts für Bedenken sorgt: Im knapp 50 km entfernten Cuxhaven befindet sich bereits ein Offshore-Hafen mit gleich mehreren für Schwerlasten geeigneten Terminals. Daher stellt sich die Frage, ob sich die Investition von 180 Millionen € in das neue Offshore-Terminal lohnen wird, das dem Betreiber BLG Logistics laut Plan Ende 2018 bis Anfang 2019 übergeben werden soll, und ob sich dort genügend Offshore-Firmen ansiedeln werden. Bremens Hafen-Staatsrat Ekkehart Siering erklärte jedenfalls noch im Februar zuversichtlich, dass die Anlage 2019 für die Vormontage und den Umschlag von Offshore-Windenergieanlagen zur Verfügung stehen könne.

Auf die Einhaltung dieser Pläne hofft auch der Anlagenhersteller Adwen, der in Bremerhaven sein Basisterminal zur Lagerung und für den Transport von Windkraft-Komponenten einrichten wollte. In Bremerhaven entwickelt und montiert die Adwen GmbH die 5-MW-Windenergieanlage M5000. Außerdem plant das Unternehmen eine neue Turbine mit 8 MW Leistung und einem Rotordurchmesser von 180 m vor Ort zu testen. Der Test der Anlage soll noch 2016 beginnen, wofür sich der Flughafen in Bremerhaven-Luneort nicht mehr im Betrieb befinden sollte.

Flughafen-Fans und Naturschützer klagen

Doch das könnte schwieriger werden als gedacht. Der Bremerhavener Motorsegler- und Segelflug-Club (MSC) hatte Klage gegen die Schließung des Flughafens eingereicht, weil sie die Voraussetzungen für die Schließung (den Baubeginn) nicht erfüllt sahen. Zusätzlich hat auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Klage eingereicht, da der Bau einen schweren Eingriff in das Weserwatt im Naturschutzgebiet Luneplate darstelle.

Der Betreiber des Flughafens Aero-Club Bremerhaven hatte ebenfalls geklagt, sich aber mit der Stadt Bremen vor dem Oberverwaltungsgericht mit einem Vergleich darauf geeinigt, dass der Flughafen zunächst nicht weiter abgebaut wird. Doch solange die anderen Verfahren nicht geklärt sind, herrscht erst einmal kompletter Stillstand vor Ort. Der Flughafen hat sich verpflichtet vorerst keine Flüge durchzuführen (etwaige Flüge starten seit dem 1. März vom Flughafen Cuxhaven/Nordholz) und die Stadt hat die Baumaßnahmen vorläufig gestoppt.  Ob nun das OTB entsteht oder bald doch wieder Flugzeuge von Luneort abfliegen ist also noch unklar.

Tanja Peschel