Eine nur fast normale Messe

Eine neue 3,3-MW-Anlage unter anderem für den deutschen Markt hat Gamesa in Paris präsentiert. (Foto: EWEA)
Eine neue 3,3-MW-Anlage unter anderem für den deutschen Markt hat Gamesa in Paris präsentiert. (Foto: EWEA)
18.11.2015

Schon kurz nach den Terroranschlägen in Paris hatte die EWEA beschlossen, das EWEA annual event wie geplant stattfinden zu lassen. Am 17. November hat die Messe die Tore wie geplant zu einer fast normalen Messe und Konferenz geöffnet. Aber eben nur fast normal.

In ihren Eröffnungsreden haben sowohl die Französische Umwelt- und Energieministerin Ségolène Royal als auch Maroš Šefčovič, Vizepräsident der Europäischen Kommission, der EWEA ausdrücklich gedankt für die Entscheidung, das EWEA annual event wie geplant stattfinden zu lassen. Royale pflichtete dem allgemeinen Tenor bei, dass "Windenergie ein Teil der Lösung ist, um unsere globale Sicherheit zu gewährleisten". Gut zu hören für Giles Dickson, CEO der EWEA. "Das war unter den gegebenen Umständen sehr ermutigend zu hören. Wir sind überwältigt von dem positiven Feedback, das uns erreicht und wir freuen uns, Tausende unserer Branchenkollegen zu sehen“, sagte er.

Mit Enercon hatte ein großer Turbinenhersteller seine Teilnahme im Vorfeld der Veranstaltung kurzfristig abgesagt. „Vor dem Hintergrund dieser schrecklichen Ereignisse können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und in Paris Kunden- und Branchengespräche führen, als wäre nichts geschehen“, hatte Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig in einer Pressemitteilung mitgeteilt. Mit dieser Entscheidung ist das Unternehmen klar in der Minderheit. Nur ganz wenige Messestände blieben in Paris unbesetzt.

An den meisten Ständen wurden Kunden- und Branchengespräche geführt, wenn auch ganz klar mit anderen Vorzeichen als gewöhnlich. Mindestens der Small-talk viel in der Regel ernsthafter aus als üblich. Nichts desto trotz gibt es einige Messeneuheiten.

Gamesa stellt neue Schwachwindturbine vor

Die neue G132-3.3-MW-Turbine baut auf der bewährten 2,5-MW-Technik von Gamesa auf und ist speziell für Windklasse-2-Standort konzipiert. Kombiniert wird die Turbinentechnik mit den 64,5 m langen Rotorblättern der 5-MW-Anlage. Zunächst soll die G132-3.3 MW mit Turmhöhen von 84, 97 und 114 m angeboten werden. Später soll auch ein 134-m-Turm verfügbar sein – wahlweise als Stahl, Beton- oder Hybrid-Varainte.

Im dritten Quartal 2016 will Gamesa in Spanien den Prototypen der neuen Anlage errichten. Mit der Typenzertifizierung im Gepäck, sollen im ersten Quartal 2017 die Serienproduktion und die ersten kommerziellen Installationen beginnen. Gefragt nach den potentiellen europäischen Absatzmärkten, nennt Gamesa's CTO José Antonio Malumbres als erstes den deutschen Markt. Durch den Übergang zum Ausschreibungsmodell sieht er gute Erfolgsaussichten für die „ertragsstarke“ Anlage.

Siemens mit neuer Offshore-Logistik

Weiter an der Kostenschraube der Offshore-Windenergie drehen will Siemens. Diesmal geht das Unternehmen die Transportkosten an. Mit neuen Ro/Ro-Schiffen soll der Hafen-zu-Hafen-Transport optimiert werden. Statt Turbinen, Rotorblätter und Türme mit Kränen vom Hafen aufs Schiff zu verladen, soll dies künftig im Roll-on/roll-off-Verfahren (Ro/Ro) geschehen. Das sei sicherer, kostengünstiger und schneller, verspricht Michäl Hannibal, CEO Offshore bei Siemens Wind Power. Die passenden Schiffe hat Siemens zusammen mit deugro Danmark A/S entwickelt – eines für die Maschinenhauser und eines für Turmsegmente und Rotorblätter.

Im Rahmen eines Langzeitvertrags mit dem Transportdienstleister wird Siemens die zwei Transportschiffe nutzen, um die bestehenden dänischen Produktionsstandorte und die neuen Werke in Cuxhaven und im britischen Hull zu verbinden. Die Ersparnis gegenüber der bisherigen Transportabwicklung beziffert Siemens auf 15 bis 20 % – je nach Lage des betreffenden Offshore-Windkraftwerks.

GE legt nach

Auch GE Renewable Energy hat eine neue Anlage vorgestellt. Die erst in Husum präsentierte 3.2-130 wurde auf 3,4 MW Nennleistung aufgebohrt und ist jetzt auch mit 137-m-Rotor kombinierbar. "Unsere neue 3-MW-Platform wurde entwickelt, um der Komplexität der europäischen Windverhältnisse gerecht zu werden", sagte Anne McEntee, CEO des Onshore-Windgeschäfts von GE. "Diese neue Familie von intelligenten, modularen Turbinen ermöglichen es uns, die richtige Anlage für eine Vielzahl von standortspezifischen Windverhältnisse zu konfigurieren."

Katharina Garus

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