Baugenehmigungen 2017: Wärmepumpe erobert Platz eins

Knapp 43 % der Wohngebäude, für die im Jahr 2017 eine Baugenehmigung erteilt wurde, werden mit Wärmepumpen beheizt. (Quelle: Statistisches Bundesamt, Grafik: BWP)
Knapp 43 % der Wohngebäude, für die im Jahr 2017 eine Baugenehmigung erteilt wurde, werden mit Wärmepumpen beheizt. (Quelle: Statistisches Bundesamt, Grafik: BWP)
24.04.2018

Bei den 2017 genehmigten Wohngebäuden sind Wärmepumpen mit einem Anteil von 43 % erstmals das beliebteste Heizungssystem - und lassen damit Gas als Energieträger hinter sich. Dies belegen Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Erdwärme macht bei den genehmigten Wohngebäuden 8 % aus, rund 35 % werden mit Umweltwärme aus Luft oder Grundwasser geheizt. Wärmepumpen liegen damit erstmals knapp vor den Gas-Heizungen, die 42 % der Bauherren in ihrem neuen Wohngebäude einsetzen. „Im Jahr 2015, dem letzten Jahr, in dem alle Gebäude noch nach EnEV 2014 genehmigt wurden, lag der Wärmepumpen-Anteil bei 31 % und damit deutlich hinter Gas (53 %). 2016 hingegen wurden sowohl Gebäude nach alter als auch nach neuer EnEV genehmigt. Um den Effekt der EnEV 2016 zu bewerten, sei der Vergleich der Zahlen aus 2017 mit dem Vorjahr daher ungeeignet.

Bei der Gesamtbetrachtung des Neubaumarktes für 2017 haben Wärmepumpen den ersten Platz hingegen knapp verpasst und liegen mit einem Anteil von 41 % hinter Gas (42 %). Denn bei den Nichtwohngebäuden haben Wärmepumpen einen relativ schwachen Anteil. Allerdings wuchs der Anteil der Wärmepumpen bei Nichtwohngebäuden im Vergleich zu 2015 stark an.

Klimaschutz und wirtschaftliches Bauen sind kein Widerspruch

Vor dem Hintergrund aktueller Debatten warnt Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe davor, den Vormarsch der Wärmepumpe mit steigenden Baukosten in Verbindung zu bringen: „Die energetischen Vorgaben sind mitnichten der Baukostentreiber – schon gar nicht im Geschosswohnungsbau der Ballungsgebiete. Die steigenden Preise haben andere Ursache, z.B. rasant gestiegene Grundstückskosten und hohe Baunebenkosten. Durch kluge Planung lassen sich hohe und höhere Standards sogar mit einem Minimum an Zusatzkosten realisieren. Das hat jüngst ein Gutachten im Auftrag des BEE gezeigt,“ erläutert Sabel.

Im Hinblick auf den im Koalitionsvertrag vorgesehenen neuen Anlauf für ein Gebäudeenergiegesetz ermuntert der BWP die Bundesregierung zu ambitionierten Vorgaben im Sinne des Klimaschutzes: „Höhere Energiestandards sind gut und nötig für das Klima. Man sollte aber den Bauherren mehr Freiheiten lassen, diese umzusetzen, und unnötige Vorgaben streichen. Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit sind kein Widerspruch, sondern gehen Hand in Hand.“

Jens-Peter Meyer / BWP