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Editorial
Die Grenzen des Wachstums
Und wieder ein Rekord: Rund 950 Aussteller sind es in diesem Jahr, die auf der Husum Wind Energy ihre Neuheiten vorstellen – ein Drittel mehr als 2008. Wenn es nach Messechef Hanno Fecke geht, wird alles noch größer, schöner, bunter und vor allem komfortabler. Mit Klimaanlagen, neuem Kongresszentrum und zusätzlichen Messehallen will die Husum Wind ihren Gästen ein Wohlfühl-Messeerlebnis bieten.
Seit mittlerweile über 20 Jahren fühlt sich die Windbranche in der schleswig-holsteinischen Kleinstadt zuhause – so startete die Messe 1989 mit einer sehr überschaubaren Anzahl an Ausstellern, nämlich 20. Doch schon damals machten sich rund 10.000 Besucher in der „grauen Stadt am Meer“ breit. In diesem Jahr werden es wohl mehr als 25.000 Gäste aus dem In- und Ausland sein, die in und um Husum ihr Quartier beziehen. Wer es exklusiv mag, kann sich auch von Sylt aus einfliegen lassen, mit dem „Sleep-and-Fly-Service“ – tagsüber auf der Messe, nachts auf der Insel.
Die Messe ist ein Spiegel der Windbranche – seit Jahren wächst das Geschäft kontinuierlich, und regelmäßig kommen die Messe und mit ihr die Stadt Husum und die Region an die Grenzen ihrer Kapazität. Die Unterkünfte für die Gäste befinden sich zum Teil kilometerweit entfernt, und auch in diesem Jahr dürften An- und Abreise ziemlich stressig werden, insbesondere für die Besucher aus dem Ausland.
Es scheint, als sei der Erfolg der Windenergie Fluch und Segen für die Messe und die Stadt zugleich. Das „Woodstock der Windenergie“, wie Fecke es bezeichnet, hat die Grenzen des Wachstums erreicht – die Windenergie allerdings noch lange nicht. Wer sich die Prognosen ansieht, kann erahnen, wie sich die Industrie weiter entwickeln wird: So rechnet die European Wind Energy Association (EWEA) bis 2020 allein in den EU-27-Staaten mit einer installierten Windenergieleistung von 230 bis 265 GW. Ende 2009 waren es knapp 75 GW. Die wachsenden Märkte in China und Nordamerika werden Zulieferern und Anlagenherstellern weiterhin satte Gewinne bescheren, auch wenn der US-Markt im ersten Halbjahr aufgrund der Finanzkrise eingebrochen ist und für einige Wermutstropfen sorgt.
Der Siegeszug der Windenergie lässt viele Firmen weiter wachsen und lockt zudem immer mehr Unternehmen aus ehemals branchenfremden Industriezweigen wie dem Automobilbereich an, die auch ein Stück vom Kuchen ergattern und die Husum Wind als Bühne für sich nutzen wollen. Das ist sehr erfreulich, aber es stellt sich schon jetzt die Frage: Wohin 2012 mit noch mehr Ausstellern und mit noch größeren Besuchermassen?
Dennoch, die Husum Wind hat ihren unbestreitbaren und unvergleichlichen Charme: Hier geht es traditionell etwas familiärer und lockerer zu, und die Branche hat hier seit zwei Jahrzehnten einen Ort, nicht nur um Geschäfte zu machen, sondern um viele bekannte Gesichter wiederzusehen und um sich selbst auch mal ausgiebig zu feiern: Welcome to the Show!
Tanja Ellinghaus
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