SHC 2017 Konferenz in Abu Dhabi:Größtes Expertentreffen zum intergierten solaren Heizen und Kühlen

Gemeinsame Eröffnung der Konferenzen SHC und SWC 2017 in Abu Dhabi (Foto: Masdar Institute an der Khalifa University of Science and Technology)
Gemeinsame Eröffnung der Konferenzen SHC und SWC 2017 in Abu Dhabi (Fotos: Masdar Institute an der Khalifa University of Science and Technology)
09.11.2017

500 Fachleute aus mehr als 50 Ländern nahmen vom 30. Oktober bis 2. November 2017 an der 5. Internationalen Konferenz für Solares Heizen und Kühlen (SHC) in Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), teil. Erstmals fand die zweijährliche Konferenz des SHC Programms der IEA gemeinsam mit dem von der International Solar Energy Society (ISES) organisierten Solar World Congress (SWC) statt. Aus dieser neuen Kooperation entstand das größte Expertentreffen der Solarthermie 2017. Mehr als 300 Redner präsentierten Lösungen und Neuentwicklungen für Gebäude, Industrie, Städte, Regionen und Versorgungsunternehmen.

Dr. Thani bin Ahmed Al Zeyoudi, Minister für Klimawandel und Umwelt der VAE, begrüßte die internationalen Solarexperten. Diese könnten eine wichtige Rolle spielen, die Anpassung von Solartechnologien an die staubige, oft wasserlose Golfregion voranzutreiben. Gastgeber der Konferenz war das Masdar Institute, das seit Februar Teil der Khalifa University of Science and Technology ist. Ken Guthrie, Vorsitzender des SHC-Programms der IEA, lobte die Zusammenarbeit: "Mit dem Masdar Institute hatten wir einen sehr professionellen Organisator vor Ort, der die Konferenz für alle Beteiligten zu einer spannenden und angenehmen Veranstaltung gemacht hat."

Herzlicher Empfang vom IEA-SHC-Vorsitzenden Ken Guthrie, Dr. Thani bin Ahmed Al Zeyoudi, Minister für Klimawandel und Umwelt der VAE, und ISES-Präsident David Renné (von links) (Fotos: Masdar Institute an der Khalifa University of Scienceand Technology)

"Alle erneuerbaren Technologien müssen zusammenarbeiten, um den Übergang zu 100 Prozent sauberer Energie zu beschleunigen", betonte ISES-Präsident David Renné in seiner Eröffnungsrede. Die Zukunft der Solarthermie liegt in umfassenden Systemlösungen. Entsprechend konzentrierten sich die Technologie-Sessions auf innovative Themenkomplexe wie die saisonale Speicherung, die Gebäudeintegration und PVT Technikern, also die kombinierte solare Wärme- und Stromerzeugung in einem Element.

Solarthermie-Großanlagen lassen Preise auf Rekordtief sinken

Professor Klaus Vajen von der Deutschen Universität Kassel richtete ermutigende Worte an die Forschungsgemeinschaft: "In Dänemark ist die Solarthermie inzwischen wettbewerbsfähig. In diesem nordeuropäischen Land wurden 110 solare Fernwärmesysteme installiert fast alle ohne direkte Subventionen." Die großen Solarfelder liefern Energie für weniger als 30 EUR/MWh und unterbieten damit den Preis für Wärme aus Gaskraftwerken von 54 EUR/MWh – eine gute Nachricht, die in ganz Europa und China großes Interesse an diesen Lösungen weckte. Die Vorstudie zu einer 350-MWth-Solaranlage im österreichischen Graz hat ergeben, dass der durchschnittliche Wärmepreis inklusive saisonaler Speicherung ganzjährlich 35 EUR/MWh beträgt. Dies entspricht den Energiekosten eines Gas-Boilers.

Solares Heizen und Kühlen braucht massive Unterstützung

Die Elektrifizierung des Wärmesektors führte in mehreren Plenarsitzungen zu kontroversen Diskussionen. Cédric Philibert, Senior Analyst der IEA-Division Erneuerbare Energien, warnte davor, dass das 100-Prozent-Ziel oft als die vollständige Dekarbonisierung des Strommarktes missverstanden werde. Dabei sei es wesentlich schwerer, CO2-Freiheit im Industriesektor zu erreichen, der seine Energie zu 80 Prozent in Form von Wärme benötige.

Aufgrund der niedrigen Strompreise sind PV-betriebene Wärmepumpensysteme für Warmwasser in Privathaushalten inzwischen in mehreren Ländern wettbewerbsfähig geworden. Doch elektrisches Heizen wird langfristig keine große Bedeutung bekommen, sagte Werner Weiss, Geschäftsführer des österreichischen Forschungsinstituts AEE INTEC. Weiss erklärte, dass der Wärmeverbrauch im Vergleich zum Strombedarf sechsmal so große saisonale Schwankungen aufweise. Eine Erhöhung der Stromlasten für die Raumheizung im Winter würde daher teure, zusätzliche Stromproduktionskapazitäten erfordern.

Mission-Innovation-Workshop zum kostengünstigen Heizen und Kühlen von Gebäuden (Fotos: Masdar Institute an der Khalifa University of Scienceand Technology)

"Die politischen Entscheidungsträger müssen die Unterstützung für solares Heizen und Kühlen massiv steigern, um ihre Ziele zu erreichen", sagte Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group, in seiner Abschlussrede. Eine vielversprechende Entwicklung ist dabei die Gründung der "Mission Innovation", einer globalen Initiative von 22 Ländern und der Europäischen Union. Diese zielt darauf ab, die Investitionen in Forschung und Entwicklung für saubere Energien innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln. Parallel zur SHC 2017 trafen sich rund 100 Regierungsvertreter und Solarexperten, um zentrale Forschungsfelder für eine bezahlbare Gebäudeheizung und -kühlung zu bestimmen. "Der zweitägige Workshop hat Forschungsbereiche beleuchtet, die in der Vergangenheit nicht genügend Beachtung fanden", erklärte Stephen White, Leiter der Abteilung für Energieeffizienz bei der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization in Australien.

International Energy Agency, Solar Heating and Cooling Programme (IEA SHC)

IEA SHC ist eine internationale Forschungs- und Informationsplattform für solare Heiz- und Kühltechnologien. Sie wird von mehr als 200 Experten aus 21 Ländern und sechs Organisationen genutzt, um gemeinsame Forschungsarbeiten zu einem breiten Themenspektrum durchzuführen – von der grünen Stadtplanung über zukünftige Speicherdesigns bis hin zur Integration von großen Solarfeldern in Fernwärme- und Fernkälte-Netzwerke. SHC – eins der der ältesten Technologiekooperationsprogramme der IEA – wurde 1977 gegründet und ist eins von zehn Programmen auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien.

Bärbel Epp (solrico.com)

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