Ist die Förderung nach Quadratmeter noch zeitgemäß?

Solarthermie-Redakteur Jan Gesthuizen: "Niemand hat verlässliche Angaben über die Analgenqualität in Deutschland."
Solarthermie-Redakteur Jan Gesthuizen: "Niemand hat verlässliche Angaben über die Analgenqualität in Deutschland."
15.01.2015

Der Solarthermiebranche geht es schlecht. Kein Wunder also, dass die Frage aufkommt, ob die Förderinstrumente nicht angepasst werden müssten. Eine interessante Diskussion darüber ist derzeit in einigen Energie-Blogs entstanden.

Kern der Diskussion ist, ob die Förderung durch das Marktanreizprogramm (MAP) verändert werden sollte. Auf dem von Ritter Solar gesponserten Blog Ecoquent-Positions wird die aktuelle Förderpraxis, die sich im Wesentlichen nach der Größe der eingesetzten Kollektorfläche richtet, in Frage gestellt. Blogautorin Cornelia Daniel stellt dort die These auf, dass die Solarthermie mehr Erfolg hätte, wenn stattdessen die produzierte Energie vergütet würde. Genauso wie es auch bei der Photovoltaik üblich ist.

Qualität des Kollektors ist egal

Die Frage kommt nicht von ungefähr. Denn das MAP unterscheidet tatsächlich nicht danach, ob der eingebaute Kollektor ein Premiumprodukt oder eine einfache Standardlösung ist. Der Rest der Anlage spielt ebenfalls keine relevante Rolle. Da Geiz ja bekanntlich geil ist, kann man schon die These aufstellen, dass in Deutschland vermutlich zu viele Billiganlagen herumstehen.

Anderseits schränkten bei einem Interview auf energynet.de  die drei großen Heiztechnikhersteller in Deutschland ein, dass es dieses Problem so eigentlich nicht gebe. Viessmann verweist etwa darauf, dass die These nicht belegt sei und bezeichnet sie sogar als sehr gewagt. Dass die These nicht bewiesen ist, ist so auch erst mal richtig. Allerdings ist „nicht belegt“ nicht das Gleiche wie „falsch“.  Niemand erhebt aussagekräftige Daten darüber, die Aufschluss über die Qualität deutscher Solarthermieanlagen geben könnte.  Nicht mal bei der Kernkomponente Solarkollektor gibt es solche Zahlen.

Solar Keymark sorgt für Qualität

Die Wahrheit liegt vermutlich dazwischen. Denn zumindest gibt es mit dem Solar Keymark ein Qualitätssiegel, das Mindeststandards bei der Produktion von Kollektoren garantiert. Zwar ist das Solar Keymark kein Label, das dafür gemacht ist hohe Ertragswerte zu garantieren, es zielt eher auf eine ordentliche und langlebige Produktion der Kollektoren. Dennoch werden dort wichtige Kennwerte wie der Kollektorwirkungsgrad oder der Jahresertrag erfasst. Und diese liegen ja meist nicht so wirklich weit auseinander. (Siehe dazu unsere Online Marktübersicht mit ca. 240 Kollektoren)

Dennoch darf man nicht so tun, als wenn es keine schlechten Anlagen in Deutschland gäbe. Zumal der Kollektor am Ende des Tages nur eine von vielen Komponenten ist. Grundsätzlich fände ich es klasse, genau zu wissen, was jede Anlage genau produziert. Nur wird die praktische Umsetzung nicht einfach. Denn einfach nur zu sagen, wir brauchen verpflichtend Wärmemengenzähler reicht nicht. Wo soll er messen? Am Kollektor, vor oder nach dem Wärmespeicher? Und reicht ein Wärmemengenzähler überhaupt? Wird dadurch nicht alles sogar zu kompliziert und zu teuer?

Cornelia Daniel schreibt in ihrem Blogbeitrag, sie habe schon von vielen Projektentwicklern gehört, die einfach irgendwas einbauen. Und wer sie kennt, weiß, dass sie sich solche Aussagen nicht einfach ausdenkt. Anderseits fehlen auch hier belastbare Zahlen. Die gibt es weder bei den Verbänden noch bei der Politik.

Solarthermie ist eine bewusste Entscheidung

Ich tue mich zumindest schwer damit, das so absolut zu glauben. Zum einen muss niemand in Deutschland eine Solarthermieanlage installieren. Egal ob wir vom Marktanreizprogramm dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) oder der Energieeinsparverordnung (EnEV) reden, es gibt eigentlich immer Alternativen. Das kann eine Wärmepumpe, ein Pelletskessel oder einfach die neue Wärmedämmung sein. Auch ein Fernwärmeanschluss wird oft als Alternative anerkannt.

Von daher hat sich der Anlagenkäufer im Normalfall schon bewusst für die Solarthermie entscheiden und wird daher auch ein Interesse daran haben, eine gute Anlage zu bekommen. Die Frage ist allerdings, kann er diese überhaupt überwachen? Heiztechnik ist furchtbar kompliziert. Versuchen Sie mal einen Installateur zu finden, der ihnen eine Solarthermieanlage installiert. Das ist oft gar nicht so einfach, da viele Solarwärme nicht im Programm haben.  Wenn aber schon der Experte meist sagt  „Das ist mir zu schwer.“, welche Chance hat da der Endkunde auf die Qualität zu achten?

Mehr Qualität und Wachstum ist möglich

Anderseits zeigt der Blick ins Ausland, dass Qualität und Marktwachstum durchaus zu vereinbaren sind. In Frankreich wächst der Markt für Wärmepumpen, bei denen man ebenfalls einiges falsch machen kann, um über 30 % pro Jahr. Dabei gibt es dort die staatliche Förderung nur dann, wenn der Installateur ein Zertifikat erworben hat, das ihn als fähig erweist eine Wärmepumpe ordentlich zu installieren.

Die Rahmenbedingungen in Frankreich sind sicher speziell und nicht ohne weiteres auf Deutschland zu übertragen. Aber wir brauchen ja auch nicht gleich 30 % Marktwachstum. Für den Anfang wäre es ja schon schön, wenn die Solarthermiebranche nicht noch weiter schrumpfen würde.

Jan Gesthuizen

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