Neue Berechnung des Jahresnutzungsgrades

20.12.2017

Das Berechnungsverfahren, das jetzt in das AGFW-Regelwerk mit dem Titel „FW314 - Berechnung des Jahresnutzungsgrades von Wärmeerzeugungsanlagen in der Wohnungswirtschaft“ übernommen wurde, soll gewerbliche Wärmelieferungen vereinfachen.

Die nahezu klimaneutrale Energieversorgung im Gebäudebestand bis 2050 ist ein zentrales Ziel der Energie- und Klimapolitik Deutschlands. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, werden Instrumente und Lösungen benötigt, die die Sanierungsrate im Gebäudebestand deutlich beschleunigen. Die Umstellung auf gewerbliche Wärmelieferungen wie etwa durch Fernwärme oder durch Contracting-Modelle ist ein wichtiger Baustein in der Sanierung und Heizungsmodernisierung im Mietwohnbestand. Seit ihrer Einführung wirkt aber die hierfür maßgebliche Wärmelieferverordnung wegen praxisfremder Annahmen eher bremsend als fördernd. Zum Nachteil nicht nur der Branche, sondern auch von Mietern und Vermietern. Denn dringend notwendige Investitionen in Effizienz und erneuerbare Energien sowie der Austausch von alten Heizungen werden verzögert oder gar verhindert.

Ein Verbändebündnis aus AGFW, BDEW, ESCO Forum im ZVEI und VfW hat hier einen wichtigen Impuls gegeben. Im vergangenen Jahr wurde eine Lösung mit der Entwicklung eines praxistauglichen Verfahrens auf Basis der empirischen Studie des EBZ Bochum geschaffen. Das Verfahren liefert eine realistische Einschätzung des Altkessels und wird seitdem immer öfter in der Praxis von Contractoren und Fernwärmeversorgern verwendet. Das zugrundeliegende Berechnungsverfahren wurde jetzt in das AGFW-Regelwerk mit dem Titel „FW314 - Berechnung des Jahresnutzungsgrades von Wärmeerzeugungsanlagen in der Wohnungswirtschaft“ übernommen.

Damit wurde ein weiterer wichtiger Meilenstein für die offizielle Anerkennung erreicht. Nicht nur wurden Berechnungsmethodik und Vorgehensweise damit einem vom Gesetzgeber anerkannten Verfahren und einer erneuten Prüfung unterzogen, sondern auch die interessierte Öffentlichkeit erneut mit einbezogen und um Kommentierung gebeten. Diese Gelegenheit hat beispielsweise der Deutsche Mieterbund genutzt und wichtige Anmerkungen zum Regelwerksbaustein hinzugefügt. An der erfolgreichen Umsetzung in einen AGFW-Regelwerksbaustein haben Branchenunternehmen, aber auch Vertreter der Verbände VfW, ESCO-Forum, GdW und BDEW mitgearbeitet oder unterstützend begleitet. Der Regelwerksbaustein wird Anfang 2018 offiziell im Bundesanzeiger veröffentlicht, kann aber bereits heute von der AGFW-Internetseite kostenfrei heruntergeladen werden.

Jens-Peter Meyer / VfW