Billiges Öl schlägt Förderung

Staatsekretär Baake aus dem BMWi verkündete auf der 7. deutschen Wärmekonferenz, das man an einer langfristigen Strategie für den Gebäudesektor arbeite. (Foto: Jan Gesthuizen)
Staatsekretär Baake aus dem BMWi verkündete auf der 7. deutschen Wärmekonferenz, das man an einer langfristigen Strategie für den Gebäudesektor arbeite. (Foto: Jan Gesthuizen)
02.10.2015

Der Branchenverband BDH hat auf der deutschen Wärmekonferenz die Absatzzahlen der Heizungswirtschaft vorgestellt. Trotz des neuen Marktanreizprogramms boomen fossile Niedertemperaturheizungen. Erneuerbare Wärme verliert dagegen zweistellig. Auch über den Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE) wurde gesprochen.

Was war das nicht für eine Aufregung, als Anfang des Jahres bekannt wurde, wie hoch die neuen Fördersätze für Solarthermie, Biomasse und Wärmepumpen ausfallen würde. Endlich gab es wieder Grund zur Hoffnung. Die nun vom BDH vorgestellten Marktzahlen bis einschließlich August 2015 zeigen, so schnell wie gehofft, geht es doch nicht aufwärts. So liegt der Absatz von Biomasseheizungen derzeit 18 % unter dem Vorjahreswert, die Solarthermie steht mit einem Minus von 13 % nur wenig besser da. Und selbst die Wärmepumpen müssen mit minus 5 % leben, wobei hier vor allem Erdwärmepumpen mit starken Rückgängen zu kämpfen haben.

Zwar steigen die Förderanträge für erneuerbare Heizungen beim Marktanreizprogramm kräftig an, aber um das Ruder nachhaltig herumzureißen, reicht es offenbar noch nicht aus. Dabei läuft es auf dem Heizungsmarkt eigentlich gut. Die fossilen Energien mit eingerechnet steigt der Absatz von Wärmeerzeugern und lag bis einschließlich August bei einem Plus von 6 % gegenüber dem Vorjahr.

Hohe Fördersätze reichen nicht

„Effizienz ist Geil“ sagte Thorsten Herdan und will das auch in die Bevölkerung tragen. Im BMWi wurde dazu eigens ein Referat Kommunikation aufgebaut. (Foto: Jan Gesthuizen)

Auch wenn man dem MAP sicher noch etwas Zeit geben muss, es zeigt sich, dass der Staat nicht gegen den billigen Ölpreis an fördern kann. Hohe Fördersätze im MAP sind schön und gut, aber die niedrigen Energiepreise vermitteln offenbar ein falsches Gefühl über die Zukunftsfähigkeit fossiler Heizungen, das sich nicht wegfördern lässt.

Auf der Wärmekonferenz wurde aber auch klar, dass man in der Regierung und beim BMWi nicht darüber nachdenkt, dem Problem mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen zu begegnen. Das sah man auch beim Gastgeber so. So erklärte BDH-Präsident Manfred Greis, man könne Ölheizungen in Deutschland nicht einfach verbieten. Das hätte zwar in Dänemark geklappt, aber in dem Land würden mit 5,5 Millionen Einwohnern weniger Menschen leben, als es in Deutschland Ölheizungen gäbe. Daher seien die Länder nicht vergleichbar. Allerdings ist das mehr Armutszeugnis als echtes Argument.

BDH-Vertreter betonten, dass es Deutschland derzeit keinen langfristigen Öl-Boom erlebe. Schließlich gäbe es nun das neue Heizungslabel. Zumindest für Nicht-Brennwertkessel wird es dann wohl auch wirklich schwer. Dennoch sind Wachstumsraten von über 30 % mehr als ein kleiner Ausrutscher. In absoluten Zahlen wurden von Januar bis August etwa so viele Ölkessel verkauft, wie Biomasse-Anlagen und Wärmepumpen zusammen. Der Anteil erneuerbarer Wärmeanlagen am gesamten Heizungsmarkt ist auf dem niedrigsten Stand seit 10 Jahren angekommen.

Gebäudebestand soll klimaneutral werden

Manfred Greis, Geschäftsführer des BDH, betonte, dass Solarthermie und andere erneuerbaren Wärmetechnologien auch bei einem niedrigen Ölpreis einen hohen Volkswirtschaftlichen Nutzen hätten. (Foto: Jan Gesthuizen)

Geredet wurde auf der Wärmekonferenz aber nicht nur über das Marktanreizprogramm und Ölkessel. So war etwa Staatssekretär Rainer Baake aus dem BMWi gekommen um über weitere Maßnahmen des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE) zu reden.

Unter anderem kündigte er an, dass die Bundesregierung im November einen Fahrplan zur Sanierung des Gebäudebestands vorlegen wolle, der aufzeigen soll, wie die Klimaziele bis 2020 und darüber hinaus erreicht werden sollen. Was genau in diesem Fahrplan stehen wird, ist noch nicht klar. Es wird wohl auch um die Frage gehen, wie Energieeffizienz und erneuerbare Energien gegeneinander gewichtet werden.

Ziel ist es laut Staatssekretär Baake, den gesamten Gebäudebestand bis 2050 auf einen klimaneutralen Stand zu sanieren. Neubauten sollten überdies eigentlich schon heute so gebaut werden. Damit lieferte er eine indirekte Absage in Richtung der Immobilienwirtschaft ab, die die EnEV aufgrund der angespannten Flüchtlingssituation aufweichen möchte.

Sorge vor Rescaling

Große Sorgen macht sich die Branche über ein vermeintliches Rescaling der Energieeffizienzlabel. Die Europäische Kommission möchte, dass wieder für alle Produkte eine einheitlich auf eine Skala von A bis G in Europa gilt. A+ und Co. würde es dann in einigen Jahren nicht mehr geben. Allerdings dauert es noch bis 2017, bzw. für die Biomasse sogar bis 2019, bis das Label im Heizungsbereich in seiner dann finalen Version komplett ausgerollt ist. Die Heizungslabel wären also extrem schnell überholt, was naturgemäß keine Begeisterung auslöst. Zwar lehnt etwa der BDH das Rescaling nicht grundlegend ab, appellierte jedoch an die anwesende Politik, das Projekt doch noch einige Jahre zu verschieben.

Jan Gesthuizen

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