SolarWorld meldet Insolvenz an

Nachdem zuletzt noch Neustrukturierung und Qualitätsfokussierung angekündigt wurden, steht SolarWorld nun vor der Insolvenz. (Foto: SolarWorld)
Nachdem zuletzt noch Neustrukturierung und Qualitätsfokussierung angekündigt wurden, steht SolarWorld nun vor der Insolvenz. (Foto: SolarWorld)
11.05.2017

Noch vor wenigen Wochen hatte sich Frank Asbeck kämpferisch gegeben: Der SolarWorld-Chef kündigte auf der Bilanzpressekonferenz eine Neustrukturierung und die Konzentration auf Qualitätsprodukte an. Nun steht der Bonner Solarkonzern vor der Insolvenz. Als Hauptgrund sieht das Management den drastischen Preisverfall im Modulmarkt.

Ein erheblicher Stellenabbau war bereits angekündigt, doch auch mit einer Neustrukturierung sieht der Vorstand nun keine wirtschaftliche Perspektive mehr. Die SolarWorld AG wird einen Insolvenzantrag stellen. Wie es in einer Mitteilung heißt, sei der Vorstand nach umfassender Prüfung zu der Überzeugung gelangt, dass es „keine positive Fortbestehensprognose“ mehr gebe. Für die überschuldete Gesellschaft bestehe in der Konsequenz eine Insolvenzantragspflicht. Ob diese auch für die Tochtergesellschaften der SolarWorld AG gilt, werde geprüft. Rund 3.000 Menschen sind derzeit bei Solarworld beschäftigt, ihre Zukunft ist offen. Das Unternehmen will sich dafür einsetzen, an den Standorten so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.

Nach einer zwischenzeitlichen Erholung ist die SolarWorld AG im vergangenen Jahr bei einem negativen Ergebnis von 99 Mio. € gelandet. Dass dieser Verlust bei steigendem Absatz eintrat, zeigt, wie sehr der Hersteller mit der Preisentwicklung zu kämpfen hat. Auch die Modulpreise fielen nach einer Stabilisierung in der zweiten Jahreshälfte 2016 wieder in den Keller – als ein Grund gilt die Reduktion des PV-Zubaus in China.

Schon durch das Engagement für Strafzölle in Europa und den USA hatte SolarWorld deutlich gemacht, dass man die Preispolitik chinesischer Hersteller als Dumping zum Schaden der europäischen und amerikanischen Hersteller einstuft. Frank Asbeck machte seine Sicht auch auf der Bilanzpressekonferenz erneut deutlich:  „Die chinesische Solarindustrie hat eine Modulkapazität von 90 GW bei nur 34 GW Binnenmarkt. Als der chinesische Markt Mitte 2016 sein Soll erfüllt hatte, waren die Lager chinesischer Hersteller übervoll. Diese Massen wurde dann für 30 bis 35 Dollarcent auf den Markt geworfen.“

SolarWorld hat sich lange gegen den Negativtrend der deutschen Zell- und Modulindustrie gestemmt. So versuchte der vollintegrierte Hersteller mit der Übernahme der Bosch-Modulfertigung, eine für den Weltmarkt hinreichend große Kapazität zu erreichen. Und Asbeck betonte immer wieder den Qualitätsanspruch, zuletzt mit einer Konzentration auf monokristalline Module mit PERC-Technologie und mit neuen Glas-Glas-Modulen. Offenbar sieht der Vorstand in den erreichbaren Segmenten des PV-Markts aber nicht mehr das Potenzial, die Produkte zu angemessenen Preisen absetzen und das Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen führen zu können.

Ralf Ossenbrink

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