Schweizer Energieverordnung stärkt PV-Eigenverbrauch

Der Solarlift macht vor, was in der Schweiz die Regel werden soll: Direkter Verbrauch von Solarstrom am Ort der Erzeugung. (Foto: dpa)
Der Solarlift macht vor, was in der Schweiz die Regel werden soll: Direkter Verbrauch von Solarstrom am Ort der Erzeugung. (Foto: dpa)
10.03.2014

In der Schweiz tritt zum 1. April eine geänderte Energieverordnung in Kraft. Sie sieht unter anderem einmalige Investitionsbeiträge für kleine Photovoltaik-Anlagen und eine Regelung für den Eigenverbrauch von Solarstrom vor.

Mit dem Beschluss des Bundesrats endet ein Gesetzgebungsverfahren, dass im vergangenen Jahr mit einer parlamentarischen Initiative der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrates eingeleitet worden war. Neu ist eine Regelung zum Eigenverbrauch von selbst erzeugtem Strom, die insbesondere aus der Perspektive der Photovoltaik interessant ist. Unabhängig von der Art und Größe der Erzeugungsanlage erhalten Produzenten das Recht, selbst produzierte Energie teils oder ganz vor Ort für die Eigenversorgung einzusetzen. Nach Angaben des Verbands Swissolar wurde der Eigenverbrauch – der in Deutschland mit einer Beteiligung an der EEG-Umlage belastet werden soll,  bislang von einzelnen Energieversorgern nicht zugelassen. Die revidierte EnV erlaubt den direkten Verbrauch nun explizit, und zwar auch dann, wenn der Strom von Dritten, beispielsweise von Mietern, genutzt wird. Netzbetreiber müssen bei Eigenverbrauchsanlagen nur noch den tatsächlich ins Netz eingespeisten Strom vergüten, dürfen auf der anderen Seite aber separate Netztarif-Kundengruppen bilden, um dem abweichenden Bezugsprofil von Eigenverbrauchern Rechnung zu tragen. Nutzer von kleinen Solarstromanlagen bis 10 kW sind davon allerdings nicht betroffen – für sie gelten auch bei hohem Eigenversorgungsanteil die gleichen Netznutzungstarife wie bei anderen Endverbrauchern. Das Schweizer Bundesamt für Energie hat angekündigt, zum Thema Eigenverbrauch eine Richtlinie zu veröffentlichen.

Auch bei der Förderung von PV-Investitionen ändert sich einiges: Für kleine Anlagen bis 10 kW werden Schweizer Betreiber künftig eine Einmalvergütung statt der Einspeisevergütung erhalten, also einen Investitionszuschuss, der im Höchstfall 30 % der Kosten einer Referenzanlage ausmachen soll. Im Segment von 10 bis 30 kW besteht die Wahl zwischen Einspeise- und Einmalvergütung. Die Mittel für die einmalige Investitionsförderung sind zwar begrenzt, es soll aber im Gegensatz zum Einspeisemodell keine langen Wartezeiten geben. Die Einmalvergütung kann auch für neue Anlagen mit Inbetriebnahme nach dem 1. Januar 2013 beantragt werden.

Swissolar hat die die Revision der Energieverordnung aus Sicht der Photovoltaik als Verbesserung begrüßt. Erwartet wird, dass insbesondere Bauherren profitieren, deren Projekte auf der Warteliste für die kostendeckende Einspeisung stehen und bisher nicht realisiert werden konnten. Swissolar nennt eine Zahl von 30.000 Einträgen auf der Warteliste, die mit Hilfe der Einmalvergütung bis Anfang kommenden Jahres voraussichtlich um mehr als die Hälfte abgebaut werden könne. Mit Einmalvergütung und der Erlaubnis zum Eigenverbrauch lasse sich der dezentrale Solarstrom in der Schweiz ohne zusätzliche Belastung der Stromnetze weiter voranbringen, betont Swissolar.

Ralf Ossenbrink

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