Allianz BIPV: Gemeinsam für die PV-Integration

Der auf Erneuerbare Energien spezialisierte Rechtsanwalt Sebastian Lange ist Vorstandsvorsitzender der im April gegründeten Allianz BIPV. (Foto: Claudia Lommel)
Der auf Erneuerbare Energien spezialisierte Rechtsanwalt Sebastian Lange ist Vorstandsvorsitzender der im April gegründeten Allianz BIPV. (Foto: Claudia Lommel)
13.10.2016

Im April 2016 wurde in Potsdam die Allianz Bauwerkintegrierte Photovoltaik (BIPV) gegründet. Der eingetragene Verein versteht sich als Expertennetzwerk für bauwerkintegrierte Photovoltaik. Sonne Wind & Wärme sprach auf der Konferenz „Advanced Buildings Skins“ mit dem Vorstandsvorsitzenden Sebastian Lange über die Ziele und Vorhaben.

Sonne Wind & Wärme: Vorzeigeprojekte und Bestrebungen, die gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV) voranzubringen, gibt es schon seit etwa zehn Jahren. Trotzdem kommt die BIPV aus ihrer Nische nicht heraus. Wo ist das Problem?

Sebastian Lange: Die BIPV befindet sich an der Schnittstelle von Baubranche, Architektur und Photovoltaik. Diese drei Perspektiven zusammenzubringen, das ist die Schwierigkeit.

SW&W: Wie wollen Sie dem abhelfen?

Lange: Wir wollen die bauwerkintegrierte Photovoltaik deutlich bekannter machen und die Vorzüge aufzeigen. Die Kommunikation wird deshalb einer der Schwerpunkte unserer Aktivitäten sein – vor allem mit Hilfe unserer Website. Wir bauen sie als Plattform für den internen Austausch der Vereinsmitglieder aus. Die Akteure müssen sich auch einen Überblick verschaffen, welche Erfahrungen in der Praxis gesammelt werden. Wir wollen die Fachkompetenz im Verband nutzen, um die Umsetzung von BIPV zu verbessern und langfristig auch günstiger zu machen.

SW&W: Sprechen Sie auch Bauherren an?

Lange: Ja, ganz bestimmt. Sie sollen sich ebenfalls auf unserer Website informieren können. Bauherren haben häufig nur vage Informationen über die Möglichkeiten, Photovoltaik in Dächer und Fassaden zu integrieren. Es ist schwer für sie, sich zu orientieren und die richtigen Ansprechpartner zu finden.

SW&W: Einen Aufschwung hat die BIPV um 2009 herum erlebt, als es in einigen Ländern einen Bonus für gebäudeintegrierte Anlagen gab. Hersteller aus diversen Branchen sprangen auf den Zug auf, Architekten zeigten mehr Interesse. Kaum wurden die Sonderförderungen abgeschafft, ging es wieder bergab. Plädieren Sie für ein spezielles Fördersystem, um den Markt in Schwung zu bringen?

Lange: Es kann nicht das Ziel sein, das zu machen, was gerade die meiste Förderung bringt. Deshalb: Nein, wir werden keinen neuen Bonus fordern. Wir wollen aus der Branche heraus auf die Hemmnisse fokussieren und Lösungsvorschläge entwickeln. Dabei spielen auch die rechtlichen Hemmnisse eine Rolle, beispielsweise die Unsicherheiten bei der Zertifizierung der Bauprodukte. In den nächsten Jahren werden Regularien wie die EU-Gebäuderichtlinie, die ab 2020 einen Fast-Null-Energiehaus-Standard bei Neubauten fordert, für einen Schub sorgen. Die nächsten drei Jahre sind entscheidend: Da wird sich zeigen, ob wir den Sprung aus der Nische heraus schaffen.

SW&W: Es gibt auch andere Verbände, für welche die PV-Gebäudeintegration ein Arbeitsfeld ist – in der Solarbranche wie in der Baubranche. Wie passt die Allianz BIPV in dieses Umfeld?

Lange: Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu anderen Verbänden. Wir sehen es als zusätzliches Angebot, sich branchenübergreifend zu vernetzen. Angefangen haben wir mit 18 Mitgliedern, aktuell haben wir 26 - angefangen von selbständigen Beratern über Forschungsinstitute bis hin zu Konzernen. Über weitere Mitstreiter freuen wir uns.

Das Interview führte Ina Röpcke.

 

 

Advanced Building Skins: www.abs.green