Wie kann man die Akzeptanz von Erneuerbaren Energiemaßnahmen erhöhen?

Beim Parlamentarischen Gespräch mit Bundestagsabgeordneten in Berlin wurden im Projekt entwickelte Handlungsempfehlungen an Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen weitergegeben. (Foto: FLMH)
Beim Parlamentarischen Gespräch mit Bundestagsabgeordneten in Berlin wurden im Projekt entwickelte Handlungsempfehlungen an Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen weitergegeben. (Foto: FLMH)
16.06.2016

Ein Forschungsprojekt unter der Leitung des Fraunhofer ISE hat untersucht, wie sich die Akzeptanz verschiedener Maßnahmen zum Ausbau der erneuerbaren Energien steigern lässt. Stadtwerke und Kommunen sind dabei besonders wichtig, um die Teilnahme von Bürgerinnen und Bürgern zu erhöhen und somit deren Akzeptanz konkreter Maßnahmen zu steigern.

Sobald erneuerbare Energien in der eigenen Umgebung erzeugt werden sollen und dafür beispielsweise Windenergieanlagen installiert werden müssen, sinkt die Akzeptanz dieser Energiewende-Maßnahmen meist rapide. Das Forschungsprojekt „KomMA-P | Akzeptanz der Energiewende stärken“ hat daher sozialwissenschaftlich untersucht, wie Partizipation die Akzeptanz für die Energiewende erhöhen kann.

Identifikation mit der Energiewende erhöhen

Dazu wurden verschiedene Modelle der Energiewende, sowie verschiedene Modelle zur Teilhabe der in der Umgebung lebenden Menschen entwickelt. In Feldtests, repräsentativen Befragungen und Stakeholder-Dialogen ermittelte ein interdisziplinäres Team die Akzeptanz dieser verschiedenen Modelle wurde. durch das interdisziplinäre Team aus Forschern Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, das Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (ZIRIUS) der Universität Stuttgart und das Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ermittelt. Dabei kamen sie zu dem Fazit, dass Stadtwerke und Kommunen eine Vorreiterrolle bei der Beteiligung der Bürgschaft an der Energiewende einnehmen.

Da es bisher eher finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten an der Energiewende gibt, wie beispielsweise die Investition in Windparks, ist KomMA-P darauf ausgelegt, herauszufinden, welche Rolle andere bürgernahe Beteiligungsangebote spielen können. Dabei ging es vor allem um das Ziel einer gesellschaftlich verträglichen Energiewende, also um Modelle, mit denen sich Menschen stärker identifizieren können als mit finanzbasierten Energiewendeszenarien. „Unsere Aufgabe war es, den Zusammenhang zwischen technischen Lösungen auf der einen Seite und Möglichkeiten zur Teilhabe auf der anderen Seite zu untersuchen“, so Sebastian Gölz, Diplom-Psychologe am Fraunhofer ISE und Leiter des Projekts KomMA-P.

Werteorientierte Beteiligung erhöht die Akzeptanz

Die Ergebnisse zeigen, dass zielgruppen- und werteorientierte Teilhabemöglichkeiten im Vergleich zu finanziellen Teilhabemöglichkeiten die Zustimmung und die gesellschaftliche Umsetzung der Energiewende in der Bevölkerung erhalten und sogar ausbauen können. Basierend auf diesen Ergebnissen wurden Handlungsempfehlungen formuliert.

„Mit den Ergebnissen des Projekts KomMA-P wollen wir Akteure aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft dabei unterstützen, Energiepolitik und Maßnahmen zu gestalten, die nicht nur technisch und finanziell sinnvoll sind, sondern auch die Menschen vor Ort einbinden und überzeugen“, sagt Gölz.

Eine der Handlungsempfehlungen setzt zum Beispiel auf die Visualisierung der Energiewende im lokalen Umfeld. Im Pilotprojekt „Energieflussvisualisierung“, das in Kooperation mit den Stadtwerken Wunsiedel und der Energiewende GmbH Nürnberg realisiert wurde, wird sichtbar gemacht, wo Energie erzeugt und wo sie verbraucht wird. Dabei kann live im Online-Portal eingesehen werden, wie viel Strom das Blockheizkraftwerk und die Bürgersolaranlage erzeugen und wie viel vor Ort verbraucht wird. Dadurch konnten Bürgerinnen und Bürger für das Thema sensibilisiert und  zu einem bewussteren Umgang mit Energie motiviert werden. Das Projekt stieß auf große Zustimmung.

Auf einem öffentlichen und kostenfreien Symposium am 30. Juni 2016 in Berlin werden die Partner des Projekts Anregungen und Antworten auf die Frage vorstellen, was Stadtwerke, Kommunen und die Bundespolitik konkret tun können, um die Herausforderungen einer bürgernahen Energiewende zu meistern.

Das Projekt KomMA-P wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms „Umwelt- und Gesellschaftsverträgliche Transformation des Energiesystems“ gefördert.

Tanja Peschel / Fraunhofer ISE

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