Kerosyn 100: Fliegen mit Kraftstoff aus erneuerbaren Energieträgern

Durch »grünes Kerosin« wird Fliegen fast CO2-neutral.
Durch »grünes Kerosin« wird Fliegen fast CO2-neutral.
02.10.2018

Unter der Leitung des Advanced Energy Systems Institute (AES) der Universität Bremen erforscht das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V. (Ikem) gemeinsam mit sechs Partnern die Herstellung von »grünem Kerosin«. Anders als bei konventionellem Kerosin wird der Kraftstoff unter Einsatz erneuerbaren Stroms in einem chemischen Verfahren hergestellt.

Das Projekt wird vor allem erproben, wie aus Netzsicht überschüssiger Windstrom für die Kerosinherstellung genutzt werden kann. Die Erkenntnisse aus dem Projekt leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Luftverkehrs und zum Aufbau eines integrierten Energiesystems. Das Forschungsprojekt »Kerosyn 100« ist auf drei Jahre angelegt und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit insgesamt rd. 4 Mio. e gefördert.

Ikem-Geschäftsführer Simon Schäfer-Stradowsky: »Öko-kraftstoffe sind in der Luftfahrt bislang kaum verbreitet. Reisen mit dem Flugzeug tragen daher maßgeblich zur globalen Erwärmung bei. Indem erneuerbarer Strom in »grünes Kerosin« umgewandelt wird, können konventionelle Kraftstoffe eins-zu-eins ersetzt werden. Fliegen wird so fast CO2-neutral.«

In »Kerosyn 100« wird der Einsatz von aus Netzsicht überschüssigem Windstrom eine besondere Rolle spielen: Das Projekt ist in der Region Heide/Schleswig-Holstein angesiedelt, die mit einer installierten Leistung aus Windenergieanlagen (WEA) von rd. 1,5 GW europaweit zu den führenden Erzeugern erneuerbarer Energie gehört. Eine große Herausforderung ist jedoch die Abregelung von WEA aufgrund von überlasteten Stromnetzen oder geringem Verbrauch. Wertvolle Energie gehe so ungenutzt verloren.

S. Schäfer-Stradowsky: »Das Forschungsvorhaben leistet einen wichtigen Beitrag für unser Energiesystem. Statt überschüssige Wind-energie abzuregeln werden wir diese in der Erzeugungsregion in Form von Wasserstoff speichern. Dazu testen wir auch ein neuartiges Syntheseverfahren auf Basis von Methanol.« Der so erzeugte Wasserstoff wird dann für die Produktion von grünem Kerosin verwendet.

»Kerosyn 100« ist Teil der technologischen Projektinitiative »Entref 100« der Entwicklungsagentur Region Heide. Die Agentur begleitet das Projekt als assoziierter Partner und sorgt u. a. für eine weitergehende Vernetzung mit regionalen Forschungseinrichtungen wie der FH Westküste sowie weiteren Partnern aus Wirtschaft, Forschung und der öffentlichen Verwaltung.

Das IKEM analysiert rechtliche Rahmenbedingungen. Dies umfasst etwa die Identifikation regulatorischer Hemmnisse sowie das Aufzeigen von Anreizmechanismen. Weitere Partner sind Chemieanlagenbau Chemnitz GmbH, Raffinerie Heide GmbH, SKL Engineering & Contracting GmbH sowie die TU Bergakademie Freiberg und das DLR – Institut für Vernetzte Energiesysteme.

www.ikem.de