IREN2 testet regionles Inselnetz

Experten ist es gelungen, in Wildpoldsried ein örtliches Stromnetz vom öffentlichen abzukoppeln. Ein wichtiger Schritt, um die Energiewende voranzubringen. (Foto: Siemens)
Experten ist es gelungen, in Wildpoldsried ein örtliches Stromnetz vom öffentlichen abzukoppeln. Ein wichtiger Schritt, um die Energiewende voranzubringen. (Foto: Siemens)
31.08.2017

Die Partner im Forschungsprojekt IREN2 haben erfolgreich in Wildpoldsried den ersten Microgrid-Test außerhalb einer Laborumgebung durchgeführt und hatten damit Erfolg. Ein Teilnetz war unterbrechungsfrei vom öffentlichen Stromnetz getrennt und mittels eigener Erzeugungsanlagen weiter betrieben worden.

Die Bundesregierung verfolgt ehrgeizige Ziele beim Ausbau erneuerbarer Energien. Der Anteil der erneuerbaren Energien soll stetig steigen und 2022 werden die großen Atomkraftwerke abgeschaltet. Dies bedeutet, dass sich der Energiefluss verändern wird. Die Konsortialpartner des Projektes IREN2 sind sich einige, dass die Stromnetze künftig zellularer werden, diese untereinander verstärkt miteinander kommunizieren und zeitweise unabhängig voneinander funktionieren müssen. Je nach Netzbelastung und auch Erfordernis werden die Netze reagieren.

Um den Weg in diese Zukunft zu ebnen, wurde im Test unter Federführung der AllgäuNetz GmbH & Co. KG in Wildpoldsried ein Teil des Niederspannungsnetzes vom öffentlichen Stromnetz getrennt. Anschließend wurde der so genannte „Schwarzstart“ dieses Inselnetzes getestet. Das bedeutet, dass dieses abkoppelte Stromnetz mit eigenen Erzeugungsanlagen in den Regelbetrieb übergehen kann und sich selbstständig stabilisiert. Die Stabilisierung erfolgte Unterbrechungsfrei und ohne Auswirklungen auf die Anschlüsse der Haushalte im Versuchsgebiet.

Mit Solar- und Windkraft, sowie Biogas und Biomasse erzeugt Wildpoldsried bereits heute das Siebenfache des eigenen Stromverbrauches. Mit dieser Voraussetzung sahen die Konsortialpartner Siemens, AÜW, AllgäuNetz, ID.KOM, RWTH Aachen und die Hochschule Kempten in der Allgäuer Gemeinde den idealen Standort für ihren Test. Die Grundlage für den Versuch bilden die installierte Smart-Grid- Infrastruktur und die Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Projekt IRENE (Integration regenerativer Energien und Elektromobilität), das Ende 2013 nach dreijähriger Laufzeit abgeschlossen wurde.

Versuchsablauf Inselnetzbetrieb

Der Nachweis der Inselnetzfähigkeit des Niederspannungsnetzes erfolgte in den folgenden Schritten:

  1. Zunächst wurde bewusst ein Stromausfall initiiert.
  2. Die Stromversorgung in diesem Netzabschnitt, an dem 32 Anschlüsse, in mehreren Straßenzügen einschließlich einer Schule, eines Kindergartens, eines Gewerbegebäudes sowie mehreren Privathaushalten beteiligt waren, wurde dann lokal als Inselnetz wieder hergestellt, abgekoppelt vom öffentlichen Stromnetz nur mit Hilfe einer intelligenten Steuerung der lokalen Komponenten wie Batteriespeicher und Photovoltaik-Anlagen.
  3. Das Inselnetz wurde wieder unterbrechungsfrei mit dem öffentlichen Netz synchronisiert.
  4. Die Konsortialpartner demonstrieren, wie sich „per Knopfdruck“ der betroffene Abschnitt des Netzes auf Inselbetrieb und wieder zurück schalten lässt, ohne dabei die Stromversorgung zu unterbrechen.

Philipp Kronsbein /  Allgäuer Überlandwerk GmbH

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