Druckprobe für Fernwärmespeicher

Am Heizkraftwerk Herrenhausen wird ein 15.000-Kubikmeter-Öltank zum Fernwärmespeicher (Foto: enercity)
Am Heizkraftwerk Herrenhausen wird ein 15.000-Kubikmeter-Öltank zum Fernwärmespeicher (Foto: enercity)
29.07.2016

In Hannover wurde ein 15.000 Kubikmeter großer Öltank eines Heizkraftwerks zu einem Fernwärmespeicher mit 500 MWh Wärmespeichervermögen umgebaut. Jetzt hat der 21 m hohe Speicher seine Druckprobe bestanden.

Auf Hannovers ältestem Kraftwerksstandort wird seit 1902 Strom produziert. Seit den späten 1970er Jahren steht auf dem Gelände neben dem Gasheizkraftwerk Hannover-Herrenhausen ein ungenutzter ehemaliger Öltank von 30 m Durchmesser und 21 m Höhe leer. Aktuell wird er zu einem Heißwasserspeicher für das Fernwärmenetz des lokalen Energieversorgers enercity umgebaut. Um die Dichtheit des Tanks und der neuen Zu- und Abläufe zu prüfen, hat enercity seit Juni 2016 den Tank langsam befüllt. Täglich stieg der Wasserstand um rund 50 cm bis der Tank im Juli 2016 komplett gefüllt war.

Synchron zum steigenden Füllstand ließ enercity auf der Außenwand des Tanks eine 40 cm dicke Dämmschicht und die Außenverkleidung anbringen. Zeitgleich erfolgte auch die Anbindung an das Fernwärmenetz. Mit Abschluss der erfolgreichen Druckprobe kann jetzt auch auf dem Dach die 50 cm starke Dämmung aufgebracht werden. Danach stellt enercity eine 250 m lange Rohrtrasse bis zum Einbindepunkt ans Fernheiznetz fertig. Sobald dann noch die neue Pump- und Regelstation einsatzbereit ist, kann der Ein- und Ausspeicherbetrieb starten. Bereits zur Heizsaison im Winter 2016/17 soll der Wärmespeicher in Betrieb gehen.

Hannovers neuer atmosphärischer Fernwärmespeicher wird ein Speichervolumen von mehr als 12.500 Kubikmetern Fernheizwasser haben. Das Wärmespeichervermögen beträgt 500 MWh bei einer thermischen Ein- und Ausspeicherleistung von jeweils 100 MW. Die maximale Einspeichertemperatur liegt bei 98 °C. Die Projektkosten sollen sich – einschließlich der Anbindung ans Fernwärmenetz – auf rund 5,5 Mio. € belaufen.

Der Speicher wird die Flexibilität der KWK-Erzeugungsanlagen bei enercity erhöhen, indem er eine zeitlich unabhängige Strom- und Wärmeversorgung ermöglicht. Bei Wärmebedarf während Zeiten geringer Stromproduktion erspart der Wärmespeicher darüber hinaus den Zwangseinsatz der Regel- und Heißwasserkessel.

Die letzten Leerstandstage des Tanks vor der Befüllung im Mai 2016 hat enercity genutzt, um mit Musikern die eindrucksvolle Akustik nochmals erlebbar zu machen. Die hierbei entstandenen Klangwelten sind in dem Kurzfilm „Abgesang im alten Öltank“ festgehalten.

Enercity / Volker Buddensiek