60 % weniger Neugründungen: Energiegenossenschaften leiden unter EEG-Novelle

94 % der befragten Energiekommunen halten die Akzeptanz der Bevölkerung für äußerst oder sehr wichtig, wenn es um die Umsetzung der Energiewende geht. (Grafik: Agentur für Erneuerbare Energien)
94 % der befragten Energiekommunen halten die Akzeptanz der Bevölkerung für äußerst oder sehr wichtig, wenn es um die Umsetzung der Energiewende geht. (Grafik: Agentur für Erneuerbare Energien)
17.07.2015

Im Jahr 2014 wurden 60 % weniger neue Energiegenossenschaften gegründet als noch 2013. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands hervor. Gerade Energiegenossenschaften steigern jedoch die Akzeptanz für erneuerbare Energien unter den Bürgern.

Während 2013 noch 129 neue Energiegenossenschaften gegründet wurden, waren es im Jahr 2014 nur noch 54. Dieses Ergebnis wurde auf einer gemeinsamen Pressekonferenz vom Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands (DGRV) und der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) verkündet. Insgesamt, so der Verband, haben Energiegenossenschaften 1,67 Mrd. € in erneuerbare Energien investiert und Projekte mit einer Leistung von 933 MW errichtet.

Die geringere Anzahl an Neugründungen sieht der Vorstandsvorsitzende des DGRV, Eckhard Ott, vor allem als Auswirkung der EEG-Novelle 2014. Auch eine geänderte Auslegung zur Einstufung von Energiegenossenschaften nach dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) hatte zu einer Verunsicherung geführt. Hier soll der Investitionsstau nach Angaben des Verbands bei 290 Mio. € gelegen haben. Zumindest das KAGB-Problem wurde jedoch kürzlich gelöst.

Kleine Akteure nicht benachteiligen

Gerade auf kleinere Akteure wirken die Risiken von Ausschreibungsverfahren abschreckend. „Das Ergebnis der ersten Ausschreibungsrunde für Photovoltaik-Freiflächenanlagen zeigt, dass eher große Unternehmen zum Zuge kommen. Akteursvielfalt sieht anders aus“, kritisiert Ott. Daher schlägt der DGRV gemeinsam mit dem Ökostromanbieter Greenpeace Energy eG für die geplanten Windenergie-Ausschreibungen eine Übertragungsregel für kleine und mittlere Unternehmen bzw. „kleine Marktakteure“ vor. Zu den kleinen Akteuren zählen dabei grob gesagt diejenigen, die maximal drei Windenergieprojekte pro Jahr umsetzen und deren Projekte eine Größe von mehr als sechs Windkraftanlagen nicht überschreiten.

Das Modell setzt darauf, die Projekte von kleinen Akteuren ohne deren Beteiligung am Ausschreibungsverfahren umzusetzen. Der Preis würde trotzdem wettbewerblich ermittelt werden – entweder mithilfe der EEG-Vergütungssätze oder anhand von Durchschnittspreisen bisheriger Auktionen. Weitere Informationen finden sich im Dokument von DGRV und Greenpeace Energy über das „Modell zum Erhalt der Akteursvielfalt bei Windausschreibungen“. „Mit dieser Preisübertragung könnten wir die gleitende Umstellung auf Ausschreibungen und den Erhalt der Akteursvielfalt gleichermaßen erreichen. Für einen fairen Wettbewerb brauchen wir aber die Unterstützung der Politik“, erläutert Ott.

Akzeptanz steigern durch Bürgerbeteiligung

Neben der Photovoltaik ist für viele Energiegenossenschaften vor allem die Windenergie wichtig. Rund 15 % der Genossenschaften sind bereits mit durchschnittlich 544.000 € an Windprojekten beteiligt und etwa 4 % betreiben selbst eigene Windenergieanlagen. Die meisten der im Windbereich engagierten Genossenschaften (56  %) projektieren selbst oder mit einem Partner vor Ort. Das hat die DGRV-Jahresumfrage ergeben, in der 315 zwischen 2006 und 2014 gegründete Energiegenossenschaften Auskunft erteilten. Im kommenden Jahr plant außerdem rund ein Drittel der befragten Energiegenossenschaften weitere Investitionen im Windbereich und 40 % der Befragten planen eine Investition in PV-Projekte.

In einer Blitzumfrage der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) wurden 31 Vertreter von Energiekommunen in Deutschland zu ihren Erfahrungen mit der Umsetzung von Erneuerbaren-Projekten in ihrer Kommune befragt. Fast 80 % der Befragten bescheinigten den Energiegenossenschaften eine sehr große bis große Rolle bei der Steigerung der Bürgerakzeptanz. „Ohne Akzeptanz in der Bevölkerung wäre der Ausbau der Erneuerbaren Energien in den Kommunen und Regionen gefährdet“, hebt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der AEE, hervor. Außerdem halten 70 % der Befragten eine finanzielle Beteiligung der Bürger für sehr sinnvoll, zum Beispiel über einen Klimasparbrief. Die Kommunenvertreter berichten auch, ob und welche Projekte bei Ihnen aufgrund fehlender Akzeptanz gescheitert seien: In fast einem Drittel der Fälle handelt es sich dabei um Windenergie-Projekte.

Beim DGRV freute man sich über neue, vielversprechende Geschäftsmodelle, darunter die Direktlieferung von Strom an Endkunden. Positive Entwicklungen wie die Gründung von Dachgenossenschaften zur Stromvermarktung hebt der Verband ebenfalls hervor. Davon gibt es auch im Wärmesektor welche, denn in den letzten drei Jahren sind mehr als 60 der mittlerweile 140 Nahwärmegenossenschaften gegründet worden.

Tanja Peschel