Hat Daimler in einer verdeckten Aktion einen Tesla „analysiert“?

Daimler scheint in einer verdeckten Aktion einen Tesla X ausgeliehen und intensiv getestet zu haben - Schaden mindestens 15.000 Euro. (Foto: iStock)
Daimler scheint in einer verdeckten Aktion einen Tesla X ausgeliehen und intensiv getestet zu haben - Schaden mindestens 15.000 Euro. (Foto: iStock)
04.12.2017

Ist Teslas Entwicklungsvorsprung in Sachen E-Mobilität für den Daimler-Konzern nur noch auf krummen Wegen über verdeckte Tests aufzuholen? Darauf deutet eine Geschichte aus der Rubrik „dümmer geht’s nicht“ hin, über die der SPIEGEL berichtet.

Danach hat der Autovermieter Sixt im Auftrag eines nicht genannten Kunden im Sommer bei einem privaten Autovermieter einen Tesla X gleich für sieben Wochen ausgeliehen. Bei Rückgabe des 200.000 Euro teuren Fahrzeugs soll das gute Stück arg ramponiert gewesen sein: Die Heckklappe verzogen, Verkleidungsteile lose im Fußraum oder mit Klebeband provisorisch fixiert. Was erst nur ärgerlich war, entwickelte sich allerdings schnell zu einer Geschichte, die Zweifel an der Entwicklungskompetenz im Hause Daimler zulassen – im Handschuhfach soll nämlich ein Zettel gelegen haben, der mit Datum vom 11. Juli auf ein Abstellen des Fahrzeugs in der LKW-Logistikzone im Mercedes Benz Technology Center in Sindelfingen hinwies.

Doch nicht nur dort soll Teslas Spitzenmodell unterwegs gewesen sein, sondern auch auf einer Teststrecke bei Barcelona – vermutlich, um die eingebaute Technik unter hohen Temperaturen zu testen. Aus den Positionsdaten des Fahrzeugs will der Verleiher sogar herauslesen können, dass der Wagen in Sindelfingen über eine Rüttelstrecke, eine Schlechtwegestrecke und einen Steigungshügel gescheucht wurde. Die lose Verkleidung und die verzogene Heckklappe deuten nach seiner Einschätzung möglicherweise darauf hin, dass der Wagen auch auseinandergeschraubt wurde.

Allerdings sei die maximale Fahrstrecke laut Mietvertrag auf 1.500 km begrenzt gewesen. Bei Rückgabe seien es aber fast 4.000 km gewesen. Besonders pikant: Testfahrten waren im Mietvertrag ausdrücklich verboten! Darauf sei vor der Vermietung noch einmal ausdrücklich hingewiesen worden. Daher verlangt der Vermieter nicht nur die Erstattung in Höhe von mehr als 15.000 Euro, sondern zusätzlich eine Vertragsstrafe für jeden Tag auf der Teststrecke – in Summe 99.000 Euro. Mieter Sixt soll allerdings nur die reinen Reparaturkosten erstattet haben.

Vor kurzem war Daimler schon einmal in die Schlagzeilen geraten, als sich das Unternehmen über einen Vermittler eines der neuen Elektorfahrzeuge der Post ausgeliehen und getestet hatte – wie auch in diesem Fall die Positionsdaten des Fahrzeuges verrieten. Der Konzern hatte in diesem Fall argumentiert, der Mietvertrag sei rechtlich sauber, das Ganze ein in der Automobilbranche übliches Vorgehen.

Volker Buddensiek

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