Praxistipp zum Kesseltausch: "Öl-Wechsel"

22.03.2018

Der Ölkessel ist in die Jahre gekommen, die Gastherme gehört erneuert? Wie wäre es mit einer Pelletsheizung? Was es beim Kesseltausch zu beachten gilt.

Wann ist es Zeit für einen neuen Pelletskessel? Eigentlich immer. Der Umstieg von einem fossilen auf einen natürlichen Brennstoff macht ökologisch jederzeit Sinn. Ein Heizungstausch bietet sich jedoch besonders dann an, wenn die Öl- oder Gasanlage älter als 15 bis 20 Jahre ist. Ein guter Zeitpunkt für einen Wechsel ist das Ende der Heizsaison. Dann sind die Auftragsbücher der Installationsbetriebe nicht mehr prall gefüllt.

Aller guten Dinge sind drei

Grundsätzlich macht es keinen Unterschied, ob es sich bei dem alten Kessel um ein Öl- oder ein Gasgerät handelt. Auf drei Punkte kommt es bei einem Wechsel zu Holzpellets besonders an:

  1. auf ausreichend Platz für ein trockenes Brennstofflager
  2. auf eine entsprechend der niedrigen Abgastemperaturen einer Pelletsheizung ausgeführte Abgasanlage
  3. auf eine fachmännische hydraulische und regelungstechnische Einbindung in das bestehende Heizungsnetz

Ohne Brennstoff kann eine Pelletsanlage nicht heizen. Deshalb muss in erster Linie auf die Lagerfläche geachtet werden. Ist der geplante Lagerraum geeignet? Ist er groß genug? Sind die Wege zum Füllen kurz und die Befüllstutzen leicht zu erreichen? Saugsysteme bieten vielseitige Möglichkeiten, das Brennstofflager im Haus aufzustellen, weil sie die Pellets von bis zu 20 m Entfernung in den Vorratsbehälter des Kessels ziehen können. Der Tankraum einer Ölanlage reicht in den meisten Fällen aus, um Platz für die erforderliche Pelletsmenge zu bieten. Bei einem vorher mit Erdgas beheizten Gebäude muss der Lagerraum für die Holzpresslinge geschaffen werden. Die Industrie bietet auch bei engen Platzverhältnissen eine Fülle von Modellen an. Beispielsweise Erdtanks, die sich im Garten vergraben lassen, oder Gewebesilos, die man in Gartenhütten aufstellen kann.

Die Hydraulik nicht vergessen

Vor der Montage eines neuen Kessels lohnt ein Blick auf den Zustand des Heizsystems. Sind die alten Pumpen oder Verteiler noch voll funktionsfähig? Werden inzwischen energieeffiziente Alternativen angeboten? Bestehende Heizkörper oder vorhandene Fußbodenheizungen lassen sich meist weiterverwenden. Ist das gesamte Heizsystem schon in die Jahre gekommen, sollte im Zuge des Kesseltausches auch die Regelung sowie der Heizungsverteiler samt Heizungspumpe erneuert werden. Alte Heizungspumpen verbrauchen mehr Strom als moderne Geräte, sodass ihr Austausch eine zusätzliche Kostenersparnis bringt. Außerdem ist der hydraulische Abgleich der Heizung eine effektive Maßnahme, um mit wenig Aufwand Heizkosten zu sparen. Er stellt sicher, dass die Wärme optimal im Haus verteilt wird. Der hydraulische Abgleich gilt übrigens als Bedingung, um den Einbau einer Pelletsheizung mit den Zuschüssen aus dem Marktanreizprogramm gefördert zu bekommen.

Das Abgassystem anpassen

Moderne Pelletskessel arbeiten mit einem Saugzuggebläse und einer getrennten Primär- und Sekundärluftführung, sodass sie den Brennstoff bei niedrigen Abgastemperaturen optimal verbrennen. Die Kamine der Abgasanlage müssen den Anforderungen entsprechend ausgeführt und dimensioniert sein. Bei den meisten Heizanlagen lassen sich die bestehenden Kaminsysteme nutzen beziehungsweise anpassen. In einigen Fällen kann der Pelletskessel ohne weiteres an das bestehende Abgassystem angeschlossen werden, zum Beispiel wenn der bisherige Ölkessel bereits an einem geeigneten Edelstahlkamin angeschlossen war. Handelt es sich um einen nicht feuchtebeständigen Kamin, kann er mit einem Innenrohr aus Edelstahl saniert werden. Voraussetzung: Der Querschnitt des Kamins ist groß genug. Der Anschluss an Abgassysteme aus Kunststoff ist nicht erlaubt. Ist kein geeignetes Abgassystem vorhanden und eine Sanierung nicht möglich, bietet sich die Möglichkeit, einen Außenkamin zu installieren. Es empfiehlt sich auf alle Fälle, mit dem örtlichen Schornsteinfeger über die Abgasanlage zu sprechen.

Wann ist ein Pufferspeicher notwendig

Ob ein Pelletskessel seine Wärme erst in einen Pufferspeicher liefern muss, bevor sie von dort zu den Heizkörpern rauscht, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Viele Anbieter raten zur Montage eines Pufferspeichers, weil er energieaufwändige Starts des Kessels vermeidet, weil dieser länger mit voller Kraft und so mit besserem Wirkungsgrad arbeiten kann. Der Grund: Das Gerät läuft so lange mit Volllast, bis der Speicher gefüllt ist, und muss deshalb nicht immer wieder anspringen, um kleinste Wärmeanforderungen zu befriedigen. Andere Hersteller verweisen auf ihre modulierenden Kessel. Sie liefern, sofern richtig ausgelegt, immer an den Bedarf angepasst die nötige Menge Energie und müssen nicht ständig die große Wassermenge im Wärmetank aufheizen. Pufferspeicher verlieren trotz Dämmung Wärme. Wärme, die unnötig erzeugt zu einem höheren Brennstoffverbrauch führt. Arbeitet eine Pelletsanlage ohne Pufferspeicher, raten manche Firmen zu einem ausreichend großen Warmwasserspeicher.

Joachim Berner

Der Beitrag ist in SW&W 3/2018 erschienen.

Google+