Holzheizkraftwerke könnten auch Regelenergie liefern

Der Energieträger Holz kann viel mehr als nur Wärme liefern. (Foto: dpa)
Der Energieträger Holz kann viel mehr als nur Wärme liefern. (Foto: dpa)
30.10.2015

Holzheizkraftwerke produzieren nicht nur Wärme, sondern oft auch Strom.  Sie könnten den Wärme- und Strommarkt näher zusammenbringen, etwa indem sie Regelenergie bereitstellen. Echte Anreize dafür fehlen, aber einzelne Kraftwerke arbeiten bereits so.

In Deutschland erzeugen derzeit ca. 300 Holzheizkraftwerke Wärme und produzieren gleichzeitig ca 10 TWh Strom. Ein Drittel davon ließe sich technisch so erweitern, dass sie den Strom flexibel liefern oder auch Systemdienstleistungen für die Stabilität des Stromnetzes anbieten könnten. In Berlin Diskutierten zahlreiche Experten aus Industrie, Forschung und Politik in einem Fachworkshop des Fraunhofer IWES dieses Thema.

Grundsätzlich können Holzheizkraftwerke, ähnlich wie Biogasanlagen, Regelenergie bereitstellen. „Jedoch verfügen Biogasanlagen über einen Gasspeicher, der die Gasproduktion des Fermenters von der Stromproduktion entkoppeln kann. Holzheizkraftwerke priorisieren in den meisten Fällen eine Wärmeversorgung ihrer Kunden, eine davon unabhängige Stromproduktion lässt sich oft nur mit einem zusätzlichen Wärmespeicher realisieren“, erklärte Uwe Hoffstede vom Fraunhofer IWES.

Allerdings verfüge eine Anlage mit ORC-Turbine selbst mit Einsatz eines Wärmespeichers kaum über finanzielle Anreize zur flexiblen Stromproduktion. Ein Grund hierfür sei etwa die EEG-Vergütung.

Mit der Demonstrationsanlage Wächtersbach stellte Tim Steindamm von Seeger Engineering ein Beispiel vor, bei dem ein Holzheizkraftwerk bedarfsgerecht Strom produziert, ohne bei der Wärme Abstriche zu machen. „Da sich ein Wärmespeicher für das Heizkraftwerk nicht rechnete, wurde ein Bypass um die Turbine genutzt und einige Modifikationen in der Anlagensteuerung vorgenommen. Damit ist es nun möglich, bei geringerem Strombedarf einen Teil des Dampfes an der Turbine vorbeizuleiten und zum Aufheizen des Wärmenetzes zu nutzen. Die Kosten dafür beliefen sich auf unter 10.000 Euro. Diese Investitionen haben sich bereits nach einem Jahr durch die Bereitstellung von Minutenreserve und (negativer) Sekundärregelleistung amortisiert“, so Steindamm.

Ein Drittel des aktuellen Heizkraftwerkparks in Deutschland könne laut Teilnehmern des Workshops elektrisch flexibilisiert werden.  Insbesondere ein schnelles Absenken der elektrischen Leistung  sei technisch möglich und wirtschaftlich machbar.

Jan Gesthuizen

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