Biogas könnte fast die Hälfte russischer Gasimporte ersetzen

Grafik Biogaspotenziale der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
(Quelle: AGEE, DBFZ, BMWi, AGEB)
20.06.2014

Nachdem Russland der Ukraine Gaslieferungen verweigert, betont der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) wie wichtig es sei, die Biogasproduktion zu fördern und nicht zu behindern. Kurzfristig ist die Versorgung Westeuropas zwar nicht gefährdet, doch EU-Energiekommissar Günther Oettinger warnte bereits vor möglichen Versorgungsengpässen im nächsten Winter. Mittelfristig könnte Biogas einen signifikanten Teil der russischen Gasimporte ersetzen.

Insgesamt geben die EU-Staaten jährlich über 550 Mrd. € aus, um fossile Brennstoffe zu importieren. Vom importierten Erdgas und Rohöl kommt dabei gut ein Drittel aus Russland – in Deutschland sind es sogar 36 bzw. 39 %. Für Öl, Gas und Kohle aus Russland gibt die Bundesrepublik pro Jahr 33 Mrd. € aus. 2013 verbrauchte Deutschland rund 87 Mrd. m³ Erdgas, von dem 90 % importiert wurden.

Gleichzeitig wurden geschätzte 15 Mrd. m³ Biogas und biogene Abfallgase aus kommunaler Bioabfallsammlung erzeugt, aus denen sich wiederum 9 Mrd. m³ aufgereinigtes Bioerdgas herstellen ließen. Laut der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. könnte man die Bioerdgaserzeugung bis 2020 auf fast 13 Mrd. m3 erhöhen. Das entspricht fast der Hälfte der Menge an Erdgas, die Deutschland heute aus Russland importiert (ungefähr 28 Mrd. m³).

Mehr Biogas ins Gasnetz

Momentan werden nur knapp 7 % des Biogases in Deutschland zu Bioerdgas aufbereitet und ins Gasnetz eingespeist. Würde man vermehrt Biogas zu Bioerdgas aufbereiten anstatt es direkt in der Biogasanlage in Strom und Wärme umzuwandeln, könnte man es in die Gasnetze einspeisen und so zur Diversifizierung der Gasmärkte beitragen. Bei einer vermehrten Einspeisung ins Gasnetz könnte außerdem die Gasverbrennung dort stattfinden, wo eine Nachfrage nach Wärme besteht. Dadurch würde das Gas nicht direkt am Erzeugungsort im Strom umgewandelt und die dabei im Blockheizkraftwerk entstehende Wärme würde nicht verschwendet werden. Zusätzlich ließe sich das Biomethan also als Wärmequelle, Kraftstoff oder für die gekoppelte Strom- und  Wärmeproduktion einsetzen.

Kritik am EEG-Entwurf

Wird der EEG-Entwurf des Bundeswirtschaftsministers umgesetzt, wäre laut Schätzung des Fachverbandes Biogas nur ein Neubau von Biogasanlagen mit einer elektrischen Leistung von 6 MW pro Jahr möglich. Das vorher im EEG-Entwurf vorgesehene Ausbauziel ist wesentlich höher: 100 MW sollen pro Jahr hinzukommen. Der BEE-Geschäftsführer Hermann Falk kritisiert daher die Pläne von Wirtschaftsminister Gabriel scharf und fügt hinzu: „Durch saubere Energien Arbeitsplätze und Innovationen im eigenen Land zu schaffen ist wesentlich intelligenter, als Milliarden nach Moskau zu überweisen.“ Außerdem bemängelt er, dass es seitens der Bundesregierung und der Europäischen Kommission keine konkreten Pläne gebe, um die Energieeffizienz oder den Ausbau der Erneuerbaren im Wärmebereich voranzutreiben.

Tanja Peschel

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