Studie: 2 % der Rotmilan-Population stirbt an WEA

Die Zahl der Rotmilane-Funde in der zentralen Fundkartei ist nicht mit der Zahl der WEA gestiegen. (Grafik: KohleNusbaumer)
Die Zahl der Rotmilane-Funde in der zentralen Fundkartei ist nicht mit der Zahl der WEA gestiegen. (Grafik: KohleNusbaumer)
08.04.2016

Windkraftanlagen stellen kein erhöhtes tödliches Risiko für den Rotmilan dar. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Umweltbüro KohleNusbaumer in Lausanne veröffentlichte Studie. Tod an Stromleitungen, durch Straßenverkehr oder Vergiftung größere Gefahren für Rotmilane als tödliche Kollision mit Windrädern.

Wenn Bürgerinitiativen sich gegen den Bau von Windenergieanlagen wenden, wird häufig darauf Verwiesen, dass im Planungsgebiet der Rotmilan als streng geschützte Art vorkommt und sein Bestand durch Vögel, die mit den WEA kollidieren, bedroht wird. Eine vom Umweltbüro KohleNusbaumer vorgelegte Studie hat jetzt Zahlen über die Entwicklung der Rotmilan-Population zusammengetragen, die zeigen, dass das Bild nicht so eindeutig ist, wie es in der Diskussion gern vorgetragen wird. Auch verdeutlicht ein Vergleich unterschiedlicher Todesursachen des Greifvogels, dass andere vom Menschen verursachte Gefährdungen unter Umständen viel relevanter für den Bestand sin.

So hat der Bestand des Rotmilans in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren um etwa 40 % zugenommen, so dass der Vogel auf Bundesebene von der Roten Liste genommen werden konnte. Das kontrastiert dazu, dass im gleichen Zeitraum 26.000 Windenergieanlagen errichtet wurden. Wenn die Verluste an den Anlagen tatsächlich bestandsbedrohend wären, müsste sich das in einer Abnahme der Bestände abzeichnen.

Bislang wurde der Rotmilan vor allem aufgrund von Erhebungen des Landesumweltamtes Brandenburg (LfU Brandhenburg) als eine durch Windenergieanlagen stark gefährdete Vogelart eingestuft. Abgeleitet wird das erhöhte Risiko im Wesentlichen aus der bisher einzigen „Fundkartei für Anflugopfer an Windenergieanlagen“ in Deutschland, die vom LfU geführt wird. Nach den in dieser Kartei gesammelten Daten wird der Rotmilan häufiger als andere Vogelarten als Kollisionsopfer gemeldet - und dies trotz des begrenzten Bestandes.

Stromleitungen, Straßenverkehr und Vergiftungen als Todesursachen des Rotmilans

Aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang Daten der Vogelberingungszentrale Hiddensee. Danach wurden von 1990 bis 2013 insgesamt 17.580 Rotmilane auf dem Gebiet der ostdeutschen Bundesländer beringt. 833 der beringten Vögel wurden später als Totfunde gemeldet (4,7 %). Nur 18 Tiere oder 0,1 % der 17.580 seit 1990 beringten Rotmilane wurden der zentralen Funddatei für Anflugopfer an Windenergieanlagen als Kollisionsopfer gemeldet. Und das, obwohl bis Ende 2013 allein im Bundesland Brandenburg mindestens 68.800 Kontrollen unter Windenergieanlagen durchgeführt wurden mit dem Ziel, Kollisionsopfer zu finden. Der Anteil der Windenergie an den Todesursachen beträgt damit rechnerisch 2,0 %. Im Verhältnis zu anderen mit menschlichen Aktivitäten verbundenen Todesursachen wie Tod an Stromleitungen, Tod durch Straßenverkehr oder Vergiftung sei die Gefahr einer tödlichen Kollision mit Windrädern gering, so die Autoren der Studie.

Studie Windenergie und Rotmilan: Ein ScheinproblemDie Studie steht hier zum Download bereit.

Volker Buddensiek