Offshore-Branche fordert höhere Ausbau-Ziele

Podiumsdiskussion auf der 14. Hamburg Offshore Wind Conference: Wie viel Neuinstallationen braucht die Offshore-Industrie, um einen Fadenriss zu verhindern? (Foto: DNV-GL)
Podiumsdiskussion auf der 14. Hamburg Offshore Wind Conference: Wie viel Neuinstallationen braucht die Offshore-Industrie, um einen Fadenriss zu verhindern? (Foto: DNV-GL)
11.04.2017

Die Offshore-Windbranche warnt vor einem Fadenriss bei der Weiterentwicklung der Technologie, wenn die gegenwärtig geplanten Ausbauzahlen nicht deutlich nach oben angepasst werden. Auf der 14. Hamburg Offshore Wind Conference warnten Industrievertreter vergangene Woche davor, die Ausbauziele anhand des Fortschritts beim Netzausbau auf dem Festland zu begrenzen. Dies genüge weder, um die Verpflichtungen aus dem Klimaschutzabkommen zu erfüllen, noch sei damit Kontinuität in der Entwicklung der Technologie und der künftigen Kostenreduktion zu erreichen.

Um den gegenwärtig im Offshore-Windgeschäft engagierten Unternehmen Kontinuität zu sichern, müsse der europäische Offshore-Markt eine Mindestgröße von 4 GW pro Jahr erreichen, andernfalls drohe der Verlust von Arbeitsplätzen und Know-how, mahnte Bent Christensen, Senior Vice President von Siemens Gamesa Renewable Energy, dem gemeinsamen Offshore-Unternehmen der beiden Hersteller Siemens Wind Power und Gamesa. Gerade einmal eine Stunde alt war da das neue Unternehmenslogo, das Christensen auf seiner Präsentation den Teilnehmern der HOW-Konferenz vorführte. Doch in dem Stolz über die geglückte Fusion klang durchaus Sorge mit, wie es in der Offshore-Branche weitergeht. Denn die angesprochenen 4 GW Neuinstallationen pro Jahr in Europa reichen nach Christensens Einschätzung gerade einmal, um den erreichten Stand der Industrialisierung und Standardisierung in Fertigung und Errichtung zu halten. Für eine weitere Entwicklung, die künftige Kostensenkungen erlauben könnte, seien pro Jahr mindestens 7 GW notwendig.

Auch Volker Malmen, Managing Director bei Dong Energy Germany, hält als Untergrenze für weitere Entwicklung und zur Einführung der 10-MW-Turbinenklasse bis 2020 ein Installationsvolumen von mindestens 1 Anlage pro Tag für notwendig. Allein für den deutschen Markt sollten es eher 2 GW als 1 GW pro Jahr sein, um „eine künftige Entwicklung ohne Bruch“ sicherzustellen.

Norbert Giese, Vizepräsident für Offshore-Entwicklung bei Senvion, forderte ebenfalls ein Volumen von 4 GW in Europa. Um das zu erreichen, müssten neue Märkte entwickelt werden. Giese nannte Frankreich, Polen, Schweden, Finnland, Irland und die baltischen Staaten.

Bedenken hinsichtlich erhöhter Ausbauziele machte Thorsten Falk als Vertreter des BMWi deutlich. Für ihn „beginnen die Probleme hinterm Deich“, da der aktuelle Netzausbau im Rahmen der bisherigen Ausbauziele „erst 2025 greifen“ werde. Wenn die Offshore-Branche jetzt höhere Ausbauziele für Nord- und Ostsee fordere, dann müsse auch „der Netzausbau hochgefahren werden“. Ähnlich argumentierte TenneT-Vorstand Wilfried Breuer, der daran erinnerte, dass die Genehmigungsverfahren für Offshore-Parks viel kürzer seien als für den Netzausbau.

Jörg Kuhbier, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Offshore Windenergie, hielt dem jedoch entgegen, man habe in der Vergangenheit „den Netzausbau verschlafen“. Die Energiewende dürfe heute „nicht am Netzausbau ausgerichtet werden, sondern am Klimaschutz“. Er beklagte, dass erneuerbare Energien noch immer allzu sehr unter Kostengesichtspunkte gesehen werden. Der gesellschaftliche Nutzen der Erneuerbaren werde dagegen nicht kommuniziert.

Volker Buddensiek