10.000 Wärmepumpen extra

Staatsekretär Baake bezeichnete die niedrigen Öl- und Gaspreise als „Ärgernis“, denen man begegnen müsse. Wie genau das aussehen könnte, ließ er aber offen. (Foto: Jan Gesthuizen)
Staatsekretär Baake bezeichnete die niedrigen Öl- und Gaspreise als „Ärgernis“, denen man begegnen müsse. Wie genau das aussehen könnte, ließ er aber offen. (Foto: Jan Gesthuizen)
09.12.2015

Die Wärmepumpenbranche steht vor aufregenden Zeiten. Beim Forum Wärmepumpe vergangene Woche zeigte sich, dass dank EnEV mit einem ordentlichen Absatzplus zu rechnen sei. Anderseits könnten die Margen deutlich sinken. 

Seit die Bundesregierung den nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) beschlossen hat, ist sie im Wärmesektor so aktiv wie vermutlich noch nie seit Bestehen der Republik. Wegen niedriger Sanierungs- und Heizungstauschraten ist das auch bitter nötig. Einiges davon macht sich inzwischen bemerkbar. So steigen die Antragszahlen im Marktanreizprogramm vor allem für Erdwärmepumpen seit der Novelle im April stark an. Mit einiger Verzögerung macht sich dies laut Vertretern der Branche inzwischen auch in den Absatzzahlen bemerkbar. 

Heinz von Heiden Massivhäuser wird mit der neuen EnEV im Neubau nur noch Wärmepumpen anbieten, erklärte Christian Schmidt. (Foto: Jan Gesthuizen)

Gute Aussichten bietet auch die EnEV, die ab 1. Januar deutlich strengere Vorgaben für den Neubau bringt. Tillman von Schroeter von Vaillant erwartet etwa, dass der Absatz von Wärmepumpen im Neubau dadurch um 10.000 Stück im Jahr steigen werde. Ähnliches ist auch aus der Bauwirtschaft zu hören. So berichtete etwa Christian Schmidt vom Heinz von Heiden Massivhäuser, dass man im Neubau ab nächstem Jahr nurnoch Wärmepumpen anbieten werde. Die Kombination Solarthermie und Gasbrennwertkessel sei damit als Standard abgelöst.

Alles im allem also gute Aussichten, auch wenn es beim Bestand nach wie vor nicht so läuft, wie die Branche hofft. Mahnende Worte gab es dagegen aus der Energiewirtschaft. Susan Hennersdorf richtete für EnBW ein Grußwort an das 16. Forum Wärmepumpe.

Hürden beim SmartHome und knappe Margen

Natürlich schätzt EnBW als Stromversorger die Wärmepumpe und wie andere Energiekonzerne verspricht man sich einiges vom Smart Home. Als sie versucht habe ein Haus zu bauen, das dem Stand der Technik bei Telekommunikation und Anlagentechnik entspräche, sei das ein „Albtraum“ gewesen. Hier ist also noch viel zu tun, etwa bei gewerkeübergreifenden Arbeiten.

Außerdem würden hier neue Geschäftsmodelle zu mehr Transparenz auf Kundenseite führen. Steigende Transparenz führe aber unweigerlich auch zu Margenverfall. Es sei daher mit einem hohen Innovationsdruck zu rechnen.

Staatssekretär Baake: Spricht sich für heizen mit Strom aus

Ralp Baller, Referatsleiter für das Marktanreizprogramm (MAP) beim BAFA,  stellte erste Erfahrungen der aktuellen MAP-Novelle vor. 68 % aller Anträge im Bereich Wärmepumpe zielten auf die Nutzung von Erdwärme. Außerdem solle die Bearbeitung von Anträgen bald schneller laufen. (Foto: Jan Gesthuizen)

Auch das BMWi war auf dem Forum Wärmepumpe stark vertreten. Prominentester Sprecher war sicherlich Staatssekretär Baake. Er stellte die Gebäudeenergie Strategie der Bundesregierung vor, über die wir an anderer Stelle bereits ausführlich berichtet haben.

Ein eindeutiges Ergebnis, das aussagt ob im Gebäudebereich eher Energieeffizienz oder erneuerbare Energien zu den größten, bzw. wirtschaftlichsten Einsparung führe gebe es dort nicht, auch wenn die Erneuerbaren energien ein wenig besser wegkommen.

Baake machte außerdem deutlich, dass der Restwärmebedarf in den effizienten Gebäuden von morgen Großteiles mit Strom gedeckt würde. Eine gute Nachricht für die versammelte Wärmepumpenbranche.

Mehr erneuerbare im Wärmenetz

Hoffnung machte Baake den erneuerbaren Energien beim Thema Großanlagen. Die erneuerbaren Energien sollen eine wichtige Rolle in Wärmenetzen spielen. Konkrete Aussagen dazu, wie dass genau umgesetzt werden solle, machte er allerdings nicht. Einen Hinweis gibt dazu gibt es im jüngst veröffentlichten Erfahrungsbericht zum  Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzt (EEWärmeG). Dort wird zum Beispiel der Vorschlag diskutiert, den Pflichtanteil für erneuerbare Energien in Wärmenetzen zu erhöhen, wenn diese Wärmenetze als Erfüllungsoption im Rahmen des Wärmegesetzes herhalten sollen.

Wann und ob dieser Vorschlag Einzug in das Wärmegesetz findet, bleibt allerdings noch abzuwarten. Schon jetzt hätte es die Möglichkeit gegeben über die Novelle des KWK-Gesetzes etwas für die erneuerbaren Energien zu tun. Denn die bessere Verknüpfung von Kraft-Wärme-Kopplung und den erneuerbaren Energien wurde ursprünglich einmal als eines der Ziele der Novelle kommuniziert.

"Wir erwarten, dass die Regelwerke zusammengefasst werden", erklärte Andreas Jung vom BMWi die Position der Bundesländer zum EEWärmeG und der EnEV. (Foto: Jan Gesthuizen)

Das klang jetzt allerdings ganz anders. Die Novelle des KWKG diene vor allem dazu, große Erdgas-KWK am Leben zu erhalten, die ansonsten gegen die Kohle keine Chance hätte. Für die erneuerbaren Energien heißt das also bis auf Weiteres, abwarten und auf bessere Zeiten hoffen.

EnEV und EEWärmeG sollen zusammenkommen

Ein weiteres großes Fass machte Baakes Kollege aus dem BMWi Andreas Jung auf. Dieser ist dort für Rechtsfragen Wärme und Effizienz in Gebäuden zuständig. So sollen EnEV und EEWärmeG besser miteinander verknüpft, bzw. aufeinander abgestimmt werden. Vor allem die Bundesländer würden hier Druck machen und erwarten, dass die beiden Regelwerke zusammengefasst würden.

Eine Aufweichung solle es dabei nicht geben, vom Ziel ab 2021, bzw. im öffentlichen Bau ab 2019 nur noch Niedrigstenergiegebäude zu bauen, bleibe bestehen.

Jan Gesthuizen