Contracting: Endlich eine Referenz

Foto: Enertracting
Foto: Enertracting

Jede Branche hat sie, diese verheißungsvollen Schlagwörter, die immer wieder fallen, aber sich doch selten wirklich in der Praxis wiederfinden. In der Solarthermie ist Contracting ein solches. In Hessen ist nun eines der viel zu seltenen Referenzprojekte eingeweiht worden.

In Großseelheim hat das Unternehmen Enertracting eine 355 m² große Solaranlage eingeweiht, deren Wärme an die E.ON Mitte AG verkauft wird. Der Clou dabei: E.ON kommt hier in den Genuss eine für sich völlig neue Technologie zu erproben, muss aber kein unternehmerisches Risiko tragen. Dieses trägt die Enertracting GmbH, die die Solaranlage gebaut hat und sie auch betreibt. E.ON zahlt lediglich die Wärme, die Enertracting auch liefert.

Die Solarwärme nutzt das Unternehmen für eine Gasdruckregelanlage (GDRA). Dort wird Erdgas aus den großen Fernübertragungspipelines auf kleinere Leitungen Richtung Endkunde verteilt. In den Fernübertragungspipelines ist das Gas auf 80 bis 100 bar verdichtet, wird aber in den Übertragungsstationen auf einen Überdruck von 16 bar herunterreduziert. Dabei kühlt sich das Gas bei der Entspannung ab und kann so zu Vereisungen und Schäden an der Übergabestation führen. Die solarthermische Anlage wird nun etwa 190 MWh Wärme im Jahr liefern, um das Gas vorzuheizen und damit solche Schäden vermeiden. Üblicherweise nutzt E.ON hierzu einen erdgasbetriebenen Kessel, die gut 0,2 % der Energie verbrauchen, die im Jahr durch die GDRA geleitet wird.

Konkurenzfähiger Preis

Enertracting hat mit E.ON einen langjährigen Abnahmevertrag geschlossen. Demnach wird nur für Wärme gezahlt, die auch tatsächlich geliefert wird. Derzeit liegt der Preis für Solarwärme bei etwa 5,5 Cent/kWh, was  dem entspricht was E.ON für eine selbst erzeugte kWh ausgibt. Zudem ist der Preis an den Gaspreis gekoppelt, steigt und fällt also mit diesem. Damit hat E.ON als Abnehmer eine Garantie, dass die Solarwärme auch bei fallenden Gaspreisen nicht teurer als die Eigenerzeugung wird. Auf der anderen Seite wirken sich steigende Gaspreise positiv auf Enertractings Ergebnis aus. 

Neben der Solarwärme wird auch noch Wärme aus einer nahegelegenen Biogasanlage für die GDRA verwendet, die ansonsten noch ein Nahwärmenetz in Großseelheim speist. Enertracting tritt hier als Zwischenabnehmer auf, der Wärme vom Biogasanlagenbetreiber abnimmt und an E.ON weiterverkauft. Der solare Deckungsgrad des Projekts wird voraussichtlich bei gut 20 % liegen.

Die Investitionskosten der Solaranlage, bei der Großflächenkollektoren von Wagner & Co. Solar sowie eine 25 m³ Pufferspeicher der fSave Solartechnik verbaut wurde, liegen bei 165.000 €, wobei hier noch eine 30 % Tilgung als KfW-Zuschuss abgezogen werden muss. 

Es geht weiter

Enertracting hat bereits die nächsten Projekte am Start. Zum einen sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit 30 m² großen Solarwärmeanlagen ausgestattet werden, die ebenfalls nach dem Contractingmodell vermarktet werden. Zum anderen ist auch eine weitere große Solarwärmeanlage geplant, die eine andere GDRA versorgen soll. Hier soll das Solarfeld auch noch einmal deutlich größer ausfallen, als das jetzt eingeweihte in Großseelheim. Enertracting Gründer Roland Heinzen hofft, bei der Anlage dann noch günstiger zu werden.

 Jan Gesthuizen

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