VDE startet Normungsinitiative für „Mini-PV-Anlagen“

PV-Balkonanlagen eignen sich auch für Mieter. (Foto: Solar-Info-Zentrum SIZ GmbH)
PV-Balkonanlagen eignen sich auch für Mieter. (Foto: Solar-Info-Zentrum SIZ GmbH)
30.09.2016

Steckerfertige Photovoltaik (PV)-Anlagen sollen auch Solaranhängern ohne eigenes Haus oder geeignete Dachfläche die eigene Stromproduktion ermöglichen. Bislang äußerten Experten aber immer wieder Sicherheitsbedenken. Das soll sich jetzt ändern – durch eine eigene Norm für die kleinen Stromer.

Die Mini-PV-Anlagen sollen auch Mietern ermöglichen, den selbsterzeugten Strom direkt zu nutzen. Bislang scheiterte ihre flächendeckende Einführung jedoch an den Sicherheitsstandards für das Produkt. Vor allem Fragen zu den Themen Überlast, Schutz gegen elektrischen Schlag bei Einspeisung über Verbraucherstromkreise und Blitzschutz sind noch nicht hinreichend geklärt. Zwar liegt ein erarbeiteter Entwurf zur Ergänzung der DIN VDE 0100-551 für die Anforderungen an die Installation vor. Allerdings haben die Hersteller der Mini-PV-Anlagen bislang noch kein Projekt für eine Produktnorm gestartet, um die Anforderungen an die anzuschließenden steckerfertigen Mini-PV-Module festzulegen, teilte der VDE jetzt mit. „Ohne Auftrag der Produkthersteller sind uns die Hände gebunden“, sagt VDE-Normungsexperte Dr. Jens Gayko. Um den dadurch verursachten Innovationsstau zu lösen und die „Balkon-PV“ für den Kunden aus der Grauzone herauszuholen, ergreifen die Normungsexperten von VDE|DKE daher jetzt die Initiative und laden die Hersteller sowie das zuständige Normungs-Gremium „Photovoltaische Solarenergie-Systeme“ an den runden Tisch. Ziel ist es, gemeinsam konkrete Schritte zur Erarbeitung der fehlenden Produktnorm zu vereinbaren.

Workshop im November

Zur weiteren Beschleunigung des Normungsprozesses plant VDE|DKE für die kommenden Wochen weitere Aktivitäten mit Experten aus Industrie, Energiewirtschaft und Handwerk. So findet am 21. November 2016 in Frankfurt am Main ein Workshop statt. Ziel der Normungsoffensive ist es, so der VDE, die Anforderungen zu identifizieren, unter denen steckbare Mini-PV-Anlagen sicher betrieben werden können, um zunächst auf nationaler, dann auf europäischer und möglichst auch auf internationaler Ebene einheitliche Regelungen zu finden. „Wir wollen, dass die Mini-PV-Anlagen im Haushalt genauso wie ein Fernseher ohne technische Fachkenntnisse angesteckt werden können und das ohne Einschränkungen beim Thema Sicherheit“, sagt Gayko.

Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) begrüßt die Aktivitäten von VDE/DKE „Ein runder Tisch, der Hersteller und Normungsexperten zusammenbringt ist sinnvoll, denn in den Normungsgremien sind die Hersteller dieser Geräte ja bisher kaum vertreten“, sagt der Koordinator der AG Stecker-PV der DGS Berlin/Brandenburg Marcus Vietzke. Allerdings müsse der Runde Tisch schnell kommen. Vietzke: „Es darf dabei nicht nur um eine zukünftige Produktnorm gehen, sondern es müssen auch die Hürden auf den Tisch, die der bereits vorliegende Normentwurf für die Anforderungen an die Installation aufbaut.“ Die Einspruchsfrist für den Entwurf der DIN VDE 0100-551 endet im Dezember.

Diesen Entwurf kritisiert die DGS, da er, anders als die entsprechende europäische Norm, einen eigenen Einspeisestromkreis für die Geräte vorschreibe. „Dies stellt eine europaweit einzigartige Hürde für den einfachen Betrieb kleiner Solargeräte dar. Während europaweit an der Vereinfachung gearbeitet wird - die Niederlande, die Schweiz und Österreich haben bereits Bagatellgrenzen für den Einsatz im gemischten Haushalts-Stromkreis erlassen - stellt die DKE mit ihrem aktuellen Ergänzungsentwurf und einer irrationalen Risikowahrnehmung die Ampeln für Stecker-Solar-Geräte in Deutschland auf Rot“, heiß6t es in einer Erklärung der DGS.

„Wir freuen uns auf die Debatte mit den Normungsexperten der DKE und werden, wie schon in der Vergangenheit, mit Gutachten und Studien belegen, dass der Betrieb von Stecker-Solar-Geräten auch in Deutschland über den Schukostecker und die Haushaltssteckdose sicher möglich ist“, sagt Marcus Vietzke.

(red)