Deutschlands erste Photovoltaik-Großanlage wird saniert

Die Luftaufnahme zeigt das Hybridkraftwerk mit Stromspeicher auf der Nordseeinsel Pellworm. Die Anlage oben rechts erhält eine neue Unterkonstruktion aus Aluminium, während die oben links im Foto auf einer fast wartungsfreien Unterkonstruktion aus Tropenholz errichtet wurde. (Foto: HanseWerk AG)
Die Luftaufnahme zeigt das Hybridkraftwerk mit Stromspeicher auf der Nordseeinsel Pellworm. Die Anlage oben rechts erhält eine neue Unterkonstruktion aus Aluminium, während die oben links im Foto auf einer fast wartungsfreien Unterkonstruktion aus Tropenholz errichtet wurde. (Foto: HanseWerk AG)
25.08.2015

Vor 32 Jahren, im Jahr 1983, wurde auf der nordfriesischen Insel Pellworm die erste Photovoltaik-Großanlage Deutschlands mit einer damaligen Gesamtleistung von 300 kW errichtet. Mittlerweile ist ein ganzes Hybridkraftwerk inklusive Windenergie und Stromspeichern daraus geworden – dessen Photovoltaikanlagen nun saniert werden müssen.

Um sicherzugehen, dass die PV-Anlagen auf Pellworm weiterhin richtig funktionieren und dem salzig-feuchten Klima trotzen,  wird die MaxSolar GmbH diese prüfen, warten und teilweise sanieren. Der Auftrag dazu kam vom Betreiber und Pächter der Anlage, der HanseWerk Natur GmbH, die drei der vier PV-Anlagenteile mit einer Gesamtleistung von ungefähr 550 kW zur Sanierung ausgeschrieben hatte. Pellworm ist mit einer Fläche von sieben Kilometern Länge und sechs Kilometern Breite die drittgrößte der nordfriesischen Inseln. Insgesamt 1.200 Einwohner profitieren hier von einem der ersten Hybridkraftwerke Deutschlands.

Da das Wetter auf der Nordseeinsel erfahrungsgemäß zwischen Oktober und April sehr feucht und windig sein wird, möchte MaxSolar die Leistungs- und Funktionsprüfungen, sowie die Sanierungsarbeiten bis Ende September abgeschlossen haben. Ab Oktober 2015 soll die Anlage dann wieder ans Netz gehen.

Neben der Frage, ob Komponenten wie beispielsweise Module ausgetauscht werden müssen, geht es vor allem um die Sanierung der Unterkonstruktionen. Denn zwei der vier PV-Anlagen wurden auf Stahlunterkonstruktionen montiert, von denen eine durch die feuchte Luft und das salzige Meerwasser stark korrodiert ist. Sie wird gegen ein Aluminiumgestell ausgetauscht, während die zweite Stahlkonstruktion vom Rost befreit wird und einen neuen Schutzanstrich bekommt.

Tropische Unterkonstruktion überzeugt

Die dritte der zur Überprüfung ausgeschriebenen PV-Anlagen wurde in den 90er-Jahren zu Testzwecken auf einer Unterkonstruktion aus Tropenholz montiert. Sie wird nur technisch überprüft werden, denn obwohl die Tropenholz-Konstruktion die älteste unter den dreien ist, hat sie dem widrigen Wetter am besten standgehalten. Hintergrund des außergewöhnlichen Baustoffs ist, dass man in den 90ern davon ausging, zukünftig besonders in tropischen Regionen bzw. südlichen Ländern PV-Anlagen zu bauen, wo tropisches Holz günstig und leicht zu bekommen sei. Mit dem Einsatz auf Pellworm sollte geprüft werden, ob sich Tropenholz als Baustoff für Unterkonstruktionen eignet. Interessanterweise hat sich das Tropenholz nun sogar als wartungsfrei und somit robuster als die Stahlkonstruktionen erwiesen.

Das Wetter wird es auch erschweren, die Stahlkonstruktion neu zu streichen, da die Farbe nicht bei Nässe aufgebracht werden kann. Außerdem würden ein bewölkter Himmel und Regen die Leistungsmessung beeinflussen. Da das Inselchen nur unregelmäßig per Fähre zu erreichen ist, muss der Transport von Material und Geräten bzw. die Anreise der Techniker auch gut geplant sein.

32 Jahre Solargeschichte

„Wir freuen uns über den Zuschlag für die Sanierung dieses besonderen Photovoltaikstandortes und sind natürlich auch ein wenig stolz darauf“, gibt Franz Hauk, Geschäftsführer der MaxSolar GmbH zu. „Es ist eine besondere Herausforderung, die Photovoltaik des ältesten deutschen Großflächenstandortes zu sanieren. Pellworm ist mit seinen 32 Jahren Solargeschichte und den permanenten Innovationen ein Leuchtturmprojekt der Energiewende und ein wichtiger Teil der internationalen Photovoltaikgeschichte.“

Die erste Photovoltaikanlage wurde auf der Nordseeinsel schon 1983 installiert. Sie hatte eine Gesamtleistung von 300 Kilowatt. Im Jahr 1992 wurden neuere Module mit noch einmal 300 kW Leistung installiert, wodurch die Gesamtleistung der Photovoltaikanlagen auf Pellworm auf 600 kW anstieg. Im Jahr 1995 wurde der ältere Teil der PV-Anlage von 1983 stillgelegt, da ein Blitzeinschlag die Wechselrichter zerstört hatte. Die alten Solarzellen wurden schließlich 2004 recycelt und durch neue PV-Module ersetzt.

Seit zwei Jahren mit Batterie

Das Hybridkraftwerk auf der Insel Pellworm hat mittlerweile eine Leistungsfähigkeit von insgesamt 1.071 kW und besteht aus Photovoltaikanlagen mit  771 kW Gesamtleistung und einer 300-kW-Windenergieanlage. Die Bauarbeiten wurden 2006 abgeschlossen, seitdem ist das Hybridkraftwerk voll im Netzbetrieb. Seit 2013 ist das Hybridkraftwerk auch Teil eines Forschungsprojekts, für das eine Lithium-Ionen-Batterie mit 560 kWh Speicherkapazität und eine Redox-Flow-Batterie mit 1,6 MWh Speicherkapazität installiert wurden, um Stromerzeugung und -verbrauch zu harmonisieren.

Tanja Peschel