DIHK will keine Belastung des Eigenverbrauchs

11.02.2014

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will für den Eigenverbrauch erzeugten Strom an der EEG-Umlage beteiligen, mit Ausnahme des Eigenbedarfs von Kraftwerken. Gegen diesen Plan formiert sich Widerstand aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Während die PV-Branche um ihren Hoffnungsträger Eigenversorgung fürchtet, warnt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) dringend vor einer Belastung von Unternehmen, die einen Teil ihres Strombedarfs selbst erzeugen.

Vor einem Treffen des Ministers mit Industrieverbänden, energieintensiven Unternehmen und Gewerkschaften bringen Wirtschaftsvertreter geschätzte Mehrkosten für Unternehmen in Höhe von 500 Mio. € jährlich ins Spiel, sollte die Umlage tatsächlich auf den Eigenverbrauch erhoben werden. Dass im Gegenzug die umstrittene Ausgleichsregelung bei der EEG-Umlage nach Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) den Unternehmen eine Entlastung von 5,1 Mrd. € bringt, zählt aus Sicht des DIHK nicht. Denn nach dessen Schätzung sind mindestens 50.000 Unternehmen mit Eigenerzeugung von Gabriels Plan betroffen, während nach Bafa-Zahlen knapp 2.100 von der Ausgleichsregelung profitieren.

Somit träfe die Belastung der Eigenerzeugung unabhängig von der Erzeugungsart viel mehr Betriebe. Die Hälfte davon habe bereits in Anlagen investiert, betonte der DIHK-Präsident Eric Schweitzer gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Auf sie kommen deutlich höhere Kosten zu.“ Schweitzer sorgt sich auch um geplante Investitionen der Unternehmen in eigene Kraftwerkskapazitäten.  Nach Einschätzung des DIHK-Präsidenten stammen rund 70 % des eigenerzeugten Stroms aus Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbaren Energien. Er bezeichnete den Plan deshalb als „schlechte Nachricht für die Energiewende".

Ralf Ossenbrink

 

Kommentar

Gemeinsames Interesse

In der Debatte um den Eigenverbrauch ist Unterstützung aus Wirtschaftsverbänden nur zu begrüßen. Schließlich wollen und müssen PV-Unternehmen auch Gewerbebetriebe als Kunden gewinnen. Was es heißt, Investoren zu verunsichern, erleben sie gerade hautnah. Und man darf wohl vermuten, dass jede Form der Eigenerzeugung effizienter und „dezentraler“ ist als ein großes Kohlekraftwerk, das seine Abwärme nur entsorgen kann. Der Schutz des Modells Eigenerzeugung geht nicht nur die Erneuerbaren etwas an.

Ob konventionell oder regenerativ: Die Kosten der Eigenerzeugung werden gegen die Versorgung aus dem Netz gerechnet. Zur Kalkulation gehörte stets die Annahme, dass die für den Eigenbedarf erzeugten Mengen mit der EEG-Umlage nichts zu tun haben. Produktion und Verbrauch finden schließlich ohne Nutzung der Netzinfrastruktur statt, und der Reiz des Eigenverbrauchs von Solarstrom liegt ja gerade auch darin, die Förderung über das EEG und die Netze zu entlasten. Wer in eigener Regie Wärme erzeugt, muss bei seiner Investition jedenfalls keine ungeplanten Sonderabgaben fürchten.

Zugegeben: Wenn Solarstrom-Eigenverbraucher auf die Vergütung verzichten, tun sie das durchaus zum eigenen Vorteil. Es bringt einfach mehr. Dass sie – bei voller Beanspruchung der Versorgungssicherheit – mit ihrem verminderten Strombezug weniger zur Finanzierung des Netzbetriebs beitragen, müsste aber über den Grund- und Arbeitspreis ihres Stromversorgers zu regulieren sein. Ein Industriebetrieb mit eigenem Kraftwerk wird schließlich für Restmengen aus dem Netz auch andere Preise zahlen als ein benachbartes Unternehmen, das seinen gesamten Bedarf vom Stromversorger bezieht.

Ralf Ossenbrink