„Elektromobilität ist unser Wirtschaftlichkeitsbooster“

Mit dem Energiekonzept Backstube hat Bäckermeister Roland Schüren bereits 2010 den CO2-Ausstoss um 91 % reduziert und 50 % Energie eingespart. (Foto: privat)
Mit dem Energiekonzept Backstube hat Bäckermeister Roland Schüren bereits 2010 den CO2-Ausstoss um 91 % reduziert und 50 % Energie eingespart. (Foto: privat)
04.04.2016

In der aktuellen Ausgabe 4/2016 der SONNE WIND & WÄRME stellen wir das Energiekonzept der Handwerksbäckerei „Ihr Bäcker Schüren“ vor. Roland Schüren, Inhaber der Handwerksbäckerei berichtet hier im Interview über seine Erfahrungen mit Elektromobilität im Gewerbebetrieb und sein integriertes „Energiekonzept Backstube“.

SW&W: Herr Schüren, Sie setzen bei Ihrem Fuhrpark voll auf Elektromobilität. Das muss ganz schön ins Geld gehen …

Roland Schüren: Im Gegenteil: Elektromobilität ist ein richtiger Kostenkracher.

SW&W: Wie kommen Sie darauf?

Schüren: Wir haben auf der Kostenseite immense Vorteile, weil Ausgaben für Sprit – den Strom erzeugen wir ja größtenteils selber – und Wartung wegfallen.

SWW: Das klingt zu schön um wahr zu sein!?

Schüren: Ist aber Fakt. Moderne Elektroautos sind absolut wartungsfrei. Wenn Sie sich allein die Bremsen anschauen, die sind aufgrund der Rekuperation wie neu. Unsere drei e-Nissans standen im ersten Jahr nicht einmal in der Werkstatt. Auch die Batterien sind viel besser als ihr Ruf: Bei unserem e-Vito hatten sie nach vier Jahren und 80.000 km keine Kapazitätseinbußen, was selbst mich überrascht hat. Damit relativiert sich der hohe Anschaffungspreis.

SW&W: Wie rechnet sich das konkret?

Schüren: Wir sparen je nach Fahrleistung – bei uns zwischen 25.000 bis 50.000 km – bis zu 4.000 € allein an Spritkosten pro Jahr. Das sind in fünf Jahren 20.000 €. Damit sind die Mehrkosten eines E-Fahrzeugs locker wieder drin. Zudem haben wir tonnenweise CO2 vermieden. Das ist praktischer Klimaschutz.

SW&W: Stichwort Klimaschutz. Wie kamen Sie auf Ihr „Energiekonzept Backstube“?

Schüren: Wir stellen ein Naturprodukt her und möchten, dass die Umwelt intakt bleibt. Deshalb denken wir vom Feld bis zum Teller. Wir wollen möglichst CO2 -neutral arbeiten, möglichst wenig Energie verbrauchen. Begonnen haben wir 2009 mit der Umstellung unseres Kessels auf Biomasse statt fossiler Brennstoffe und der konsequenten Nutzung der Abwärme aus unseren Öfen. Die Ergebnisse waren enorm und haben uns ermutigt, noch mehr zu machen. Bei unserem großen Um- und Ausbau 2014 haben wir das Konzept um deutlich mehr PV und die Elektromobilität erweitert. Wegen der niedrigen Einspeisevergütung ist Elektromobilität der Wirtschaftlichkeitsbooster für PV-Anlagen.

SW&W: Was ist Ihr persönlicher „Booster“ beim Thema Energie? Sie machen ja unglaublich viel.

Schüren:  Es macht mir Spaß zu sehen, was allein in unserem Handwerk alles geht. Die Energiewende findet im Kleinen viel besser statt als im Großen.

SW&W: Die Energiewende stockt doch gerade!

Schüren: Ja, leider. Wenn man sie komplett dezentral organisieren würde, wären wir in zehn Jahren bei 100 % Erneuerbar. Das ist meine Überzeugung. Wir hätten dann allerdings ein anderes System der Stromverteilung, in dem die Geschäftsmodelle der vier großen Energiekonzerne nicht mehr funktionieren. Das neue Modell läge in Bürgerhand und bei den Stadtwerken vor Ort. Damit wären wir viele Probleme los. Auch die großen Überlandleitungen bräuchten wir nicht. Die Diskussion darüber wäre überflüssig.

Das Interview führte Reinhard Siekemeier.