Studie belegt: Fast ein Viertel aller Windenergieanlagen ist bedroht

Regionale Verteilung gefährdeter Windenergieanlagen
Regionale Verteilung gefährdeter Windenergieanlagen
13.10.2020

Bis zum Jahr 2025 benötigen 23 % aller deutschen Windenergieanlagen eine neue Vermarktungsform für den erzeugten Strom, anderenfalls müssen sie stillgelegt werden. Für diese Altanlagen läuft die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz aus. Gleichzeitig verhindern regionale Abstandsregelungen, dass sie durch leistungsfähigere, aber auch höhere Turbinen ersetzt werden. Das belegt eine neue Studie, die das Analyseunternehmen Nefino im Auftrag des Schweizer Stromproduzenten und Energiedienstleisters Alpiq erstellt hat.

Eine Alternative zur Abschaltung von Altanlagen bieten langfristige Stromlieferverträge zwischen Anlagenbetreibern und Unternehmen, wie sie Alpiq bereits in anderen Ländern realisiert. Mit ihnen können bedrohte Windenergieanlagen in vielen Fällen förderfrei und wirtschaftlich weiter betrieben werden. Gleichzeitig können stromverbrauchende Unternehmen mit Hilfe derartiger Power Purchase Agreements (PPAs) ihre Stromkosten stabil halten oder senken und den Ausbau Erneuerbarer Energien unterstützen.

»Die Folgen der Abstandsregelungen sind von Region zu Region sehr unterschiedlich. Nördliche Bundesländer, in denen die Windenergie frühzeitig ausgebaut wurde, sind stärker vom Ende der EEG-Förderung betroffen als der Süden Deutschlands«, sagt Nefino-Mitgründer und Prokurist Jan-Hendrik Piel. Laut der neuen Studie sind mehr als 8700 Anlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt rd. 10400MW von der EEG-Befristung sowie Abstandsregelungen betroffen. Ihre Stand-orte sind höchst unterschiedlich verteilt: Insgesamt 52% befinden sich allein in den vier nördlichen Bundesländern Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Für die Studie hat das Analyseunternehmen Nefino mit einem auf Geoinformationen basierenden Analysesystem die Abstände aller betroffenen Windenergie-Standorte zum nächstgelegenen Siedlungs-, Gewerbe- oder Naturschutzgebiet sowie anderen relevanten Bauwerken ermittelt. Berücksichtigt wurden mehr als 12000 Anlagen, für die bis Ende 2025 die EEG-Förderung entfällt. Für die weiteren Berechnungen legte Nefino eine moderne Turbine mit einer Nabenhöhe von 120m zugrunde. Anschließend wurde für jede Anlage anhand der regionalen Abstandsregelungen ermittelt, ob ein Repowering möglich ist.