Schmelzender Gletscher bricht Geschwindigkeitsrekord

Eisberge in einem grönländischen Fjord (Foto: dpa).
Eisberge in einem grönländischen Fjord (Foto: dpa).
10.02.2014

Der grönländische Gletscher Jakobshavn Isbræ gehört zur Prominenz unter den Eisgiganten. Nicht nur, dass von ihm wahrscheinlich der Eisberg stammte, der 1912 die Titanic versenkte, der Gletscher hat nun auch einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt.

Auch wenn der Gletscher nicht an Beobachtern vorbeirast, mit einer Fluss- bzw. Schmelzgeschwindigkeit von 7 km/Jahr galt Jakobshavn Isbræ bereits 1990 als der dauerhaft schnellst Eisstrom der Welt. Im Sommer 2012 brach der Gletscher seine eigenen Rekorde und alle bisher in Grönland oder der Antarktis gemessenen Geschwindigkeiten und hat mit fast 17 km pro Jahr -also ganzen 46 m pro Tag!- sein Tempo seitdem mehr als verdoppelt. „Im Sommer, wenn das Eis besonders schnell fließt, beobachteten wir sogar viermal höhere Geschwindigkeiten als in den 1990ern", berichten Joughin von der University of Washington und seine Kollegen, die den Gletscherschwund untersuchen. Diese Beschleunigung sei eine Folge seines Rückzugs im Rahmen der Klimaerwärmung.

Gletscher auf dem Rückzug

Der Gletscher ist für Forscher schon lange von Interesse, um die Auswirkungen des Klimawandels zu dokumentieren. Allein in den letzten 100 Jahren ist der Jakobshavn Isbræ nicht nur schneller geworden, er ist in der Länge auch um 40 km geschrumpft. Außerdem zieht sich der Gletscher immer weiter ins Inland zurück: 2012 lag die Gletscherzunge mehr als einen Kilometer weiter im Inland als zuvor. Dadurch hat sich auch die Kalbungszone verschoben, also der Teil des Gletschers, aus dem Eisberge herausbrechen, die dann im Meer treiben.

Der Jakobshavn Isbræ befindet sich den Forschern zufolge momentan in einem instabilen Zustand. Wahrscheinlich wird er sich noch deutlich weiter ins Inland zurückziehen. Außerdem könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts weitere 50 km kürzer werden. All das tauende Eis hat aber auch andere Auswirkungen: einen steigenden Meeresspiegel. „Wir wissen, dass der Jakobshavn Isbræ zwischen 2000 und 2010 für eine Erhöhung des Meeresspiegels um einen Millimeter gesorgt hat. In den nächsten zehn Jahren wird es durch die Beschleunigung noch ein bisschen mehr sein", sagt Joughin.

Klimawandel wie weggeweht

Falls die schmelzenden Gletscher immer noch nicht Beweis genug für eine Erderwärmung sind, so haben Forscher um Matthew England von der University of New South Wales nun eine neue Studie herausgegeben, die Klimawandel-Skeptikern den Wind aus den Segeln nehmen soll. Im Moment steigt die globale Oberflächentemperatur nicht mehr so rasant an, wie noch vor einem Jahrzehnt, weswegen man meinen könnte, der Klimawandel sei gestoppt. Doch diese „Pause“ erklären die Forscher damit, dass sich die Passatwinde seit den 1990er Jahren deutlich verstärkt haben.

Die Passatwinde verstärken bestehende Strömungen, mit denen kaltes Wasser aus tieferen Meeresregionen an die Oberfläche fließt und warmes Wasser absinkt. Dadurch bleiben die Temperaturen an der Wasseroberfläche verhältnismäßig niedrig und das Wasser in Tiefen unter 125 m erwärmt sich. Dieser Effekt wird durch Messungen von Satelliten und Tiefseebojen belegt und auf ihn wies bereits der letzte Weltklimabericht des IPCC hin. Berechnungen der Forscher zufolge wird dieser Effekt allerdings höchstens noch bis 2020 anhalten. Danach wird die Oberflächentemperatur voraussichtlich wieder wesentlich schneller ansteigen. Damit dürfte der Jakobshavn Isbræ dann noch schneller werden.

Tanja Peschel