Sanieren gegen die Abhängigkeit von russischen Gasimporten

Ein Arbeiter bringt eine Styroporplatte zur Wärmedämmung an einer Hausfassade an (Foto:dpa).
Ein Arbeiter bringt eine Styroporplatte zur Wärmedämmung an einer Hausfassade an (Foto:dpa).
17.04.2014

In nur zehn Jahren könnte Deutschland seine Abhängigkeit von russischen Gasimporten um die Hälfte reduzieren – und das allein mithilfe von Effizienzmaßnahmen in Industrie und Gebäuden. So lautet das Ergebnis einer neue Studie, die das Beratungsunternehmen Ecofys im Auftrag der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. (DENEFF) durchgeführt hat.

Im Gegensatz zu anderen Energieträgern wie Erdöl, lässt sich bei Gas im Falle einer Verknappung oder eines Boykotts nicht kurzfristig der Anbieter wechseln, da für die Gaslieferung eine entsprechende Infrastruktur vorhanden sein muss. Zurzeit bezieht Deutschland 31 % der jährlich benötigten Gasmenge aus Russland. Das entspricht ungefähr 259 TWh pro Jahr.

In der Kurzstudie betont Ecofys, dass zur Reduzierung der Abhängigkeit von Russland der Fokus ganz klar auf die Verringerung des Energie- bzw. Gasbedarfs gelegt werden sollte und nicht auf die Beschaffung neuer Importmöglichkeiten. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der Wärmesektor der Hauptansatzpunkt ist, um den Gasverbrauch in Deutschland zu reduzieren. Im gesamten Gebäudebestand werden pro Jahr etwa 342 TWh Energie aus Gas zur Heizung und für die Warmwasserbereitung eingesetzt. Zwei Drittel davon entfallen auf Wohngebäude. Um hier den Wärmeverbrauch signifikant zu senken, müsste man die Sanierungsrate von 1 % auf 2 % verdoppeln. In den nächsten 10 Jahren müssten dazu insgesamt 20 % des Gebäudebestands durch Sanierungen oder Teilsanierungen auf einen guten Neubaustandard gebracht werden. Dadurch ließen sich pro Jahr rund 84 TWh Gas einsparen.

Den zweiten Ansatzpunkt stellen Industrieprozesse dar. Die möglichen Einsparungen durch Effizienzmaßnahmen wie Wärmerückgewinnung, optimierte Prozessführungen oder den Einsatz effizienterer Querschnittstechnologien (z.B. Öfen oder Dampferzeuger) schätzt Ecofys hier auf rund 51 TWh. Werden all diese Maßnahmen umgesetzt, ließen sich also insgesamt 135 TWh pro Jahr einsparen, was ungefähr der Hälfte der russischen Gasimporte entspricht.  

Carsten Petersdorff, Regional Director von Ecofys fasst zusammen: „Innerhalb von nur zehn Jahren könnte die Abhängigkeit von russischem Gas halbiert werden – alleine durch Energieeffizienzmaßnahmen im Wärmebereich. Dazu sind aber deutlichere Anstrengungen zur Hebung von Effizienzpotentialen in Unternehmen und Gebäuden notwendig. Der Druck zu handeln wird allein schon aufgrund natürlicher Verknappung bei anderen wichtigen Erdgaslieferanten wie den Niederlanden und Norwegen stetig steigen.“

Carsten Müller, Vorstandsvorsitzender der DENEFF: „Einsparung von Energie ist das sicherste, umweltfreundlichste und unabhängigste Mittel, um die Gasabhängigkeit zu reduzieren. Die angekündigte Neubewertung der Energiepolitik muss daher einen zuverlässigen und ambitionierten nationalen Aktionsplan Energieeffizienz als erstes Ergebnis haben. Erst dann kann sinnvoll über die Deckung des Restbedarfs aus nachhaltigen Alternativen nachgedacht werden.“

Zum Pdf der Kurzstudie

Tanja Peschel