Kongress 100% Erneuerbare Energie Regionen eröffnet

Zum 5. Mal treffen sich in Kassel rund 700 Vertreter von Kommunen, Landkreisen Unternehmen und Akteuren auf dem Feld der Erneuerbaren Energien. Noch bis Mittwochnachmittag werden auf dem Kongress unter dem Motto „Aus der Praxis für die Praxis“ Erfolgsfaktoren und Good-Practice-Beispiele regionaler Energiepolitik präsentiert sowie in zwei Dutzend parallelen Fachforen anwendungsbezogene Themen diskutiert. „Kommunen und Regionen sind Motor der Energiewende“ betonte Martin Hoppe-Kilpper vom Kasseler Institut dezentrale Energietechnologien (IdE), das den Kongress zusammen mit der Berliner Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) veranstaltet.

Wie geht es mit den Erneuerbaren und der Energiewende weiter? Diese Frage steht zwei Tage nach der Bundestagswahl naturgemäß im Mittelpunkt vieler Diskussionen. Der Einspeisevorrang und eine Mindestvergütung seien die zwei wichtigsten Prinzipien des EEG, damit die Bürger die Energiewende vor Ort tragen könnten, so Hoppe-Kilpper.

Dies unterstrich auch Harry Lehmann, Chef des Umweltbundesamts, in seinem Grußwort: „Nur mit einer Einspeisevergütung seien die Erneuerbaren „bankable“, erhalten die vielen privaten Investoren in eine dezentrale Energiewende Kredite.“ Nach dem Mengenwachstum der ersten EEG-Phase müssten die Erneuerbaren jetzt aber auch Netzdienstleistungen erbringen, forderte Lehmann. Das EEG biete den Instrumentenkasten, um diese angemessen zu vergüten. Strom sei aber nur ein Teil der Energiewende. Die „Solarisierung“ des Wärme- und des Mobilitätssektors seien ebenso wichtig.

Dazu gab Thorsten Ebert; Vorstands-Chef der Städtische Werke AG Kassel und Sprecher der StadtwerkeUnion Nordhessen (SUN), Zahlen aus einer aktuellen Studie bekannt, die SUN mit IdE und dem Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) erstellt haben. Während Strom in Nordhessen bereits zu 25% aus erneuerbaren Quellen stammt und dieser Anteil bis 2025 auf 80% steigen soll, sind es im Wärmemarkt nur 10 Prozent, die auf 17% zulegen sollen.

Auch bei der regionalen Selbstversorgung ist in Nordhessen der Strom vorne: 157% ermittelte die Studie als Potenzial, bei der Wärme sind es zwar auch immerhin 104% - aber nur wenn die Hälfte der jetzt benötigten Energie über Effizienzmaßnahmen eingespart wird.

„83% der Wärme wird dezentral erzeugt – dezentraler geht es gar nicht“, so Ebert. Bei einer Heizungsaustauschrate von 3% sei der Weg zu 100% Erneuerbaren hier aber zu lang. Intelligente Fördermaßnahmen müssten mehr Anreize schaffen, „die Menschen im Wärmemarkt mitzunehmen.“

Reinhard Siekemeier