Internationale Energieagentur fordert CO2-Besteuerung

Diskussionsrunde von links: Moderator Carsten Rolle, Weltenergierat, Michael Schmidt, BP, Timur Gül, IEA, Sabine Nallinger, Stiftung 2˚, Oliver Geden, Stiftung Wissenschaft und Politik (Foto: H.C. Neidlein)
Diskussionsrunde von links: Moderator Carsten Rolle, Weltenergierat, Michael Schmidt, BP, Timur Gül, IEA, Sabine Nallinger, Stiftung 2˚, Oliver Geden, Stiftung Wissenschaft und Politik (Foto: H.-C. Neidlein)
11.11.2015

Die Internationale Energieagentur hält die niedrigen Ölpreise für schädlich - auch für die Wirtschaft. Um Chancengleichheit für erneuerbare Energien herzustellen fordert die IEA den Abbau der fossilen Subventionen sowie eine CO2-Besteuerung. Sie warnte heute in Berlin bei der Vorstellung des World Energy Outlook 2015 vor zu niedrigen Ölpreisen und forderte die Regierungen im Vorfeld des Pariser Klimagipfels zum Gegensteuern auf.

Eine Lanze für einen verstärkten Klimaschutz und Anreize für Energieeffizienz bricht die Internationale Energieagentur (IEA). „Wir brauchen eine weiteren Abbau von Subventionen für fossile Energien sowie eine CO2-Besteuerung“, unterstrich der IEA-Direktor Fatih Birol heute in Berlin bei der Präsentation des World Energy Outlook 2015. Zwar seien die weltweiten Subventionen für fossile Energien mit rund 500 Milliarden US-Dollar erstmals leicht zurückgegangen, doch dies sei immer noch Gift für einen nötigen stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien sowie Energieeffizienz. Doch trotz der noch nicht stimmigen Rahmenbedingungen sei die Dynamik beim Ausbau der erneuerbaren Energien „historisch“, unterstrich Birol. So machten die erneuerbaren Energien im vergangenen Jahr fast die Hälfe der weltweiten Erzeugungskapazität aus und die meisten Investitionen fänden mittlerweile in diesem Bereich statt. Der Umfang von staatlichen Effizienzverordnungen habe sich auf mehr als ein Viertel des globalen Verbrauchs ausgedehnt. Bis 2040 rechnet die IEA damit, dass die regenerativen Energien 60 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs decken werden. Das stärkste Wachstum wird für Photovoltaik und Windkraft prognostiziert. Als positiven Trend sieht die IEA die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch in vielen Industrieländern – und neuerdings auch in China.

Eine Herausforderung seien jedoch die nach wie vor niedrigen Preise für fossile Energien. Birol warnte davor, den derzeit niedrigen Ölpreis als positiven Stimulus für die Wirtschaft und die Verbraucher zu sehen. „Dies ist zu kurzfristig gedacht“, so der IEA-Chef. Denn dies verstärke die Abhängigkeit von wenigen Förderländern, hemme Effizienzbemühungen und schwäche das Innovationspotential für einen nötigen Umstieg auf eine CO2-arme Wirtschaft. Zwar rechnet die IEA mit einem ansteigenden Ölpreis auf rund 80 $/Barrel bis 2020, doch appellierte Birol an die IEA-Mitgliedsstaaten dies durch eine Politik zu unterstützen, die Effizienz fördert. Eine Herausforderung sieht er vor allem in einer klimaschonenden Umstellung der Energieversorgung in Indien und Südostasien, wo derzeit das Hauptwachstum von Kohle und auch Gas stattfindet.

In der anschließenden Podiumsdiskussion unterstrich Sabine Nallinger, Vorstand der Stiftung 2˚, wie wichtig es ist die Unternehmen und die Bevölkerung für mehr Klimaschutz mitzunehmen und bereits beschlossene Klimaschutzziele auch in Deutschland umzusetzen. „Hiermit sollten wir direkt nach dem Klimagipfel in Paris ernst machen“, so Nallinger. Es gehe auch darum, verstärkt den Verkehrssektor und die gesamte Wertschöpfungskette in den Fokus zu nehmen.

Hans-Christoph Neidlein