Enerstorage kritisiert geplante Power-to-Heat-Förderung

Enerstorage ist Spezialist für Power-to-Heat-Anlagen in der Industrie. (Foto: Enerstorage)
Enerstorage ist Spezialist für Power-to-Heat-Anlagen in der Industrie. (Foto: Enerstorage)
22.07.2016

Durch das neue EEG soll die Wärmeerzeugung mittels Power-to-Heat gefördert werden. Die Details der Neuregelung stellen jedoch keineswegs sicher, dass damit die wirtschaftlichsten Anlagen gefördert werden, kritisiert der Power-to-Heat-Spezialist Enerstorage.

Überschussstrom soll zukünftig noch stärker als bisher durch Power-to-Heat für die Wärmeversorgung genutzt werden. So wurde es im Rahmen der EEG-Novelle beschlossen. Denn ab 2017 werden durch den neuen Paragraphen 13.6a im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) Power-to-Heat-Anlagen in Höhe von insgesamt 2.000 MW gefördert. „Mit der Vergütungssystematik zur Power-to-Heat-Förderung ist jedoch nicht sichergestellt, dass die wirkungsvollsten und ökonomischsten Anlagen entstehen“, sagt Geschäftsführer Philip Mayrhofer von Enerstorage, einem Pionier für Power-to-Heat-Systeme in der Industrie.

Eher kleinere Antragssteller und großer Aufwand bei der Genehmigung

Weil die meisten Standorte bei großen kommunalen Wärmenetzen bereits Power-to-Heat nutzten, ist zu erwarten, dass vor allem kommunalen Betreiber für viele kleine Anlagen bis zu 5 MW bei städtischen Wärmenetzen und Schwimmbädern Förderanträge stellen werden. Weil diese wegen der Förderkriterien ausschließlich im Netzausbaugebiet liegen dürften, käme auf den regionalen Netzbetreiber Tennet ein gewaltiger Aufwand zu, um die technische Eignung der Standorte und eine angemessene Kostenerstattung zu prüfen.

Das Interesse von Industrieunternehmen, einen Förderantrag zu stellen, wird hingegen gering sein. Schuld seien die Vergütungssystematik der Kostenerstattung sowie die fünfjährige Bindung nicht nur der Power-to-Heat-Anlage, sondern auch der komplementären KWK-Anlage. Dabei könnten industrielle Wärmenetze, die oftmals pro Standort einen ganzjährigen Wärmebedarf von über 100 MW haben und entsprechend große Anlagen realisieren könnten, schnell und kostengünstig erschlossen werden.

„Prüfungs- und Entscheidungsprozesse sind hier in der Regel konzentrierter und damit schneller als bei kommunalen Betrieben. Auch können die Kosten deutlich gesenkt werden, weil beim Bau größerer Anlagen Skaleneffekte realisiert werden“, so Mayrhofer. „Zwar sind die Netzbetreiber angehalten, bei gleicher Eignung die günstigsten Standorte vertraglich zu binden, doch aufgrund falscher Anreize in der Vergütung, werden die am besten geeigneten und günstigsten Standorte vermutlich gar nicht zur Wahl stehen. Damit droht die geplante Sektorkopplung in die Förderfalle sowie in Bürokratismus und Kostenexplosion zu laufen.“

Verzehnfachung industrieller Power-to-Heat-Kapazitäten bis 2020 möglich

Schon heute stellen große Power-to-Heat-Anlagen über 5 MW in Deutschland insgesamt rund 500 MW Leistung. Etwa ein Viertel davon entfällt auf die Industrie, die ihre Flexibilitäten meist am Regelenergiemarkt nutzt. Enerstorage hat davon nach eigenen Angaben 37 % realisiert. Das Unternehmen geht davon aus, dass die installierte Leistung großer Power-to-Heat-Anlagen in der Industrie bis 2020 verzehnfacht werden könnte. Das sei dann realistisch, wenn Power-to-Heat-Anlagen in Zukunft nicht nur im Regelenergiemarkt, sondern auch als zuschaltbare Last vermarktet werden.

Dazu müssten jedoch die rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst werden. Es geht um die Einführung dynamischer Stromnebenkosten und eines wettbewerblichen Ausschreibungsmechanismus, vergleichbar zu dem im Markt der Regelleistung und der abschaltbaren Lasten. Aktuell decken energieintensive Unternehmen aufgrund der hohen Stromnebenkosten nur einen Bruchteil ihres Energiebedarfs mittels Überschussstrom.

Jens-Peter Meyer