Energiewende: Verbraucher wollen beteiligt werden

Die Verbraucher sind enttäuscht von Sigmar Gabriels EEG-Novelle. (Foto: dpa)
Die Verbraucher sind enttäuscht von Sigmar Gabriels EEG-Novelle. (Foto: dpa)
09.07.2014

Eine im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) durchgeführte Meinungsumfrage kommt zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der Verbraucher daran zweifelt, dass die Bundesregierung die Energiewende erfolgreich und bezahlbar umsetzen wird.

Im Juni befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1.015 Personen zur Energiewende. Ganze 73 % der Befragten antworteten, dass sie nicht glauben, es könnte der großen Koalition gelingen, die Energiewende erfolgreich umzusetzen und gleichzeitig die Strom- und Energiekosten bezahlbar zu halten. Im Dezember 2013 zweifelten „nur“ 59 % der 1.001 damals Befragten daran, während 39 % der Befragten an den Erfolg der großen Koalition bei der Energiewende glaubten. Aktuell tun das nur noch 25 %. Aus diesem Grund fordert der vzbv eine stärkere Beteiligung der Verbraucher an der Energiewende. Leider passiert im Moment genau das Gegenteil und die Energiegenossenschaften stoppen ihre Investitionen.

Das stark gesunkene Vertrauen in die Regierung lässt sich vermutlich durch die Enttäuschung über die EEG-Novelle erklären. Marion Jungbluth, Teamleiterin Energie und Mobilität beim vzbv  erläutert: „Das Ziel einer spürbaren Entlastung der Verbraucherinnen und Verbraucher wird mit der EEG-Reform verfehlt. Das quittieren sie mit deutlicher Skepsis.“

Bei der Befreiung energieintensiver Betriebe von der EEG-Umlage wünscht sich der größte Teil der Befragten, dass weniger Betriebe befreit werden (52 %) und fast ein Drittel (29 %) möchte sogar, dass gar keine Betriebe mehr befreit werden. Insgesamt sprechen sich also 81 % gegen großzügige Befreiungen der Industrie aus und nur 14 % sind mit der bisherigen Befreiungslage zufrieden.

Bei der Zahlung von Abgaben auf selbst verbrauchten Strom, sind die Meinungen ähnlich eindeutig. Nur 38 % halten die Abgabe auf Eigenverbrauch für Unternehmen und Privathaushalte für richtig, 57 % halten diese Maßnahme  hingegen für falsch. Auch der vzbv hält die Abgabe auf Eigenverbrauch für den falschen Weg. „Die Regelung entlastet die Allgemeinheit nur minimal, bremst aber gleichzeitig eine Energiewende von unten aus. Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich aktiv an der Energiewende beteiligen wollen, dürfen nicht mit Abgaben bestraft werden“, so Jungbluth.

Die größte Übereinstimmung findet sich aber im Verkehrssektor. Die wenigsten Befragten möchten in Zukunft mehr für ihre Tickets im Nahverkehr zahlen, deswegen befürworten nur 31 % die stärkere Beteiligung des Nahverkehrs an den Kosten für die Energiewende – fast zwei Drittel (65 %) der Befragten sprechen sich gegen eine höhere Beteiligung des öffentlichen Nahverkehrs aus.

Download der Umfrage-Ergebnisse als pdf

Tanja Peschel