Eisschmelze in Westantarktis nicht mehr aufzuhalten

Der Thwaites Gletscher schmilzt und gefährdet damit noch größere Teile der westlichen Antarktis (Foto: NASA)
Der Thwaites Gletscher schmilzt und gefährdet damit noch größere Teile der westlichen Antarktis (Foto: NASA)
31.10.2014

Zwei aktuelle Studien legen nah, dass die Schmelze riesiger Gletscher in der Westantarktis infolge des Klimawandels wohl nicht mehr aufzuhalten ist, der Meeresspiegel wird unweigerlich steigen. Bremerhaven oder der Süden Hamburgs werden das zu spüren bekommen.

Konkret haben die Studien diverse Gletscher in der Westlichen Antarktis mithilfe von Sateliten-Radaruntersuchungen und mithilfe von Computersimulationen untersucht. Beide Methoden kommen zum selben Ergebnis. Die Schmelze wichtiger Teile des westarktischen Eisschildes sei nicht mehr umkehrbar, sie habe einen “Point of no return“ erreicht, wie es die NASA formuliert. Der Effekt wird nicht über Nacht spürbar sein, nach Angaben der NASA wird sich die Schmelze der von ihnen beobachteten Gletscher wohl eher im Zeitraum von Jahrhunderten abspielen.

Gletscherschmelze nicht aufzuhalten

Eine Entwarnung ist der lange Zeitraum aber nicht. Denn egal welche Anstrengungen beim Klimaschutz nun noch gemacht werden, viele Küstenstätte und Inseln werden unsere Nachkommen vermutlich nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen. In Europa sind etwa die Niederlande und Norddeutschland am stärksten betroffen.

Selbst ein Anstieg von nur einem Meter würde große Bereiche Ostfrieslands und Schleswig Holsteins dauerhaft überfluten. Allein die Gletscher der NASA-Untersuchung halten aber schon genug Eis, um den Meeresspiegel um 1,2 Meter steigen zu lassen. Zudem fungiert der von der Schmelze betroffene Thwaites Gletscher nach Angaben von Forschern der Universität Washington als eine Art Korken. Verschwindet er, würden vermutlich noch größere Teile der Westarktis von der rapiden Schmelze betroffen werden. Damit sei sogar ein Anstieg des Meeresspiegels um über 10 Meter möglich.

Warmes Wasser umspült Gletscher

Der „Point of no return“ wurde deshalb erreicht, da die zunehmende Eisschmelze die westantarktisschen Gletscher inzwischen so weit ausgedünnt hat, dass ihr Gewicht so weit gesunken ist, dass sie nicht mehr auf festem Grund aufliegen. Stattdessen werden sie nun auf der Unterseite von warmen Wasser umspült, das sich immer weiter landeinwärts frisst und den Effekt damit weiter verstärkt.

Jan Gesthuizen