Neben Batterien auch Brennstoffzellen: VDI und VDE fordern Gleichberechtigung

Präsentierten die Studie in München (v. l.): Martin Pokojski, Vorsitzender des VDI/VDE-Fachausschusses »Wasserstoff und Brennstoffzellen«, Prof. Dr. Angelika Heinzel, Geschäftsführerin des ZBT und Co-Autor Dr. Andreas Schamel (Bild: Nallinger)
Präsentierten die Studie in München (v. l.): Martin Pokojski, Vorsitzender des VDI/VDE-Fachausschusses »Wasserstoff und Brennstoffzellen«, Prof. Dr. Angelika Heinzel, Geschäftsführerin des ZBT und Co-Autor Dr. Andreas Schamel (Bild: Nallinger)
11.07.2019

Mit der Studie »Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge« bringen sich die Verbände VDI und VDE in die Diskussion um die zukünftige Mobilität ein. Beiden Organisationen sind die momentanen Debatten zu einseitig auf Batteriefahrzeuge ausgerichtet.

»Wir sollten uns hüten, einer Technologie -vorzeitig das Wort zu reden«, sagte Martin Pokojski, Vorsitzender des VDI/VDE-Fach-ausschusses »Wasserstoff und Brennstoffzellen« bei der Vorstellung der Studie Anfang Juni in München. Sein Appell an Politik und Wirtschaft lautet deshalb, auf beide Systeme zu setzen. Die 50 Seiten umfassende Studie tritt lt. Pokojski den Nachweis an, dass brennstoffzellenbasierte Elektromobilität nicht nur einen bedeutsamen Schritt zur Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen leistet, sondern auch weitaus einfacher umzusetzen ist. Zu den Pluspunkten von Brennstoffzellenfahrzeugen (FCEV) gegenüber Batteriefahrzeugen (BEV) zählen die Studienautoren neben der größeren Reichweite auch schnellere Tankvorgänge. Als weiteren Vorteil nennt Co-Autor Dr. Andreas Schamel eine leichtere Umsetzung, indem man vorhandene Strukturen, wie Tankstellen nutzt und entsprechend erweitert. Vor allem bei höherer Marktdurchdringung könne eine Mischung beider Systeme ein Kostenoptimum ergeben. Anfangs seien jedoch die Infrastruktur-investitionen bei BEV geringer. Dies wird ebenso auf der Positivseite bei BEV erwähnt, wie die um den Faktor 2 höhere Effizienz gegenüber FCEV.

Beschaffung von Wasserstoff ist unkritisch

Die Beschaffung von Wasserstoff sehen die Autoren wiederum angesichts der Entwicklung zum globalen Wirtschaftsgut als unkritisch. Durch den Bezug aus Ländern mit geringeren Stromkosten lasse sich der Beschaffungsaufwand zudem weiter verringern. Prof. Dr. Angelika Heinzel weist auf die Notwendigkeit des Einsatzes von regenerativ erzeugtem Strom hin, und das sowohl bei der Batterie- als auch der Wasserstoffproduktion. Angesichts des Flächenbedarfs ist für die Geschäftsführerin des Zentrums für Brennstoffzellen Technik klar, dass Deutschland nicht energieautark sein wird. Deshalb laute die Frage, welche Stoffe man importiert.

Beim Thema Rohstoffe reduziert eine stärkere Diversifizierung das Risiko von Verknappungen. Auch hier schlägt das Pendel in Richtung FCEV aus. Während bei BEV heute Lithium, Kobalt und Nickel als kritische Rohstoffe zum Einsatz kommen, ist es bei FCEV vor allem Platin. Hier konnte der Einsatz etwa um den Faktor 10 reduziert werden. Die Platinmenge in FCEV liegt heute im Bereich derjenigen in einem Dieselkatalysator. Neben den Aspekten Infrastruktur, Rohstoffe und Kosten geht die Studie auch auf sozioökonomische Faktoren ein. Da bei FCEV Komponenten von Verbrennungsmotoren einsetzbar sind, seien positive Effekte auf Arbeitsplätze zu erwarten. Zudem sehen die Autoren deutlich ausgeprägtere Potenziale hinsichtlich der Kostenreduktion, da die Serienfertigung gegenüber BEV deutlich geringer fortgeschritten ist.

VDI und VDE geben der Politik einige Empfehlungen mit auf den Weg. Die Bundesregierung müsse schnellstens gleichermaßen für BEV- und FCEV Anreizsysteme schaffen und Infrastrukturen aufbauen. So sollten die bis Ende 2023 geplanten 400 H2-Tanstellen gebaut und die Genehmigungsprozesse standardisiert werden. Zudem mahnen sie geeignete Rahmenbedingungen eines zeitnahen Aufbaus von Produktionseinrichtungen für Brennstoffzellen und Batterien an.

Michael Nallinger