Ladesäulenverordnung II: E-Mobil-Laden ohne Vertrag

Bundesregierung will betreiberübergreifendes Laden von E-Mobilen durchsetzen. (Foto: Hubject)
Bundesregierung will betreiberübergreifendes Laden von E-Mobilen durchsetzen. (Foto: Hubject)
18.08.2016

Die Bundesregierung plant über eine Ergänzung zur Ladesäulenverordnung, dass E-Mobil-Fahrer künftig deutschlandweit jede Ladestation im öffentlichen Raum nutzen können, auch ohne einen Abnahmevertrag mit dem Betreiber der Ladesäule abgeschlossen zu haben.

Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es, dass Fahrer von E-Mobilen sich künftig an jeder öffentlichen Ladesäule digital authentifizieren und anschließend den Ladestrom mittels Smartphone, über eine Website oder gängige Zahlungsmittel wie Kreditkarten und PayPal bezahlen können. Sie sollen sich dazu in keiner Weise mehr an den Betreiber der Ladesäule binden müssen.

Nach der aktuellen Rechtslage können Betreiber von Ladesäulen eine Stromabgabe an Fahrer verweigern, die keinen Abnahmevertrag mit ihnen abgeschlossen haben. Diese Regelung schränkt die Verfügbarkeit von Ladestationen ein, erschwert eine großräumige Nutzung von E-Mobilen und bremst deren schnellere Verbreitung aus. Daher will die Bundesregierung hier Abhilfe schaffen.

"Mit den geplanten Ergänzungen zur Ladesäulenverordnung stellt die Politik weitere Weichen für die Zukunft des Gesamtsystems Elektromobilität. Erfreulich ist: Fahrer von Elektrofahrzeugen können ihr Fahrzeug künftig an allen öffentlichen Ladestationen laden, ohne dass ein dauerhaftes Vertragsverhältnis mit den jeweiligen Stromlieferanten oder Ladestellenbetreibern erforderlich ist. Dies ist insbesondere für ein spontanes Nachladen des Fahrzeugs außerhalb des Geschäftsgebietes des Stammversorgers wichtig", sagte Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung heute anlässlich der Anhörung zur Ergänzung der Ladesäulenverordnung.

Ladesäulenverordnung ermöglicht "eRoaming"

Die Ladesäulenverordnung II ist nach Pressemeldungen gegenwärtig in der Ressortabstimmung und könnte bereits im November dem Bundesrat vorgelegt werden. Bisher richtet sich die Verordnung allerdings ausschließlich an Energieunternehmen als Betreiber von Ladestationen. Die Vorgaben sollten aus Sicht des BDWE für alle Marktakteure im Bereich Elektromobilität und deren Geschäftsmodelle gleichermaßen gelten. Auch genießen bestehende Ladesäulen Bestandsschutz und werden von der Verordnung ausgenommen.

Erste Anbieter des „eRoaming“ sind bereits auf dem Markt mit europaweiten Angeboten. „Die Ergänzung der Ladesäulenverordnung setzt durch den digitalen Zugang zu Ladestationen ein klares Zeichen für mehr Kundenfreundlichkeit in der Elektromobilität. Gleichzeitig weist die Verordnung keine Schranken für die Geschäftsmodelle von Fahrstromanbietern wie Automobilunternehmen und Mobilitätsdienstleistern auf“, so Sebastian Crusius, Senior Manager Public Affairs beim Berliner Start-up Hubject, dessen betreiberübergreifende Direktbezahllösung intercharge direct spontanes Laden an Ladestationen für Elektrofahrzeuge ermöglicht. Die digitale Freischaltung und Bezahlung des Ladevorgangs erfolgt einfach und sicher via mobiler Webseite über das Smartphone.

Volker Buddensiek