Bohrung in Unterhaching übertrifft Erwartung

Mächtig viel Dampf stieg aus dem zweiten Bohrloch in Unterhaching, als die Arbeiter auf Wasser mit einer Temperatur von 127 °C stießen.<br/>
Foto: Rödl & Partner
Mächtig viel Dampf stieg aus dem zweiten Bohrloch in Unterhaching, als die Arbeiter auf Wasser mit einer Temperatur von 127 °C stießen.
Foto: Rödl & Partner

Mindestens 100°C und 100 Liter pro Sekunde sollten es gemäß der Prognosen sein. Tatsächlich bezifferte das Unternehmen Rödl & Partner, das für das Gesamtprojektmanagement zuständig ist, die Temperatur des Wassers in einer Tiefe von 3.577 Meter kurz nach Abschluss der Bohrung mit 127 °C. Und selbst dies könnte zu tief gegriffen sein. »Aus manchen Schichten erhalten wir Wasser mit einer Temperatur von über 130 °C.«, sagt Projektleiter Christian Schoenwiesner-Bozkurt. Wie hoch schließlich die Mischtemperatur des geförderten Wassers sein wird, ist noch nicht klar. Aber mit einer Abweichung nach unten rechnet er nicht mehr. Die Schüttmenge kann Rödl & Partner noch nicht benennen. Sie sei aber »bis zu doppelt so hoch« wie die der ersten Bohrung, die bei 150 Litern pro Sekund lag.

»Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir die Anlage andersherum geplant« sagt Schoenwiesner-Bozkurt. Nun sind die Position des Wärmetauschers, die Wärmedämmung und die Rohrleitungsmaterialien darauf ausgerichtet, dass das Wasser aus der ersten Bohrung entnommen und in die zweite Bohrung wieder eingepresst wird. Ob es sich lohnt, das zu ändern, ist fraglich.

Klar ist jedoch, dass das Gestein im zweiten Bohrloch durchlässig genug ist, um das Wasser mit dem Druck von 10 bar, der im Thermalkreislauf ohnehin besteht, wieder in den Untergrund einzupressen. So sind keine zusätzlichen Pumpen notwendig.

In Unterhaching soll aber nicht nur Fernwärme erzeugt werden. Vor allem im Sommer, wenn der Wärmebedarf niedrig ist, soll eine sogenannte Kalina-Anlage der Siemens AG aus der Erdwärme eine elektrische Leistung von bis zu 3,36 MW generieren. Kalina ist ein von Siemens patentiertes Verfahren, dass mit Hilfe eines Ammoniak-Wasser-Kreislaufs Wärme auf niedrigem Temperaturniveau für die Stromgewinnung nutzt. Die Anlage in Unterhaching wäre in Deutschland die erste nach diesem Verfahren. In Island wird es bereits in einem geothermischen Kraftwerk angewandt.

Für Schoenwiesner-Bozkurt sind die Ergebnisse der zweiten Bohrung »der Durchbruch für die Geothermie als alternative Energiequelle in Bayern«. Denn: »Mit dem Erfolg der zweiten Bohrung ist der Beweis angetreten, dass das Molassebecken ein zuverlässiger Lieferant für die Energie- und Wärmeversorgung der Zukunft ist. 8 bis 10 % des Fernwärmebedarfs des Bundeslandes könnten durch Tiefengeothermie gedeckt werden. Rödl & Partner rechnet dort mit einem Investitionsvolumen von 3,2 Mrd. € in den kommenden Jahren.

Der Verlauf des Projektes ist auf der Internetseite von Rödl & Partner unter www.geothermieprojekte.de zu verfolgen.