Von China lernen

Kohle-Importe nach China wachsen nicht weiter (Foto: dpa picture alliance)
Kohle-Importe nach China wachsen nicht weiter (Foto: dpa picture alliance)
09.09.2014

Fast wäre die Meldung untergegangen. Dabei ist sie es durchaus wert, darüber zu berichten: Zum ersten Mal in diesem Jahrhundert ist der Verbrauch von Kohle in China rückläufig. In den Köpfen nicht nur zahlreicher Experten hat sich die Vorstellung festgesetzt, Chinas Wirtschaftswachstum gehe Hand in Hand mit einem ständig wachsenden Appetit auf das schwarze Gold. Doch was in der Vergangenheit richtig war, stimmt seit dem ersten Halbjahr 2014 nicht mehr.

China will Kohle-Importe begrenzen

Eine Studie von Greenpeace International zeigt, dass sich Kohleverbrauch und Wirtschaftswachstum entkoppelt haben. China konnte die heimische Kohleförderung zwischen Januar und Juli um 1,8 % zurückfahren, gleichzeitig sank die Importmenge von bisher 15 % Wachstum auf nur noch 0,9 %. Für das zweite Halbjahr fordert Chinas Kohle-Verband (China National Coal Association, CNCA) sogar eine Reduktion der Kohleförderung in zahlreichen Revieren um 10 %. Die CNCA ist nicht irgendwer. Sie berät die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission und die Chinas Energiebehörden und hat sich in der Vergangenheit vehement für ein Wachstum der Kohleförderung eingesetzt.

Wer zur Erklärung dieses Kurswechsels auf Chinas schwächeres Wirtschaftswachstum in den letzten Monaten verweist, greift zu kurz. Zwar trifft es zu, dass China immer noch rund 50 % des weltweiten Kohleverbrauchs auf sein CO2-Konto buchen muss, doch erstmals deutet sich hier eine Trendumkehr an – „Peak-coal“ made in China. Das chinesische Wirtschaftswachstum liegt dagegen im ersten Halbjahr immer noch bei 7,4 %.

Die Ursachen liegen in der Erkenntnis, dass wachsende Umweltprobleme bei zunehmendem Wohlstand der Bevölkerung eine immer größere politische Sprengkraft entwickeln. Insofern ist die chinesische Regierung sicherlich auch getrieben. Aber sie zieht daraus Konsequenzen und beginnt mit einer Verlagerung weg von energieintensiven Industrieprodukten hin zu Verbrauchsgütern und Dienstleistungen – und mit einer Stärkung von Technologien zur sauberen Energieerzeugung. Chinesische Investoren jedenfalls zeigen seit geraumer Zeit ein immer geringeres Interesse, in Kohle zu investieren und legen ihr Geld vermehrt in sauberen Technologien an.

Mut zu Veränderungen

Warum ich das hier so ausführlich schildere? Weil es in bemerkenswertem Kontrast steht zur heimischen Energiepolitik. In Berlin werden wirtschaftliche Potenziale verspielt, die ein beschleunigter Ausbau zukunftsfähiger, sauberer Technologien erschließen könnte - aus Rücksicht auf energieintensive Industrien und die Interessen der Betreiber konventioneller Kraftwerksparks. Entwicklungspläne und Programme orientieren sich am Ziel, Bestandsinteressen zu wahren. Risiken und Trends werden dabei wider besseres Wissen ausgeblendet.

Ich wünsche mir sicherlich keine Regierung, die von einer allmächtigen Staatspartei zentral gesteuert wird. Aber ich wünsche mir durchaus mehr Mut, wenn es darum geht, die Notwendigkeiten und die Chancen von Veränderungen zu analysieren, daraus Ziele abzuleiten und diese auch gegen Widerstände durchzusetzen. Weder in Berlin noch in Brüssel sehe ich im Augenblick die Kraft und den Willen, solche Veränderungen politisch durchzusetzen.

Bleibt gegenwärtig nur, auf den Wandel „von unten“ zu setzen. Auf Bürgerengagement, Energiegenossenschaften und Stadtwerke, die mit neuen Ideen das weitertragen, was vor gar nicht so langer Zeit als Energiewende mit viel Schwung begonnen wurde.

Volker Buddensiek

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