Ökodesign: Danke EU!

Regelungswut oder Sinnvoll? Staubsauger bekommen ein neues Effizienzlabel. (Foto: dpa)
Regelungswut oder Sinnvoll? Staubsauger bekommen ein neues Effizienzlabel. (Foto: dpa)
02.09.2014

Seit einigen Jahren begleitet uns in der Heizungsindustrie nun schon die Ökodesign-Richtlinie. Außerhalb von Fachkreisen hat das aber kaum jemand mitbekommen. Nun ist das Ökodesign aber auch in den Massenmedien angekommen. Leider mit einer ganz falschen Botschaft.

Statt mit dem neuen Heizungslabel begegnet uns die Ökodesignrichtlinie dieser Tage in den Publikumsmedien über das Thema Staubsauger. Denn hier dürfen seit Montag keine Geräte mehr verkauft werden, die eine Leistung von über 1.600 Watt haben. Wie leider allzu häufig, wenn es um die EU geht, fragen sich viel zu viele Menschen leider nicht, ob das vielleicht sinnvoll sein könnte. Wichtiger scheint: Die EU hat ein Verbot erlassen. Und Verbote sind offenbar immer schlimm.

Nicht dass ich nicht selbst genug Schlechtes über die EU sagen könnte, allein wenn der Name Oettinger fällt, steigt mein Blutdruck auf ungesunde Werte. Aber schauen wir doch mal auf die Fakten. Unabhängige Experten sind allesamt der Meinung, dass niemand Staubsauger mit einer höheren Leistung braucht. Das sagen sowohl (zugegebenermaßen nicht ganz unvoreingenommene) Umweltschützer, aber auch die Verbraucherzentralen und sogar die Stiftung Warentest.

870 Watt Leistung reichen aus

Letztere hat auch erst im Februar dieses Jahres 74 Staubsauger getestet. Das Siegerprodukt brauchte lediglich 870 Watt. Auch weitere 22 Produkte, die mit der Note „gut“ abschnitten, haben laut Stiftung Warentest keinerlei Probleme mit dem neuen Ökodesign-Label. Nach einem Interview, das vor kurzem in der taz erschienen ist, war der 870-Watt-Sieger sogar mit einer deutlich höheren Leistung gelabelt, nämlich 1.200 Watt.

Warum aber höher Lablen? Es ist bei Staubsaugern offenbar ganz ähnlich wie beim Auto oder dem PC. Im Marketing sind hohe Zahlen verkaufsfördernd. Ob Watt, Pferdestärken oder Gigahertz: Es wird geklotzt, nicht gekleckert.

Dieser Trend ist nicht neu, und obwohl eigentlich jedermann wissen sollte, dass hohe Leistung nicht immer das Gleiche ist, wie hohe Qualität, wird weiter danach gekauft. Das ist nur menschlich, niemand kann sich überall gut auskennen und einfache Kennzahlen geben uns Kunden Orientierung.

Effizienz als Kaufargument

Wenn also nun die hohe Wattzahl als Kaufargument wegfällt und vielleicht das Energielabel an seine Stelle tritt, bietet sich den Kunden auch weiter eine einfache Orientierung. Zugegeben, das Label ist nicht perfekt. Wie in anderen Produktklassen auch hat die Europäische Kommission die Skala nach oben hin erweitert, es gibt nun bald Staubsauger mit dem Label A+, A++ und A+++. Die Klassen E, F und G fallen dagegen weg. Für Verbraucher ist das sicher nicht die einfachste Lösung. Allerdings hätte eine Neufassung, die strengere Werte einführt aber die alte Skala von A bis G beibehält dafür gesorgt, dass alte Staubsauger leicht für effizienter gehalten würden, als sie wirklich sind.

Weder das Verbot der 1.600-Watt-Energiefresser noch die neuen Effizienzklassen muss man mögen. Aber hier einfach nur von überflüssigen Verboten und Brüsseler Reglungswut zu sprechen greift zu kurz. Manche Regeln und Verbote, auch die von der EU, sind nicht so schlecht, wie es immer heißt.

Jan Gesthuizen

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