Neste Oil plant Bioraffinerie auf Palmölbasis

Der Bau soll »in der ersten Jahreshälfte 2008« beginnen; die Fertigstellung ist Ende 2010 geplant. Produziert werden soll dort »Next Generation Biomass-to-Liquid« (NExBtL).
Die erste Anlage mit 170.000 t Jahreskapazität läuft bereits in Porvoo. Auf dem Neste-Oil-Raffineriegelände 40 km östlich von Helsinki baut das Unternehmen derzeit für 100 Mio. € noch eine zweite, gleich große Anlage. Die dritte Anlage folgt in Österreich, im Joint Venture mit dem Mineralölkonzern OMV AG auf dem Areal der OMV-Raffinerie Schwechat. Sie soll ab 2009 jährlich 200.000 t NExBtL erzeugen. Der Vorteil: Die Technik ist offenbar sehr preiswert. Für eine NExBtL-Anlage mit einer Kapazität von 200.000 Jahrestonnen müsse nur ein Viertel der Summe investiert werden, die eine herkömmliche BtL-Anlage kosten würde, so Neste Oil.
»Wir haben das Ziel, der führende Biodieselhersteller der Welt zu werden«, sagt Risto Rinne, Direktor und CEO von Neste Oil. Und daher sollen bis 2015 weltweit mehrere Mio. t von dem Biokraftstoff verfügbar sein. Als Ausgangsstoff dafür wird zwar nach wie vor Pflanzenöl verwendet. Er wird aber mit einem speziellen Verfahren nicht zu gewöhnlichem Biodiesel, also Fettsäure-Estern, sondern zu einem synthetischen Premium-Kraftstoff verarbeitet. Dazu erfolgt nach einer Vorbehandlung die Hydrierung, ein klassischer Raffinerieprozess. Das Produkt NExBtL hat eine ähnliche Zusammensetzung wie fossile Kraftstoffe, ist aber frei von aromatischen Verbindungen, Stickstoff, Sauerstoff und Schwefel. Es ist sehr zündwillig (Cetanzahl 84 bis 99) und kann ohne Einschränkung herkömmlichem Diesel beigemischt werden.
Als Rohstoff wird vorwiegend Palmöl zum Einsatz kommen – denn das ist derzeit das billigste Pflanzenöl, das auf dem Weltmarkt zu haben ist. Gehandelt werden derzeit weltweit etwa 35 Mio. t pro Jahr, allein in Malaysia und Indonesien werden je 15 Mio. t erzeugt. Unter dem Strich eine kostspielige Alternative zu fossilen Brennstoffen: »Wenn tropische Tieflandregenwälder für Palmölplantagen gerodet werden, dauert es ca. 1.500 Jahre, bis die in diesem Falle verheerende Klimabilanz wieder ausgeglichen ist – ganz zu schweigen vom Artenverlust, der mit dem Raubbau an solchen Urwäldern einhergeht«, warnt Guido Reinhardt, Fachbereichsleiter des Ifeu-Institutes, bei dem Neste Oil die Umweltverträglichkeit des neuen Verfahrens begutachten ließ.
Auch Neste Oil arbeitet offensichtlich parallel an einer Technologie, die Kraftstoff aus Ganzpflanzen gewinnen kann. Dazu wollen die Finnen Biomasse in Synthesegas umwandeln und dieses dann klassisch im Fischer-Tropsch-Verfahren zu Kraftstoff weiterverarbeiten. Für dieses »echte« BtL, von Neste Oil als »Kraftstoff der dritten Generation« bezeichnet, erwartet das Unternehmen erste kommerzielle Kapazitäten 2015 am Markt. (Anke Müller)